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Der Weihnachtsmann und Pro-Kopf-Einkommen
Wer’s glaubt wird selig

"Der Weihnachtsmann macht uns reich." Diesen Schluss könnte ein Blick auf die langfristige relative Häufigkeit des Begriffs Weihnachtsmann in deutschsprachigen Büchern und die langfristige Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens in Deutschland suggerieren. Da es den Weihnachtsmann bekanntlich nicht gibt, ist die These jedoch schnell verworfen. Ein kausaler Zusammenhang in die entgegengesetzte Richtung mag jedoch sehr wohl bestehen. Je reicher wir geworden sind, desto mehr Aufmerksamkeit haben wir dem Weihnachtsmann geschenkt. Parallel dazu haben andere möglicherweise bedrückende Themen in unseren Büchern relativ weniger Aufmerksamkeit erhalten - der Weihnachtsmann als Symbol des Wohlstands.

Pro-Kopf-Einkommen: 2100% höher als im Jahre 1700

Bei Zeiten scheint für selbstverständlich erachtet zu werden, was in der Geschichte der Menschheit (noch) die große Ausnahme ist: Das derzeitige Wohlstandsniveau in den sogenannten entwickelten Demokratien. Ungleichverteilungen von Einkommen und Vermögen sind regelmäßig Gegenstand aktueller Diskussionen. Das Phänomen, ohne das diese Diskussionen nicht stattfinden würden, scheint nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit zu erhalten: Der Anstieg des Wohlstands der Masse der Menschen — nicht einer kleinen Elite — seit dem 18. und 19. Jahrhundert (eine Buchbesprechung von Thomas Pikettys Das Kapital im 21. Jahrhundert von Deirdre McCloskey kann hier als prominente Ausnahme erwähnt werden).

In den deutschen Ländern setzte das schnelle Wachstum über einen langen Zeitraum etwas später ein als beispielsweise in Großbritannien oder den Niederlanden. Aber die Entwicklung nahm einen ganz ähnlichen Verlauf. Das Maddison Project stellt langfristige Daten zu realen Pro-Kopf-Einkommen verschiedener Länder zur Verfügung. In den deutschen Ländern hat sich das Pro-Kopf-Einkommen gemäß dieser Daten von 1700 bis 2010 um den Faktor 22 erhöht. Der durchschnittliche Deutsche ist heute 22 mal reicher als im Jahre 1700.

Der Aufstieg des Weihnachtsmanns

Der Google Ngram Viewer stellt die jährliche relative Häufigkeit von Wörtern (oder Wortkombinationen) in Büchern dar. Dabei wird auf die von Google erfassten Bücher zugegriffen, die seit 1800 erschienen sind. Das Ergebnis für den Begriff Weihnachtsmann zeigt deutlich, dass er in deutschsprachigen Büchern seit Beginn des 20. Jahrhunderts relativ häufiger auftaucht.

Der Weihnachtsmann und Pro-Kopf-Einkommen

Eine gleichzeitige Betrachtung der Entwicklung des pro-Kopf-Einkommens in Deutschland und der relativen Häufigkeit des Begriffs Weihnachtsmann in deutschen Büchern offenbart eine positive Korrelation zwischen den beiden Variablen. Mehr Einkommen geht einher mit mehr Weihnachtsmann. Für beide Reihen wurden die Werte im Basisjahr 1949 auf 1 gesetzt, um die Reihen vergleichbar zu machen.

In den schweren Zeiten nach dem 2. Weltkrieg hat es der Weihnachtsmann relativ weniger häufig in die auf Deutsch verfassten Bücher geschafft. In den Jahren des Wirtschaftswunders und den Folgejahren ist er immer häufiger in Büchern zu finden.

Den Weihnachtsmann ernst nehmen

Früher war gewiss nicht alles besser. Fast alles war schlechter. Der Weihnachtsmann kann hier als Stellvertreter für Annehmlichkeiten verstanden werden, zu denen Menschen Zugang bekommen, wenn sie reicher werden. Zu diesen Annehmlichkeiten gehören neben all den Gütern und Dienstleistungen, die uns heute zur Verfügung stehen, vor allem ein längeres und weniger häufig durch Krankheiten beeinträchtigtes Leben. Größerer Wohlstand hilft so den Menschen, ein erfülltes Leben nach ihren Vorstellungen zu führen. Für viele gehört offenbar dazu, anderen zu geben — insbesondere zur Weihnachtszeit.

Es bleibt zu hoffen, dass werder durch im Namen einer stärkeren Umverteilung ergriffene Maßnahmen noch durch die Sozialisierung der Verluste der Mitglieder einflussreicher Interessengruppen zukünftige Wohlstandssteigerungen ausbleiben oder im Ausland unter widrigeren Umständen lebenden Menschen der Zugang zu dem hiesigen Wohlstand verwehrt wird. Das wäre gewiss auch im Sinne des Weihnachtsmanns.

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