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Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit

2015 erreichte die Beschäftigung in Deutschland ein neues Rekordhoch. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenrate auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt könnte dazu beitragen, dass die Einkommensungleichheit, gemessen am GINI-Koeffizienten, in Deutschland fällt – vorausgesetzt andere Faktoren sorgen nicht dafür, dass die Einkommensungleichheit zunimmt.

Während über die derzeitige positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt regelmäßig berichtet wird, erfährt der potentielle Effekt sich verändernder Arbeitslosenraten auf die Verteilung von Einkommen kaum Aufmerksamkeit. Gerade die um die Ungleichverteilung von Einkommen Besorgten sollten die niedrigen Arbeitslosenraten begrüßen, weil sie nicht nur anzeigen, dass mehr Menschen einer entlohnten Tätigkeit nachgehen, sondern zu einer gleicheren Einkommensverteilung in den nächsten Jahren beitragen könnten.

Deutscher Arbeitsmarkt 2015: Positiver Trend hält an

Die jüngsten Zahlen zur Arbeitsmarktlage Deutschlands lassen aufhorchen. Mit im Durchschnitt über 43 Millionen Erwerbstätigen wurde 2015 ein neuer Höchststand erreicht. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenrate im Jahresdurchschnitt auf 6,4%.

Damit setzte sich der positive Trend auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter fort. Seit 2003 – als 39,2 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt waren – ist die Zahl der Erwerbstätigen Jahr für Jahr gestiegen und überquerte nun erstmals die 43 Millionen-Marke, trotz Finanz- und Staatsschuldenkrisen seit 2008.

Die durchschnittliche Arbeitslosenrate aller zivilen Erwerbspersonen erreichte mit 6,4% einen neuen Tiefststand seit der Wiedervereinigung. Auch sie zeigt seit 2005 – als ein Rekordhoch von durchschnittlich 11,7% zu verzeichnen war - eine positive Entwicklung.

Die guten Arbeitsmarktdaten, insbesondere die relativ niedrige Arbeitslosigkeit, könnten in Zukunft einen Beitrag zur Verringerung der Ungleichheit innerhalb Deutschlands leisten.

Arbeitslosigkeit und Ungleichheit: Theorie

Je höher die Arbeitslosenrate in einem Land, desto mehr Menschen decken ihren Lebensunterhalt durch Bezüge aus den sozialen Sicherungssystemen. Diese Bezüge fallen niedrig aus im Vergleich zu den Einkommen, die von der Arbeitslosigkeit betroffene Menschen beziehen würden, wenn sie arbeiteten. Deshalb ist zu erwarten, dass die Ungleichverteilung von Einkommen nach Steuern, Abgaben und staatlichen Transfers höher ausfällt, je mehr Menschen arbeitslos sind.

Ob ein positiver Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit nach Steuern, Abgaben und staatlichen Transfers besteht, hängt davon ab, wie hoch die Belastung der Arbeitenden durch Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge ausfällt und wie umfangreich die dadurch finanzierten von Arbeitslosen erhaltenen Transfers sind. Wie so oft, lässt sich diese Frage nur empirisch beantworten.

GINI-Koeffizient: Ungleichheit in Deutschland seit 2006 beständig

Ungleichheit wird häufig mithilfe des GINI-Koeffizienten gemessen. Der GINI-Koeffizient ist ein statistisches Maß zwischen 0 und 1, das zur Darstellung und zum Vergleich von Einkommensungleichheit innerhalb von Ländern genutzt werden kann. Der GINI nimmt den Wert 0 an, wenn jeder ein Einkommen gleicher Höhe bezieht und liegt bei 1, wenn eine Person das gesamte Einkommen auf sich vereint und die übrigen Menschen keinerlei Einkommen beziehen.

Je nach individueller Einkommenshöhe erhalten Individuen mehr oder weniger monetäre Transfers, als sie dem Staat in Form von Einkommensteuern und Beiträgen zu den Sozialversicherungen überlassen. Der GINI-Koeffizient nach Steuern und Transfers berücksichtigt die durch den Staat dadurch herbeigeführte Umverteilung. Als Maß für den Grad der Einkommensungleichheit in einer Gesellschaft ist er deshalb dem GINI-Koeffizienten vor Steuern und Transfers vorzuziehen.

Während der GINI-Koeffizient für Deutschland von 2007 bis 2012 leicht fiel, war 2013 und 2014 ein Anstieg des GINI-Koeffizienten und damit der gemessenen Einkommensungleichheit zu verzeichnen. Die günstige Arbeitsmarktentwicklung der letzten Jahre könnte dazu beigetragen haben, dass der GINI-Koeffizient seit 2006 nicht stärker gestiegen ist und die für 2015 noch nicht veröffentlichten GINI-Daten denen aus 2014 ähneln werden.

Arbeitslosigkeit und Ungleichheit: Empirie

Empirische Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Ungleichheit liegen für verschiedene Länder vor. Es gibt empirische Hinweise darauf, dass eine niedrigere Arbeitslosenrate die Einkommensungleichheit verringert: So beispielsweise für die USA, England, Schweden, Brasilien sowie für die Philippinen.

Auch für Deutschland gibt es Hinweise, dass niedrigere Arbeitslosenraten zu geringerer Ungleichheit führen. Forscher des DIW und des IMK weisen auf diesen Zusammenhang hin. Während eine frühere Version eines weiteren Papiers einen starken positiven Effekt der Arbeitslosenrate auf Einkommensungleichheit findet, ist der gefundene Effekt in der finalen Version nur gering, aber geht noch immer in die gleiche Richtung.

Andere Faktoren konstant haltend scheint auch für Deutschland zu gelten: Je geringer die Arbeitslosigkeit, desto niedriger die Ungleichheit der Einkommen. Die Arbeitslosenrate ist aber offensichtlich nicht der einzige Faktor, der die Entwicklung der Einkommensungleichheit beeinflussen kann. In der empirischen Literatur werden zudem die Auswirkungen etwa der Inflation, der Verteilung von Markteinkommen, technologischer Veränderungen, der Ausgestaltung des Steuersystems, der Geldpolitik und der durchschnittlichen Haushaltsgröße auf die Einkommensungleichheit diskutiert.

Niedrige Arbeitslosenrate als auffangender Effekt

Auch die gegenwärtig starke Zuwanderung nach Deutschland wird die Ungleichheit von Einkommen beeinflussen. Wandern Menschen zu, die keine oder nur geringe Arbeitslöhne beziehen, fällt das durchschnittliche Einkommen und steigt der GINI-Koeffizient.

Es wird sich zeigen, ob Faktoren, die die Einkommensungleichheit ansteigen lassen, in den nächsten Jahren die Oberhand haben werden oder Faktoren, die die Ungleichheit sinken lassen. Unabhängig davon gilt: Wer Sorge bezüglich des Grades der Ungleichheit innerhalb Deutschlands hat, sollte die gute Arbeitsmarktlage über die direkten positiven Effekte zusätzlicher Beschäftigung hinaus begrüßen.

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