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Bank of England: Compliance-Skandal

The Bank of England macht wieder Schlagzeilen – diesmal gleich mit zwei Skandalen. Von der BBC veröffentlichtes Videomaterial legt nahe, dass die Libor-Manipulationen nach 2008 auf Betreiben der Zentralbank erfolgten. In Folge eines unter den Teppich gekehrten Interessenkonflikts musste die frisch ernannte BoE-Vizepräsidentin Charlotte Hogg gleich wieder zurücktreten. Zentralbankintern versucht man nun, das durch einen Untersuchungsausschuss aufgedeckte Fehlverhalten zu einer Bagatelle umzudeuten. Beide Vorfälle unterstreichen: Noch immer sind hochrangige Banker kaum bereit, Verantwortung für ihre Fehltritte zu übernehmen.

Libor-Manipulation und Compliance-Skandal

Gleich zwei Skandale erschüttern derzeit das Vertrauen in die Bank of England. Der erste Vorfalls dreht sich um einen Videomitschnitt, der der BBC zugespielt wurde. Das Material dokumentiert anscheinend, dass die Zentralbank im Jahr 2008 diverse Geschäftsbanken zur Manipulation des Libor-Zinssatzes gedrängt hat. 2012 hatte die Bank of England derartige Vorfälle offiziell abgestritten.

Der zweite Vorfall betrifft Charlotte Hogg, deren Vater Douglas Hogg unter Margaret Thatcher dem Außenministerium vorstand. Hogg gab diesen Monat ihre seit 2013 bestehenden Position als Geschäftsführerin der Bank of England auf, um der Zentralbank zukünftig als eine von vier stellvertretenden Präsidenten („deputy governor“) zu dienen. Doch nach nur zwei Wochen musste sie zurücktreten. Der Grund war ein Interessenkonflikt, den sie während ihrer Befragung durch das britische Parlament nicht offengelegt hatte: Ihr Bruder ist einer der Geschäftsführer der Barclays Bank, einer Geschäftsbank die unter Hoggs direkter Aufsicht stehen sollte. Der Vorfall erregte besonderes Aufsehen, da Hogg selbst Mitverfasserin des Compliance Codes der Bank of England war, jenem Regelwerk, dass sie dazu verpflichtet, jegliche Interessenkonflikte aus eigenem Antrieb offenzulegen.

Politik und Medien spielen Verantwortung herunter

Die jüngsten Skandale um die Bank of England reihen sich ein in die nicht abreißen wollende Kette von Missverhaltensskandalen in der britischen Bankenwelt. Leitmedien und Bankenvertreter arbeiten derweil fleißig daran, die Reputationsverluste für Top-Bankerin Hogg zu minimieren. Zahlreiche Medien stellten Hogg als das eigentliche Opfer dar; ihr Fehlverhalten erhielt verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit. Die meisten Kommentatoren schlossen sich dem ehemaligen Schatzkanzler George Osborne an, der ein vermeintliches Sexismusproblem in der Londoner City ausmachte: „Wäre sie auch zum Rücktritt gedrängt worden, wenn sie ein älterer Mann gewesen wäre und ihre Schwester bei einer Bank gearbeitet hätte? Daran zweifle ich.“

Als Hauptverantwortlicher wurde die Compliance-Abteilung der Bank of England ausgemacht. Nicht diese hatte Hoggs Interessenkonflikt aufgedeckt, sondern ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, namentlich das Treasury Select Committee. Obwohl Hogg und ihr Bruder dank ihrer leitenden Positionen und des prominenten Vaters im Licht der Öffentlichkeit stehen, schien den eigens zum Aufspüren derartiger Interessenkonflikte beschäftigten Compliance-Agenten kein Problem aufzufallen – weder in der Compliance-Abteilung der Bank of England, noch bei der Barclays Bank. Auch schien es im Vorfeld keinerlei Kommunikation zwischen den Abteilungen beider Institutionen gegeben zu haben.

Bank of England deutet den Skandal um

Deutlich kommt in dem Vorfall die Geringschätzung des Parlaments zum Ausdruck, die Top-Banker wie Hogg an den Tag legen. Vor dem Parlament erklärte Hogg: “Ich habe seit meinem Einstieg bei der Bank of England stets jegliche potenzielle Interessenkonflikte offengelegt. Ich bin jederzeit bereit, alles weitere mit Mark [Carney, Gouverneur der BoE] zu diskutieren, wenn er will. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er das weiß.“ Dem fügte sie hinzu: „Mein Handeln steht in Übereinstimmung mit unserem Verhaltenskodex. Ich weiß das; ich habe diesen Kodex mitverfasst.“ Kurz darauf musste sie ihren Rücktritt erklären. John Mann, einem Mitglied des Untersuchungsausschusses, kann kaum widersprochen werden, wenn er feststellt, dass Hogg „das Parlament entweder belogen hat oder unsäglich inkompetent ist.“

Auch BoE-Gouverneur Mark Carney verteidigte seine ehemalige Nummer Zwei, über deren forcierten Rücktritt er wohl persönlich enttäuscht sein muss. Während ihrer vier Jahre als Geschäftsführerin habe Hogg „das operationale Geschäft [der Bank] neu ausgerichtet“. Einen Seitenhieb verteilte er an den Untersuchungsausschuss: „Niemand, der sie wirklich kennt, würde ihre Erfolgsgeschichte und ihre persönliche Integrität anzweifeln“. Hoggs Missverhalten sei außerdem nicht wirklich als ein solches zu bewerten: „Charlottes Entscheidung wird vom Verhaltenskodex nicht erzwungen und offenbart, dass an sie weitaus höhere Standards als im Privatsektor gelegt werden.“ Seine Erklärungen schloss der Vorstandsvorsitzende mit einer glühenden Rede auf eine missverstandene Heilige ab: „Die Bank of England steht heute stärker, vielfältiger, sicherer und effektiver da, und das zu großen Teilen wegen Charlotte Hogg. Wir werden alles dafür tun, ihren Einsatz für das Volk des Vereinigten Königreichs zu würdigen und auf ihrem Vermächtnis aufzubauen.“

Bankenestablishment entzieht sich der Verantwortung

Wenn der parlamentarische Untersuchungsausschuss sich also erhofft haben sollte, durch das Aufdecken eine ernsthaften Compliance-Bruchs seitens einer hochrangigen BoE-Funktionärin eine deutliche Warnung an die Bankenwelt zu schicken, so wird er enttäuscht werden. Intern verbreitet Gouverneur Carney eine ganz andere Version der Geschichte: Hogg habe sich nichts zuschulden kommen lassen, sei aufgrund einer technischen Formalität geschasst worden und habe einen ehrenvollen Abgang verdient. Diese trotzige Verklärung verdeutlicht den Wunsch hochrangiger Banker, sich jeglicher Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit zu entziehen.

Bild: Andreas Hermsdorf/pixelio.de

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