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Beschäftigung von Zuwanderern in DAX-Unternehmen?

Eine Frage drängt sich in den derzeitigen Debatten besonders auf: Wie und wo können die zahlreich nach Deutschland Zugewanderten in Beschäftigung kommen? Manchen kommen dabei die großen DAX-Unternehmen in den Sinn. Doch gerade diese Unternehmen werden vermutlich kein großes Interesse haben. Die Anforderungsprofile der DAX-Unternehmen und die Qualifikationsprofile der Zuwanderer passen schlicht nicht gut zusammen. Die Zuwanderer, die in den letzten beiden Jahren aus Krisengebieten nach Deutschland kamen, sind im Durchschnitt deutlich geringer qualifiziert als die bereits ansässige Bevölkerung. DAX-Unternehmen hingegen produzieren tendenziell komplexe Güter und Dienstleistungen mithilfe von Angestellten, die schon im Vergleich zur bereits ansässigen Bevölkerung überdurchschnittlich gut qualifiziert sind. Es ist zu erwarten, dass die Mehrheit der Zuwanderer eher in kleineren Unternehmen und in Branchen, in denen tendenziell unterdurchschnittlich Qualifizierte zusammenarbeiten, eine Beschäftigung finden wird. Die sogenannte O-Ring-Theorie hilft zu verstehen, weshalb auch in Bezug auf die Qualifikation gilt, dass Gleich und Gleich sich gern gesellt.

Flüchtlinge mit Problemen auf dem Arbeitsmarkt

Die Zuwanderung nach Deutschland und die zukünftige Beschäftigung der Zuwanderer sind derzeit heiß diskutierte Themen. Als die Zahlen der in Deutschland ankommenden Asylbewerber begannen zu steigen, herrschte noch Euphorie bezüglich potenzieller Beschäftigungsmöglichkeiten. Insbesondere Vertreter großer Unternehmen meldeten sich zu Wort und sahen Spielräume für die zahlreiche Beschäftigung der Ankommenden. Daimler-Chef Dieter Zetsche prognostizierte „im besten Fall“ sogar „ein nächstes deutsches Wirtschaftswunder“.

Die Realität sieht nunmehr allerdings anders aus, gerade bei den DAX-Unternehmen. Lediglich zwei von ihnen sollen bis Juli dieses Jahres insgesamt 54 Flüchtlinge eingestellt haben. Das gibt wenig Zuversicht für die mittelfristigen Beschäftigungsaussichten der jüngsten Zuwanderer in den größten deutschen börsennotierten Unternehmen.

Erfahrungen der Vergangenheit zeigen zudem, dass es Ausländern aus Kriegs- und Krisenländern grundsätzlich schwerfällt, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dabei konzentriert sich ihre Beschäftigung stark auf das Hotel- und Gastgewerbe (25 %), Handel, Verkehr und Lager (20%) sowie den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungsbereich (22%), zu dem unter anderem Tätigkeiten für Wach- und Sicherheitsdienste, im Garten- und Landschaftsbau, für Copy-Shops, Call Center, Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter gezählt werden. Relativ niedrige Löhne im Vergleich auch zu anderen Migranten noch 15 Jahre nach ihrer Ankunft deuten darauf hin, dass die meisten der am Arbeitsmarkt erfolgreichen Flüchtlinge einfachen Tätigkeiten nachgehen.

Wer arbeitet wo? Die O-Ring Theorie

Warum bisher nur wenige der jüngsten Asylmigranten eine Beschäftigung bei Deutschlands größten Unternehmen gefunden haben und warum sich das vermutlich auch in der Zukunft nicht ändern wird, lässt sich mit Hilfe der sogenannten O-Ring-Theorie nachvollziehen. Sie geht auf Harvard-Ökonom Michael Kremer zurück.

Die grundlegende Idee der O-Ring-Theorie ist, dass es Güter und Dienstleistungen gibt, bei denen die Qualität des Outputs vieler Arbeiter durch die Nachlässigkeit eines einzelnen Arbeiters maßgeblich beeinträchtigt werden kann. So können ein paar schlecht geschriebene Zeilen eines Programmierers eine ganze Software und damit die Arbeit vieler anderer Programmierer wertlos werden lassen. Auch ein einzelner durch einen Anwalt unvorteilhaft verfasster Paragraph eines Vertrags kann die Arbeit vieler anderer Anwälte, die ebenfalls an dem Vertragswerk mitgeschrieben haben, hinfällig werden lassen. Dieser Idee verdankt die Theorie auch ihren Namen. Er geht auf das Versagen eines kleinen Dichtungsrings zurück, das 1986 zur Explosion des Space Shuttles Challenger führte und damit auch das Resultat der Arbeit tausender Ingenieure in Rauch aufgehen ließ, die mit dem Dichtungsring nichts zu tun hatten.

Um das Risiko zu minimieren, dass ein Fehltritt eines einzelnen die Mühen vieler vergebens werden lässt, arbeiten in Sektoren, in denen Fehltritte derartige Folgen haben können, tendenziell sehr gut Qualifizierte mit anderen sehr gut Qualifizierten zusammen, so die O-Ring-Theorie. Es ist dabei kein Hochschulabschluss notwendig, um zu den sehr gut Qualifizierten zu zählen, auch gut ausgebildete Facharbeiter sind in O-Ring-Sektoren tätig.

Anknüpfend an die Arbeit von Kremer, teilt Garett Jones die Arbeitswelt stark vereinfachend in zwei Arten von Jobs auf: O-Ring-Jobs und Foolproof-Jobs. Während es bei O-Ring-Jobs einen sehr großen Unterschied macht, ob jemand schlecht oder gut qualifiziert ist, macht es bei Foolproof-Jobs nur einen kleinen Unterschied. Wer gut qualifiziert ist, ist auch im Foolproof-Sektor tendenziell produktiver. Wer allerdings schlecht qualifiziert ist, kann im O-Ring Sektor gar keinen Beitrag leisten und gefährdet zudem noch die Qualität des Outputs der übrigen Teammitglieder. Gut Qualifizierte arbeiten tendenziell im O-Ring-Sektor zusammen, während schlecht Qualifizierte im Foolproof-Sektor zusammenarbeiten. Dem Foolproof-Sektor sind eher einfache Arbeiten wie Gartenarbeit, Wachdienst, Zustellung, Reinigung, Servieren oder Kochen zuzuordnen.

Zuwanderer oft gering qualifiziert

Trotz ihres hohen Abstraktionsgrades gibt die O-Ring-Theorie wertvolle Hinweise auf in der Realität zu erwartende Beschäftigungsmuster. Sie lässt erwarten, dass die jüngsten Asylmigranten gerade nicht in DAX-Unternehmen und anderen großen deutschen Unternehmen unterkommen werden, die tendenziell in O-Ring-Sektoren aktiv und dementsprechend vornehmlich auf der Suche nach Hochqualifizierten sind.

Aktuelle Daten zum Ausbildungsstand der jüngsten Asylmigranten sind rar. Eine Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge aus dem Januar 2016 basiert auf Zahlen für Flüchtlinge, die im Jahr 2014 nach Deutschland kamen, sollte aber auch für die Asylbewerber der Jahre 2015 und 2016 eine gute Annäherung sein. Angesichts der relativ schlechten Bildungsniveaus in den maßgeblichen Herkunftsländern Syrien, Afghanistan und Irak ist es nicht überraschend, dass die jüngsten Zuwanderer durchschnittlich deutlich geringer qualifiziert sind als die heimische Bevölkerung, von sprachlichen Qualifikationen ganz abgesehen.

57,5 % der ankommenden Syrer hatten weder Berufsausbildung noch Studium absolviert. Die Zahlen für Afghanen (61,1%) und Iraker (73,2%) sahen noch schlechter aus. Nur etwa 10% aller Flüchtlinge konnten als „höher qualifiziert“ eingestuft werden, hatten also zwölf oder mehr Schuljahre absolviert. Zum Vergleich, in Deutschland hatten 2015 etwa 30 % der Bevölkerung die (Fach-)Hochschulreife erlangt. Insbesondere die ankommenden Frauen wiesen einen vergleichsweise niedrigen Bildungsstand auf.

Arbeit in Foolproof-Sektoren

Die Mehrheit der neuen Zuwanderer wird aufgrund ihrer vergleichsweise schlechten sprachlichen und beruflichen Qualifikation die besten Beschäftigungsaussichten in Sektoren haben, in denen Tätigkeiten Foolproof-Charakter haben. Zwar gibt es auch in O-Ring-Unternehmen eine geringe Anzahl relativ gut bezahlter Jobs, in denen Foolproof-Aktivitäten ausgeübt werden. Die meisten Zuwanderer werden jedoch in Unternehmen der Foolproof-Sektoren erfolgreich auf Jobsuche gehen.

Dabei sollte es den Zuwanderern und ihren potentiellen Arbeitsgebern so leicht wie möglich gemacht werden, Arbeit gegen Lohn zu tauschen. Vor allem der Mindestlohn, das dreimonatige Beschäftigungsverbot für Asylbewerber und das Zeitarbeitsverbot für Asylbewerber stehen dem derzeit im Wege. Die teilweise Aufhebung der Vorrangprüfung, nach der bei jeder beabsichtigten Beschäftigungsaufnahme zu prüfen war, ob ein EU-Inländer den Arbeitsplatz besetzen kann, war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weitere sollten folgen.

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