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Bessere Rahmenbedingungen für Gründungen
Bürokratie abbauen, Gründer ermutigen

Mit seiner Reaktion auf einen Einwurf im Februar im Düsseldorfer Landtag hat Christian Lindner einen Nerv bei Unternehmensgründern getroffen. Wer als Gründer Erfolg habe, gerate „in das Visier der sozialdemokratischen Umverteiler“ und wer scheitere, dem sei „Spott und Häme sicher“, so Lindner. Dass Unternehmensgründern hierzulande durch überbordende behördliche Auflagen und verhaltene Akzeptanz bei den Mitmenschen das Leben schwer gemacht wird, ist zu bedauern. Denn die Marktwirtschaft wird erst durch einen funktionierenden Wettbewerb robust. Zu diesem gehört gerade auch, dass einzelne eingesessene Unternehmen stets Gefahr laufen, durch neue Unternehmen ersetzt zu werden, die mit Ressourcen weniger verschwenderisch umgehen.

Wer ein Unternehmen gründet, nimmt ein hohes persönliches Risiko des Scheiterns auf sich, trägt mit diesem risikoreichen Schritt jedoch zur Robustheit des Systems Marktwirtschaft bei. Unternehmensgründer sollten deshalb durch bessere vom Staat gesetzte Rahmenbedingungen – beispielsweise durch einen geringeren Bürokratieaufwand – aber auch durch einen stärkeren Zuspruch durch die Mitglieder der Gesellschaft ermutigt werden. Zu staatlichen Subventionen sollte nicht gegriffen werden.

Entscheidung zur Unternehmensgründung: Geduldet, nicht geliebt

In einer Umfrage von DIE JUNGEN UNTERNEHMER unter ihren Mitgliedern und anderen Unternehmensgründern gaben nur 38% der Befragten an, dass sich ihre Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, in ihrem weiteren gesellschaftlichen Umfeld „großer oder sehr großer Akzeptanz“ erfreute. Mit anderen Worten: 62% der Befragten gaben an, dass ihre Entscheidung zwar akzeptiert wurde, ihr aber keine überschwängliche Freude entgegengebracht wurde oder sie sogar auf überhaupt keine Akzeptanz stieß. Die Antworten zeugen nicht gerade von einer Atmosphäre, in der Menschen mit Geschäftsideen von anderen ermutigt werden, Ideen in die Tat umzusetzen. Halten wir uns gegenseitig davon ab, Unternehmen zu gründen, schaden wir uns jedoch.

Gründungen begrüßenswert: Robuste Marktwirtschaft trotz fragiler Unternehmen

Neugründungen von Unternehmen gehören zur Marktwirtschaft genauso wie Insolvenzen von Unternehmen. Während die Marktwirtschaft bleibt, kommen und gehen die Unternehmen im Wettbewerb. Weder sollte der Staat Insolvenzen durch Eingriffe in den Markt verhindern, noch sollte er Unternehmern Steine bei der Gründung in den Weg legen.

Bestehende Unternehmen sind dann stets der Gefahr ausgesetzt, dass sie von anderen existierenden Unternehmen oder von neueintretenden Unternehmen verdrängt werden. Die Fragilität einzelner Unternehmen verleiht der Marktwirtschaft als Ganzes gerade ihre Robustheit. Sie ist Resultat eines funktionierenden Wettbewerbs.

Während Anbieter und Nachfrager auf Märkten Güter und Dienstleistungen tauschen, werden Ressourcen fortwährend so neu verteilt, dass sie zu dem von den Marktteilnehmern am meisten gewünschten Einsatz kommen. Schätzt ein Unternehmen die zukünftigen Wünsche seiner Kunden falsch ein, wird es von den potentiellen Kunden darüber informiert, indem sie die Güter und Dienstleistungen des Unternehmens meiden. Sie fragen dafür die Leistungen anderer Unternehmen nach, die besser in der Lage waren, Ressourcen im Sinne der Konsumenten einzusetzen. Das fortwährende Kommen und Gehen von Unternehmen stellt sicher, dass das Ausscheiden eines Unternehmens nicht die gesamte Marktwirtschaft ins Schwanken bringt und Ressourcen stets bestmöglich eingesetzt werden. Deshalb ist es zu begrüßen, wenn Menschen sich für eine mit hohen persönlichen Risiken verbundene Unternehmensgründung entscheiden und sich dem Wettbewerb stellen.

Keine Subventionen, Rahmenbedingungen für Gründer verbessern

Darauf, wie Mitbürger Gründer von Unternehmen wahrnehmen, kann der Staat keinen direkten Einfluss nehmen. Aber er kann die für alle geltenden Rahmenbedingungen anpassen und so indirekt auch die Wahrnehmung von Unternehmensgründern beeinflussen.

Der Staat sollte nicht versuchen, als Venture Capitalist aufzutreten. Seine Aufgabe ist es gerade nicht, einzelne Unternehmen oder einzelne Unternehmensgründer zu fördern. Der Staat hat schlicht nicht das notwendige Wissen, im Vorfeld zu erkennen, welche Unternehmen sich im Wettbewerb durchsetzen werden, indem sie die Wünsche der Kunden am besten erfüllen.

Die Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen konkurrieren, können jedoch vom Staat verbessert werden. In der Umfrage der JUNGEN UNTERNEHMER gaben die befragten Gründer an, dass sie vor allem die vielfältigen bürokratischen Pflichten in Deutschland als Belastung ansehen. Dies ist zunächst nicht verwunderlich. Auch gestandene Unternehmer beschweren sich immer wieder über die Summe der Bürokratielasten. Für Gründer ist die Last unter zwei Gesichtspunkten besonders hoch: Zum einen sind für kleine Unternehmen die Kosten der bürokratischen Lasten pro Mitarbeiter und pro Euro Umsatz besonders hoch, denn es handelt sich beim Bürokratieaufwand größtenteils um fixe Kosten. Zum anderen verfügen Gründer noch nicht über eine langjährige Erfahrung in der Bewältigung staatlicher Auflagen. Bürokratische Pflichten wirken für Gründer deshalb wie zusätzliche Markteintrittsbarrieren.

Staatlich verordneten Verwaltungsaufwand verringern

Eine Möglichkeit diese Barrieren abzusenken, wäre die Einrichtung einer Schutzglocke gegen Bürokratie für die ersten Jahre nach Gründung eines Unternehmens. So schlagen DIE JUNGEN UNTERNEHMER vor, die vielfältigen arbeitsrechtlichen Schwellenwerte wie z. B. beim Kündigungsschutz für die ersten Jahre nach der Gründung auszusetzen. Auch könnte das Finanzamt dazu verpflichtet werden, Gründern eine verbindliche Auskunft zu Steuerrechtsfragen zu erteilen, was insbesondere bei neuen Geschäftsmodellen eine große Erleichterung wäre. Noch eleganter wäre es jedoch, die zusätzlichen Markteintrittsbarrieren für Gründer zu reduzieren, indem der Bürokratieaufwand für alle Unternehmen abgebaut wird. Denn davon würden Gründer, die derzeit stärker unter dem Bürokratieaufwand leiden, mehr profitieren als etablierte Unternehmen.

Finanzierungsneutrale Besteuerung

Eine grundlegende Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für Gründer und alle anderen Unternehmer zu verbessern, wäre die Einführung eines finanzierungsneutralen Steuersystems. Zurzeit werden Gewinne aus investiertem Fremdkapital gegenüber solchen aus investiertem Eigenkapital in Deutschland privilegiert. Fremdkapitalzinsen sind steuerlich abzugsfähig, die Eigenkapitalkosten dagegen nicht. Es besteht also ein starker Anreiz für einen höheren Fremdkapitaleinsatz – mit den negativen Folgen einer geringen Eigenkapitaldecke, die Unternehmen stärker abhängig von Fremdkapitalgebern und potentiell krisenanfälliger macht. Gerade für neu gegründete Unternehmen könnte ein finanzierungsneutrales Steuersystem einen Anreiz bieten, einen höheren Anteil ihrer Gewinne zur Eigenkapitalbildung zu verwenden.

Die Würde der Unternehmer

Christian Lindner hat in seiner Rede angesprochen, dass viele Mitglieder unserer Gesellschaft dazu neigen, Unternehmer misstrauisch zu betrachten, wenn sie erfolgreich sind und zu belächeln, wenn sie scheitern. Die Wirtschaftshistorikerin Deirdre McCloskey argumentiert in ihren Büchern zur Burgeois Era, dass der dramatische Wohlstandsgewinn seit der industriellen Revolution vor allem der Anerkennung der Unternehmertätigkeit als der würdevollen Profession geschuldet sei. Wie Gründer und Unternehmer wahrgenommen werden, beeinflusst der Staat, ob gewollt oder nicht, durch seinen Umgang mit ihnen. Stellen der Staat und seine Repräsentanten Unternehmer allgemein zum Beispiel im Zuge der Diskussion über den Mindestlohn als eine von Bürokraten eng im Zaume zu haltende Berufsgruppe dar, bestärkt er Menschen nicht darin, Unternehmen zu gründen und so Mitglied dieser Berufsgruppe zu werden. Deshalb wäre es auch hinsichtlich der Wahrnehmung von Unternehmensgründern wünschenswert, wenn staatliche Bürokraten den Bürgern mehr Spielraum für eigene unternehmerische Tätigkeiten ließen.
 
 
 
Justus Lenz ist Leiter des Bereichs Haushaltspolitik bei dem Verband DIE JUNGEN UNTERNEHMER/DIE FAMILIENUNTERNEHMER und Research Associate des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts.

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