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Angebrachte Höhe der Abgeltungssteuer: 0%

2009 eingeführt, steht die Abgeltungssteuer schon nach nur fünf Jahren unter massivem Beschuss. Die SPD macht sich stark für ihre Abschaffung. Kapitalerträge sollen nach den Wünschen der Sozialdemokraten wieder mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegt werden. Der baden-württembergische Finanzminister Nils Schmid sieht das Vorhaben seiner Partei in der derzeitigen Ungleichbehandlung von Arbeitseinkommen und Kapitaleinkommen begründet. Dabei ist eine unterschiedliche Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkommen angezeigt, denn sie unterscheiden sich maßgeblich voneinander. Der Unterschied ist so groß, dass Kapitalerträge mit einem Steuersatz von 0% belastet werden sollten.

Nach geltendem Steuerrecht werden Einkünfte aus Kapitalerträgen pauschal mit 25% besteuert. Der persönliche Einkommensteuersatz kommt nur zur Anwendung, wenn er unter 25 % liegt.

Durch die Besteuerung von Kapitalerträgen wird bestraft, wer heute sparsam ist und für die Zukunft vorsorgt. Der zukünftige Konsum des Sparsamen wird stärker besteuert als der jetzige Konsum, den er entbehrt. Irrelevant ist die Kapitalertragsteuer für Menschen, die aufs Sparen verzichten und ihr heutiges verfügbares Einkommen vollständig auf den Konsum verwenden.

Gleiches Einkommen, unterschiedliche Sparentscheidungen

Ein Beispiel soll Licht ins Dunkel der Besteuerung von Kapitalerträgen bringen: Bruder und Schwester unterscheiden sich nur bezüglich ihres Sparverhaltens. Beide arbeiten 45 Jahre lang. Für die Arbeit beider bezahlen ihre Arbeitgeber jährlich 60.000 Euro. Davon kommen nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuern noch jeweils jährlich 30.000 Euro bei Bruder und Schwester an - eine für Deutschland realistische Annahme. Während die Schwester jeden Monat 500 Euro spart, gibt der Bruder stets sein gesamtes verfügbares Einkommen aus.

Es ist offensichtlich, dass Bruder und Schwester in Bezug auf ihr Einkommen gleichgestellt sind. Sie könnten sich in jedem Jahr den gleichen Konsum erlauben. Die beiden haben jedoch unterschiedliche Präferenzen für das Timing ihres Konsums. Der Bruder konsumiert lieber im Hier und Jetzt. Die Schwester nimmt heute etwas weniger Konsum in Kauf und verschiebt einen Teil ihres Konsums in die Zukunft, wofür sie durch eine positive Rendite gerade noch entschädigt wird.

Besteuerung von Kapitalerträgen bestraft Sparsamkeit

Für eine Bestrafung der Schwester scheint es keinen guten Grund zu geben. Und trotzdem findet eine solche Bestrafung durch die Kapitalertragsteuer statt. Von ihrem wirklichen Bruttogehalt von 60.000 Euro nutzt der Bruder 50% für den Konsum. Bei der Schwester sind es monatlich nur 2.000 Euro, also 40%. Die übrigen 500 Euro investiert sie in Aktien.

Nehmen wir weiter an, Bruder und Schwester gehen beide mit 70 in Rente und die Schwester veräußert beim Renteneintritt ihre Aktien. Bei einer Rendite von 4% jährlich beläuft sich der Wert des Portfolios auf 726.000 Euro. Davon stellen 456.000 Euro Kapitalgewinne dar, die die Schwester gerade für den 45 Jahre lang entbehrten Konsum entschädigen. Bei einer Abgeltungssteuer von 25% muss sie 114.000 Euro an das Finanzamt abführen. Die Erträge nach Steuern reichen nicht aus, um sie durch Konsum im Anschluss an das Berufsleben für den in den 45 vorangehenden Jahren entgangenen Konsum zu entschädigen. Ihr Bruder muss trotz identischem Lebensarbeitseinkommen nicht unter der Kapitalertragssteuer leiden.

Die SPD wünscht sich jetzt eine (Re-)Intensivierung der Bestrafung durch die Kapitalertragsteuer. Die Schwester hat allen Grund, entrüstet zu sein. Wie dieses Beispiel verdeutlicht, ist ein Verweis auf die Kapitalertragsteuer als eine Maßnahme zum Abbau von Einkommensungleichheit nicht überzeugend. Durch die Besteuerung von Kapitalerträgen wird Arbeitseinkommen doppelt besteuert, wodurch Konsum in der Zukunft einer höheren Besteuerung unterliegt als Konsum heute.

Verzerrung von Investitionsentscheidungen

Wie absurd die derzeitige Steuergesetzgebung in Deutschland ist, offenbart eine Abwandlung des Beispiels. Hätte sich die Schwester entschieden, mit Hilfe der monatlichen 500 Euro Wohneigentum zu erwerben und nehmen wir an, der Wert ihres Wohneigentums würde sich nach den 45 Jahren ebenfalls auf 726.000 Euro belaufen, dann müsste sie auch bei einem Verkauf der Immobilie keine Kapitalertragssteuer abführen.

Durch die derzeitige Kapitalertragsteuer werden intertemporale Konsum- und Sparentscheidungen verzerrt. Das Ergebnis unterm Strich: Menschen sparen weniger. Außerdem verzerrt die Ausgestaltung der Kapitalertragsteuer die sich an die Sparentscheidung anschließenden Investitionsentscheidung. So werden Immobilieninvestionen künstlich attraktiver.

Forderung: Kapitalerträge steuerfrei stellen

Ein attraktives Instrument zur Umverteilung ist die Besteuerung von Kapitalerträgen nicht. Da Kapitalerträge vornehmlich aus vergangenen Konsum- und Sparentscheidungen resultieren, eignen sie sich nicht gut als Maßstab für die Leistungsfähigkeit der Mitglieder einer Gesellschaft. Darüber hinaus führt die Kapitalertragsteuer zu verzerrten Investitionsentscheidungen und somit zu Wohlstandsverlusten. Eine Kapitalertragsteuer von 0% wäre aus diesen Gründen angemessen.


Bildnachweis: CC BY 3.0 DE, by alegri / 4freephotos.com

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