Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

Der Staat: Der bessere Banker?
Performance der Landesbanken in der Krise suggeriert anderes

Im Rahmen der Finanzkrise, die 2007 ihren Ursprung in den USA nahm und sich ab 2008 auch auf Europa erstreckte, gerieten auch deutsche Banken in Schwierigkeiten. Die seitdem an Banken geübte Kritik und der Ruf nach einer stärkeren Einhegung der Aktivitäten von Banken durch den Staat erwecken den Eindruck, staatliche Einrichtungen hätten vor der Krise in der Bankenindustrie keine maßgebliche Rolle gespielt. Dass dieser Eindruck trügt und sich gerade die staatlichen Einrichtungen direkt unterstellten Landesbanken nicht vorbildlich verhalten haben, macht ein Blick auf die Marktanteile öffentlich-rechtlicher Banken in Deutschland und ihrer Performance während der Krise deutlich.

Am Ende des Jahres 2008 befanden sich unter den, gemessen an der Bilanzsumme, größten 100 deutschen Banken 50 öffentlich-rechtliche Institute. Desweiteren waren 12 Banken genossenschaftlich organisiert, drei waren freie Sparkassen und 35 waren private Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht. 50% der größten deutschen Banken befanden sich im Jahre 2008 somit im Eigentum von Bund, Ländern, Städten und Kommunen.

2008: 34% der Bilanzsumme öffentlich-rechtlich

Insbesondere aufgrund der Größe der Deutschen Bank, vereinten die öffentlich-rechtlichen Institute 34% der gesamten Bilanzsumme der 100 größten Banken auf sich, während es für die privaten 57% und die genossenschaftlich organisierten Banken 8% waren.

34% der Bilanzsumme der 100 größten deutschen Banken unterstanden 2008 somit indirekt auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelten staatlichen Gebietskörperschaften. 34% sind keine Kleinigkeit.

66%: Zusätzliche Staatshilfe für 6 aus 9 in 2008 existierenden Landesbanken

Haben die öffentlich-rechtlichen Institute durch solides Wirtschaften zur Stabilität des Bankensystems in Deutschland beigetragen? Ganz im Gegenteil. Mit den Landesbanken sind gerade die Schwergewichte unter den öffentlich-rechtlichen Banken in Bedrängnis geraten.

2008 gab es noch neun Landesbanken: Bayerische LB, Bremer LB, HSH Nordbank, Landesbank BW, West LB, Norddeutsche LB, LB Saar, LB Berlin und die im Januar 2008 mit der Landesbank BW verschmolzene Sachsen LB. Zwei Drittel von ihnen haben im Zuge der Krise zusätzliche Unterstützung durch den Bund und/oder die Länder in Form von Garantien für Verluste aus Wertpapiergeschäften und zusätzlich bereitgestelltem Kapital erfahren. Mit der Bayern LB, der HSH Nordbank, der Nord LB, der West LB, der Landesbank Baden-Württemberg und der Sachsen LB waren gerade die größten unter den Landesbanken auf Hilfsmaßnahmen angewiesen.

Unter den 20 größten deutschen Banken des Jahres 2008 waren elf öffentlich-rechtliche und sieben private Institute zu finden. Von den elf öffentlich-rechtlichen Instituten haben 5 Banken, oder knapp 50%, im Rahmen der Finanzkrise staatliche Hilfe in Anspruch genommen. Unter den sieben größten privaten Banken fanden sich lediglich zwei, oder knapp 30%, die Hilfsmittel des Staates erhalten haben, die Commerzbank und die Hypo Real Estate.

Weitere kleinere private Banken haben staatliche Hilfsleistungen erhalten: IKB, Aareal Bank, Düsseldorfer Hypothekenbank, Volkswagenbank und Corealcredit Bank.

Hilfsbedürftige Staatsbanken: 43% der Bilanzsumme der Öffentlich-rechtlichen

Die mit Hilfsmitteln bedachten öffentlich-rechtlichen Banken repräsentierten 2008 43% der gesamten Bilanzsumme der öffentlich-rechtlichen Banken. Hingegen belief sich die Bilanzsumme der mit Hilfsmitteln bedachten privaten Banken auf lediglich 21% der gesamten Bilanzsumme der privaten Banken.

Diese Zahlen deuten daraufhin, dass die öffentlich-rechtlichen Banken nicht dazu beitrugen, das Finanzsystem Deutschlands zu stabilisieren. Im Gegenteil, im Vergleich zu den privaten Banken haben sie sich während der Krise als relativ anfälliger erwiesen.

Risikoreiche Investitionen von Landesbanken

Die Landesbanken, die nach Abschaffung der Anstaltslast und Gewährträgerhaftung 2005 auf Drängen der Europäischen Kommission nur noch implizite Garantien von Bund und Ländern genossen, haben Investitionen getätigt, die der Erfüllung eines noch so großzügig breit-definierten öffentlichen Auftrags nicht einmal im Ansatz dienten. Es waren in Deutschland vor allem die Landesbanken, die sich bis 2008 über außerbilanzielle Zweckgesellschaften über Gebühr mit riskanten Wertpapieren eindeckten.

So belief sich laut eines Berichts des Internationalen Währungsfonds aus dem Jahre 2008 das Volumen an Wertpapieren in Zweckgesellschaften der Sachsen LB auf über 1000% des Eigenkapitals der Bank. Im Falle der West LB betrugen die Vermögenswerte in Zweckgesellschaften mehr als 500% des Eigenkapitals der Bank. Dagegen nahmen sich die Aktivitäten von großen privaten Banken auf diesem Felde als zurückhaltend aus. Im Falle der zwischenzeitlich fusionierten Dresdner Bank und der Commerzbank waren es 360% und 85%. Bei der Deutschen Bank belief sich der Wert der Wertpapiere in Zweckgesellschaften auf nur 114% des Eigenkapitals, deutlich weniger als in einigen Landesbanken. Auch unter den Landesbanken gab es diesbezüglich zurückhaltende Institute, wie die Landesbank BW, deren Vermögen in Zweckgesellschaften sich lediglich auf 59% ihres Eigenkapitals belief.

Gläubiger und Eigentümer von Staatsbanken: Schwache Anreize zur Kontrolle

Es sollte Repräsentanten staatlicher Organisationen stutzig machen, dass gerade die ihnen unterstellten Banken hohe Risiken auf sich genommen haben und während der Krise ins Schlingern gerieten. Bei genauerer Betrachtung der Anreizstruktur ist diese Beobachtung jedoch wenig überraschend.

Die Gläubiger von Landesbanken müssen weniger Sorge haben, dass sie ihr eingesetztes Kapital verlieren werden, als Gläubiger von privaten Banken. Im Falle der Landesbanken ist die Wahrscheinlichkeit, dass Bund und Länder einspringen werden, wenn die Landesbank droht zahlungsunfähig zu werden, höher als bei privaten Banken - der Entzug der expliziten Garantie ändert daran nichts. Die Gläubiger haben folglich einen weniger starken Anreiz, die Aktivitäten der Bank zu überwachen.

Neben den Gläubigern haben auch die Eigentümer einer Staatsbank einen schwächeren Anreiz, den Managern der Bank auf die Finger zu schauen. Anders als Aktionäre einer privaten Bank müssen die Repräsentanten des Bundes, der Länder und der Kommunen keine persönlichen Vermögenseinbußen hinnehmen, wenn die Bank misswirtschaftet. Die Zeche zahlt im Ernstfall die breite Masse der Steuerzahler.

Seit 2008 ist der Marktanteil der Öffentlich-rechtlichen gestiegen

Während die Bilanzsumme der größten 100 deutschen Banken von 9,6 Billionen Euro in 2008 auf 7,8 Billionen Euro im Jahre 2012 gefallen ist, hat der Anteil der öffentlich-rechtlichen Banken auf 36% zugelegt. Der Anteil an der Bilanzsumme der privaten Banken ist derweil auf 53% gefallen.

Rückzug des Staates aus aktivem Bankgeschäft und No-Bailout-Verpflichtung

Angesichts eines vage formulierten öffentlichen Auftrags in einem Zeitalter, in dem auch der "kleine Mann" Zugang zu privaten und genossenschaftlichen Banken hat und kleine und mittelständische Unternehmen geschätzte Kunden dieser Banken sind, wäre ein Rückzug des Staates aus dem aktiven Bankgeschäft wünschenswert. Zugleich sollten Staatliche Einrichtungen tunlichst darauf bedacht sein, glaubwürdige Verpflichtungen einzugehen, schwankenden Banken nicht mit Bailouts zur Seite zu stehen. Dann hätten die Gläubiger und Aktionäre von Banken einen stärkeren Anreiz, das Verhalten von Bankmanagern genau zu beobachten und stets zu hinterfragen.

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Seen and not seen: EZB-Geldpolitik und Zombie-Firmen

“Selbstbesicherung”: Nach Bari nun MPS und Unicredit?


Keine Rekapitalisierung: Die EZB-Politik ist gescheitert

Spekulation: Segensreich für die Marktwirtschaft



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.