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Banking: Nichts gelernt aus der Krise?
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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank lobt auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos die neuen Finanzmarktregulierungen. Sein Kollege bei JP Morgan dagegen verunglimpft sie. Das Loblied auf die Regulierer gehört zum guten Ton in der Bankenbranche. Tatsächlich werden die neuen Regulierungen allerdings kaum ernst genommen. Auch wenn Politik und Regulierungsbehörden es nicht wahrhaben wollen: Das Bankensystem ist heute in einer noch prekäreren Lage als vor Ausbruch der Krise.

Beim jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos hielt Anshu Jain, Vorstandsvositzender der Deutschen Bank, eine Lobrede auf die erfolgreiche Bankenregulierung nach der Krise. „Der Großteil der regulatorischen Reformen war bitter nötig. […] Hielten die Banken genug Kapital im Verhältnis zu den eingegangenen Risiken? Nein, das würde ich nicht sagen.“ Wenngleich die Banken auch ohne die neue Regulierung in jedem Fall „ihr Geschäftsmodell geändert“ hätten, so bezweifelte er dennoch, dass „wir uns so schnell und so weit bewegt hätten“, wenn die Politik nicht nachgeholfen hätte.

Falsches Loblied auf die Regulierer

Ist es angesichts des Finanzkollapses nicht völlig offensichtlich, dass die Banken nur unzureichend Eigenkapital zur Risikoabsicherung vorgehalten hatten? Doch wenn man davon absieht, dass keiner der Teilnehmer es vermochte, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank auf diesen Punkt aufmerksam zu machen, so war das Statement dennoch dahingehend bemerkenswert als es verdeutlichte, dass die meisten Banker Mitglieder eines erlauchten Clubs sind. Dessen ungeschriebenes Regelwerk besagt, dass gegenüber Regulierern und Zentralbankern höchster Respekt zu zollen ist. Zwei Vorkommnisse im Januar stärken jedoch den Eindruck, dass solche ehrbietenden Reden lediglich dazu dienen, Politikern und Regulieren Honig ums Maul zu schmieren.

Finanzmarktregulierung ineffektiv

Erstens: Als die Schweizerische Nationalbank die Wechselkursbindung an den Euro aufhob erklärten die Deutsche Bank, Barclays und Citibank nach nur wenigen Tagen, dass sie Verluste von 400 Mio. Dollar im Eigenhandel erleiden mussten. Aber sollte die Volcker-Regel nicht eigentlich dafür sorgen, dass solche Geschäfte nicht mehr stattfinden? Nun, einige Geschäftspraktiken wurden tatsächlich verboten. Doch wie viele Politiker und Regulierer wussten, dass der Devisenhandel von den strengen Limits der Volcker-Regel ausgeschlossen ist, die doch eigentlich zum Ziel hatte, Banken durch das Verbot des Eigenhandels stabiler zu machen.

Zweitens: Die normalerweise behagliche Atmosphäre in besagtem Club wurde Mitte des Monats durch einen Wutausbruch des de facto Clubpräsidenten James Dimon, Vorstandsvorsitzender von JP Morgan, aufgewirbelt. Die Welle an neuen Strafzahlungen und Regulierungen stelle einen „Anschlag“ dar, der die gesamte US-Wirtschaft gefährden könne. Was provozierte dieses Statement? Es war eine Bekanntmachung des US-Justizministeriums, das erklärte, zahlreiche Fälle von Devisenmarkt-Manipulationen aufgedeckt zu haben, die weitaus umfangreicher ausfielen als erwartet. Möglicherweise war Dimon klar geworden, dass Betrugsvorwürfe vor Gericht zu individuellen Strafen für verantwortliche Banker führen könnten. Eine durchaus weniger vergnügliche Erfahrung als das Zücken des Checkbuchs für die Begleichung einer weiteren Geldbuße.

“Business as usual” bei den Banken

Es ist vielleicht nachvollziehbar, dass es Dimon nach Jahren des Rechtsstreits vorziehen würde, einen Schlussstrich unter die unzähligen Dispute zu ziehen. Das ist purer Eigennutz. Es gibt keine handfesten Beweise für die These, dass die „Too Big To Fail“-Banken ihr Verhalten angepasst hätten, sich ausreichend kapitalisiert, undurchsichtige und irreführende Buchhaltungspraktiken reformiert, die Missbrauchsvorwürfe ernsthaft untersucht hätten oder sich generell am Wortlaut oder auch nur am Geiste der zahlreichen neuen Regulierungen wie der Volcker-Regel orientieren würden. Das Bankensystem ist heute stärker geleveraged, betrügerischer und unehrlicher als es vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise war. Dass viele Bankchefs unverfrorener Weise das Gegenteil behaupten, verstärkt unseren Eindruck nur noch.

Bild: World Economic Forum

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