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Deutsche Bahn AG auf Abwegen
Geplanter Buslinien-Ausbau ist Irrweg

Der Konzernchef der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, hat am 9. Februar beim Neujahresempfang der Bahnindustrie den Ausbau des eigenen Fernbusangebotes angekündigt. Dass ein staatliches Bahnunternehmen sich nicht darauf beschränkt, das Schienennetz bereitzustellen, sondern darüber hinaus auch Transportleistungen darauf anbietet, ist bereits zu kritisieren. Dass selbiges staatliches Bahnunternehmen Busdienstleistungen anbietet, die auch von privaten Anbietern bereitgestellt werden, ist zudem absurd. Die Ankündigung des staatlichen Bahnunternehmens, auf dem mit privaten Unternehmen sehr gut besetzten Markt für Busdienstleistungen zusätzliche Investitionen zu tätigen, um den durch das private Fernbusangebot entstandenen Bahnkundenverlust teilweise zu kompensieren, ist noch absurder.

Hat ein vom Staat unterstütztes und somit bevorteiltes Unternehmen Schwierigkeiten, sich im Wettbewerb mit privaten Unternehmen durchzusetzen, so ist dies ein klares Zeichen dafür, dass die staatliche Unterstützung schlicht überflüssig ist. Die Deutsche Bahn sollte ihre Buslinie einstampfen und der Staat sollte sich auf die einzige Aufgabe beschränken, die staatliches Eingreifen auf dem Fernbusmarkt rechtfertigen könnte: Subventionen von Busfahrten, die Kleinstädte und abgelegene Regionen versorgen, und von privaten Unternehmen ohne staatliches Zutun nicht angeboten werden.

Die Bahn außer Rand und Band

Seit Anfang 2013 ist der Fernbusmarkt für Strecken ab 50 Kilometer für private Busunternehmen geöffnet. Das soll die Deutsche Bahn im letzten Jahr 120 Millionen Euro Umsatz gekostet haben. Aus Sorge, dauerhaft Kunden zu verlieren, reagiert die Bahn mit einer „Offensive im Fernverkehr“. Einen Großteil dieser Offensive soll der Ausbau des Fernbusgeschäfts ausmachen.

Anfang des Jahres haben sich die zwei privaten Unternehmen MeinFernbus und FlixBus zusammengeschlossen. Sie kommen derzeit auf einen Marktanteil von 74 Prozent. Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn Ulrich Homburg konstatiert: Wir wollen "(…) das Feld nicht einem marktbeherrschenden Anbieter überlassen, sondern mit einem deutlich ausgebauten Streckennetz die Marktbedingungen als zweiter starker Anbieter mitbestimmen.“ Dafür wurde die bisherige DB-Marke IC Bus mit berlinlinienbus zu einer Marke verschmolzen. Bis Ende 2016 sollen die Fernbusverbindungen vervierfacht und der Marktanteil von bisher 9 Prozent verdoppelt werden.

Die Bahn auf Irrwegen

Die Bahn, als staatliches Unternehmen, ist nicht nur Netzmonopolist sondern dominiert zudem den Schienenfernverkehr. Die bis Anfang 2013 durch das aus den 1930er Jahren stammende Personenbeförderungsgesetz stark eingeschränkte Konkurrenz der Bahn durch private Anbieter auf den Straßen des Landes, gab der Bahn nur einen recht beschränkten Anreiz, sich an den Wünschen ihrer tatsächlichen und potentiellen Kunden zu orientieren. Das änderte sich allerdings durch den von der Bahn zunächst unterschätzten liberalisierten Fernbusverkehr.

Der Wettbewerb auf dem Fernbusmarkt wurde in den vergangenen zwei Jahren vor allem über den Preis ausgetragen. Von intensivem Wettbewerb zwischen Unternehmen profitieren stets die Kunden. So auch auf dem Markt für Transportleistungen. Im Vergleich: Eine Fahrt von München nach Hamburg kostet mit der Deutschen Bahn zum "Normalpreis" in der 2. Klasse 142 Euro bzw. 81 Euro zum Sparpreis. Die gleiche Strecke mit dem Fernbus kostet im günstigsten Fall 28 Euro. Es ist nicht verwunderlich, dass insbesondere Reisende mit niedriger Zahlungsbereitschaft, die Angebote der privaten Busunternehmen gerne nutzen.

Die Bahn reagierte: 2015 wurden die 2. Klasse Fahrpreise der Bahn nicht erhöht. Der nächste Schritt der Bahn soll nun ein verstärktes Mitmischen auf dem Fernbusmarkt sein. Eine absurde Richtung, die hier eingeschlagen wird. Warum sollte sich ein Staatskonzern in einen Markt begeben, auf dem die Nachfrager bereits durch viele private Anbieter ausreichend bedient werden?

Von staatlichen und privaten Unternehmen

Private Unternehmen müssen sich an den Wünschen ihrer Kunden orientieren. Sind diese unzufrieden, sind Substitute schnell gefunden. War der Busfahrer bei FlixBus unfreundlich oder die Fahrt schlichtweg unangenehm, kann der Kunde bei der nächsten Reise auf den ADAC-Bus umsteigen oder sich dem Bus ganz abwenden und in Zukunft auf die Bahn oder das Auto setzen. Wenn das kein Einzelfall bleibt, wird das Busunternehmen bald Probleme bekommen und ohne eine Anpassung der Gegebenheiten steht am Ende die Insolvenz ins Haus. Wenn allerdings die Deutsche Bahn Kunden verliert, wird das weniger weitreichende Konsequenzen haben. Staatliche Unternehmen werden erhalten. Am Ende haftet für ausstehende Verbindlichkeiten immer die amorphe Masse der Steuerzahler, nicht private Anteilseigner und Gläubiger, wie im Falle privater Unternehmen.

Der Anreiz der Mitglieder des Vorstandes eines öffentlichen Unternehmens, im Sinne der Menschen zu handeln, die für ihre Entscheidungen haften müssen, ist nur schwach. Denn sie können sich als gezwungene Investoren nicht entscheiden, ihre Anteile an dem Unternehmen zu veräußern. Dennoch lassen sich Argumente für die Tätigkeit von staatlichen Unternehmen oder eine Subvention privater Unternehmen formulieren. Wird durch ein staatliches Unternehmen oder die Subvention eines privaten Unternehmens eine Leistung bereitgestellt, deren Bereitstellung sich die wählenden Steuerzahler wünschen, aber durch private Anbieter nicht zu einem für angemessen erachteten Preis erfolgt, mag in Ausnahmefällen staatliches Handel angezeigt sein. Eine Busfahrt von Hamburg nach München gehört gewiss nicht zu diesen Ausnahmen.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Warum ist die Deutsche Bahn unzufrieden mit der Situation auf dem Fernbusmarkt? Günstige Angebote für die Kunden sollten das Staatsunternehmen positiv stimmen. Es haben sich private Unternehmen gefunden, die dies übernehmen. Die Deutsche Bahn sollte ihre Buslinie friedlich gestimmt verkaufen und die Bundesregierung sollte den Schienenverkehr endlich für den Wettbewerb öffnen, damit auch hier private Unternehmen das staatliche Bahnunternehmen in seine Schranken weisen können.

Bildnachweis: kaffeeeinstein/ flickr

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