Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von & ,

Asylzuwanderung: Kostenschätzungen unter der Lupe

In den vergangenen Monaten haben sich einige Forschungsinstitute an einer Schätzung der langfristigen Kosten der derzeitigen Asylzuwanderung versucht, so etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das Institut für Weltwirtschaft und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Während die Schätzungen der Forscher zwischen jährlich 18 bis 32 Milliarden Euro schwanken, verdeutlichen alle Studien, dass die langfristige Belastung nur durch einen erleichterten Arbeitsmarktzugangs für Asylmigranten merklich gesenkt werden kann. Anzustrebende Reformen sollten daher in den Mittelpunkt der politischen Debatte rücken.

Kosten für Versorgung und Ausbildung

Für Kostenschätzungen der Versorgung von Asylmigranten (Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge und Geduldete) muss definiert werden, welche Kostenblöcke in die Kalkulation eingerechnet werden sollen. Eindeutig gehören dazu die Finanzierung von Unterbringung, Verpflegung, Bargeldtransfers sowie der Verwaltungsaufwand während der Antragsprüfung. Dazu kommen durch Integrations- und Sprachkurse, Schulbesuche und den Familiennachzug entstehende Ausgaben. Kosten fallen auch nach der Anerkennung beziehungsweise Duldung an, da viele der Ankömmlinge nicht erwerbstätig sein werden – entweder, weil sie erwerbsunfähig sind, oder weil ihnen der Einstieg in den Arbeitsmarkt zunächst nicht gelingt.

Schätzung mit Unsicherheit behaftet

Auch wenn die Definition der einzubeziehenden Kosten wenig kontrovers ist, bleibt die Schätzung mit hoher Unsicherheit behaftet. Denn es sind Annahmen zu treffen über die Anzahl zukünftig einwandernder Asylmigranten, das Ausmaß des Familiennachzugs, die Entwicklung der Anerkennungs- und Duldungsquoten sowie den Anteil zukünftig Erwerbstätiger.
So ist die Bundesregierung mit Prognosen bezüglich der Anzahl zusätzlicher Asylmigranten für die kommenden Jahre sehr zurückhaltend. Über das Ausmaß der Erwerbstätigkeit bereits in Deutschland lebender Asylmigranten und deren Qualifikation ist zudem bisher wenig bekannt. Auch wie viele Asylbewerber schließlich bleiben werden, ist unklar.

Forschungsinstitute: Abweichende Schätzungen

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dasInstitut für Weltwirtschaft (IfW) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben in den letzten Monaten detaillierte Simulationsrechnungen angestellt, um die Kosten der Asylzuwanderung abzuschätzen. In ihren Basisszenarien kommen die drei Institute dabei zu deutlich voneinander abweichenden Ergebnissen: Das DIW veranschlagt jährlich durchschnittlich 32 Milliarden Euro an Kosten. Das IfW und das IW erwarten niedrigere Kosten in Höhe von jährlich 22,7 bzw. 18,3 Milliarden Euro.

Auch die Kostendefinitionen weichen voneinander ab: Während das DIW und das IfW keine expliziten Bildungs- und Integrationskosten veranschlagen, erwartet das IW hierfür insgesamt 11 Mrd. Euro bis 2017. Für die Unterbringung, Verpflegung und Asylbewerber- beziehungsweise Sozialleistungen geht das IW von jährlich 12.000 Euro pro Asylbewerber und unbeschäftigten Flüchtling aus, während das DIW dafür jeweils 40% beziehungsweise 30% des BIP pro Kopf veranschlagt. Das IfW rechnet mit 13.000 Euro und berücksichtigt auch Bautätigkeits- und kommunale Verwaltungskosten.

Die Kostenschätzungen von jährlich 12.000 bzw. 13.000 Euro pro Kopf basieren auf Angaben der Bundesregierung bzw. des Deutschen Städtetags und können nur als ungefährer Richtwert verstanden werden. Beispielsweise wurde bekannt, dass die zwecks Versicherung der Flüchtlinge an die Krankenkassen überwiesenen Transfers zu niedrig angesetzt sind.

Die Studie des DIW untersucht als einzige den Effekt der Asylzuwanderung auf das Pro-Kopf-Einkommen. Das DIW rechnet in seinem Basisszenario damit, dass das Pro-Kopf-Einkommen der einheimischen Bevölkerung ab 2022 höher als ohne die jüngste Asylzuwanderung ausfallen wird. Dazu kommt es durch die angenommene Erwerbstätigkeit eines Teils der Flüchtlinge und Gedulteten.

Abhängigkeit von staatlichen Leistungen entscheidend

Zwar gehen die drei Institute alle von zukünftig sinkenden Asylbewerberzahlen aus – doch das Ausmaß wird unterschiedlich eingeschätzt. Das DIW erwartet von 2015 bis 2020 5,25 Millionen Asylbewerber, von denen zunächst 72,5% akzeptiert oder geduldet werden, wobei durch die spätere Rückkehr nach zehn Jahren noch 48,4% in Deutschland sein werden. Das IfW geht für denselben Zeitraum von nur 3,78 Millionen Bewerbern aus, von denen aufgrund gescheiterter Anträge nach drei Jahren noch 70% im Land sein werden. Das IW wiederum erwartet 2,4 Millionen Asylbewerber bis 2017 und eine Anerkennungsquote von 80%.

Auch die Annahmen über die zukünftige Erwerbstätigkeit von Asylbewerbern und Flüchtlingen weichen voneinander ab. Optimistisch – vermutlich zu optimistisch – ist das DIW: Angenommen wird, dass von den in Deutschland bleibenden Flüchtlingen jeder Jahreskohorte ab dem zweiten Jahr rund 23%, nach fünf Jahren rund 32% und nach zehn Jahren rund 41% selbst versorgen können, während der Rest auf staatliche Unterstützung angewiesen sein wird. Das IW erwartet dagegen, dass 2016 im Jahresdurchschnitt lediglich 6,5% der in Deutschland bleibenden Flüchtlinge arbeiten werden oder durch arbeitende Familienmitglieder versorgt werden. In 2017 sollen dies immerhin 12,8% sein, doch der Rest wird auf Unterstützungszahlungen angewiesen sein. Das IfW wiederum ist optimistischer: Von den in Deutschland bleibenden Flüchtlingen sind demnach nach zwei Jahren 15%, nach fünf Jahren rund 48% und nach zehn Jahren etwa 75% nicht mehr auf staatliche Leistungen angewiesen.

Weitere Studien teilen Einschätzung

Generell sind deutsche Ökonomen gespalten in der Einschätzung der langfristigen fiskalischen Folgen der Asyleinwanderung. Dabei fällt der Anteil der Ökonomen, die Nachteile sehen mit 58% deutlich größer aus als der Anteil der Ökonomen, die Vorteile sehen (23%). Weitere Schätzungen durch das ifo Institut, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und den Ökonomen Bernd Raffelhüschen fallen pessimistischer als die Studien von DIW, IfW und IW aus, ermöglichen aber kaum Einsicht in die zugrunde liegenden Annahmen und entziehen sich daher eines detaillierteren Vergleichs.

Das ifo Institut berechnete für 1,1 Millionen Asylbewerber in 2015 Kosten für Unterbringung, Verpflegung, Kitas, Schulen, Deutschkurse, Ausbildung und Verwaltung in Höhe von 21,1 Milliarden Euro – in den kommenden Jahren soll die Größenordnung ähnlich ausfallen. 20 bis 30 Milliarden Euro pro Jahr hält auch Clemens Fuest vom ZEW für realistisch. Eine Langfristperspektive bietet Raffelhüschen, der mittels Generationenbilanzmethode unter Annahme von insgesamt 2 Millionen Asylbewerbern bei jährlichen Kosten von 16,9 Milliarden Euro auf langfristig 900 Milliarden Euro kommt.

Unklare Kosten, klare Reformempfehlung

Die unterschiedlichen Schätzungen illustrieren, dass eine punktgenaue Prognose der langfristigen Kosten der Asylzuwanderung nicht möglich ist. Als gesichert dürfte allerdings gelten, dass auf absehbare Zeit negative Folgen für den Staatshaushalt zu erwarten sind. Nennenswerte positive Effekte für die einheimische Bevölkerung werden dagegen kaum erwartet. Lediglich das DIW geht explizit davon aus, dass die Flüchtlingszuwanderung ab 2022 positive Auswirkungen auf das Pro-Kopf-Einkommen der einheimischen Bevölkerung haben wird.

Gleichzeitig verdeutlichen alle Schätzungen, dass der einzige Weg zur deutlichen Kostensenkung über die Integration in den Arbeitsmarkt führt. Obwohl es an konkreten Vorschlägen zum Abbau von Eintrittsbarrieren nicht mangelt, steckt der Abbau arbeitsmarktpolitischer Hürden für Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland noch in den Kinderschuhen, auch wenn im letzten Jahr wichtige Reformen angestoßen wurden. Die weitgehende Einigkeit der Ökonomen hinsichtlich der geforderten Reformen legt nahe, dass sich die politische Debatte weniger auf die konkrete Höhe der Kosten und stärker auf anzustrebende Reformen konzentrieren muss.

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Austerität in Griechenland: Ausgaben runter statt Steuern hoch

Neue Daten: Wirtschaftliche Freiheit in Deutschland


Beschäftigung von Zuwanderern in DAX-Unternehmen?

Wirtschaftliche Freiheit: Mittel gegen Korruption



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.