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Deutsche Entwicklungshilfe: Nicht mehr für Ärmere

Deutschlands Entwicklungshilfe fließt nicht ausschließlich an die Ärmsten der Armen. Das ist keine Überraschung, denn Entwicklungshilfe flösse dann in einige wenige Länder. Allerdings stellt Deutschland auch nicht mehr staatliche Entwicklungshilfe bereit, je ärmer die Einwohner eines Entwicklungslandes sind. In anderen Worten, die Suche nach einem negativen Zusammenhang zwischen bereitgestellten Hilfsmitteln und Pro-Kopf-Einkommen des Empfängerlandes ist vergebens. Das mag überraschen. So erhalten die relativ wohlhabende Türkei und einige Balkanländer vergleichsweise viel Unterstützung, während einige der ärmsten Länder wie Nigeria oder Äthiopien unterdurchschnittlich wenig Entwicklungshilfe erhalten. Neben der Notlage der Bevölkerungen von Entwicklungsländern haben offenbar noch andere Faktoren Einfluss auf die Verteilung von Hilfsmitteln.

Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit

Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit soll vor allem der wirtschaftlichen Entwicklung und der Verbesserung der Lebensverhältnisse in den Empfängerländern dienen. 2013 betrug der deutsche Etat für Entwicklungszusammenarbeit insgesamt 10,7 Milliarden Euro oder etwa 3,5% des Bundeshaushalts.

Die Entwicklungszusammenarbeit wird in bi- und multilaterale Entwicklungshilfe untergliedert. Bilaterale Hilfe umfasst die finanzielle, technische oder personelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Empfängerland. Multilaterale Entwicklungshilfe stellt Deutschland in Gestalt von Leistungen an überstaatliche Zusammenschlüsse, wie die Welthungerhilfe, das UN-Umweltprogramm oder die Weltgesundheitsorganisation bereit.

Zwei Drittel der deutschen Entwicklungshilfe – 7,1 Milliarden Euro – flossen 2013 in die bilaterale Zusammenarbeit. 3,6 Milliarden Euro bezogen supranationale Organisationen. In beiden Fällen fließen Hilfsmittel nicht unmittelbar an Bedürftige. Die Mittel werden von Mitarbeitern von Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen verwaltet und eingesetzt. Neben den potentiell profitierenden Bedürftigen profitieren auch die Mitarbeiter der mit der Hilfe betrauten Organisationen vom Fluss der Hilfsmittel.

Kein negativer Zusammenhang zwischen Hilfe und BIP/Kopf

Ähnlich wie im Fall der USA, offenbart ein Blick auf die Empfängerländer der bilateralen Entwicklungshilfe Deutschlands im Jahr 2013, dass ärmere Länder pro Kopf nicht mehr Entwicklungshilfe erhielten. Gar ein schwach positiver Zusammenhang zeichnet sich ab – je höher das Pro-Kopf-Einkommen des Landes, desto mehr Hilfe floss pro Kopf.

Im Mittel wiesen die betrachteten Länder ein Pro-Kopf-Einkommen von 6.033 US$ auf und bekamen Entwicklungshilfe in Höhe von 0,82 €/Kopf. Obwohl die Türkei mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 19.250 US$ deutlich über dem Median lag, erhielt sie überdurchschnittlich viel Hilfe in Höhe von 2,27 € pro Einwohner.

Deutlich ärmere Länder wie Eritrea oder Gambia bekamen pro Person deutlich weniger Entwicklungshilfe. Betrugen die Pro-Kopf-Einkommen 2014 für Eritrea 1.195 US$ und für Gambia 1.630 US$, stellte Deutschland in beiden Ländern jeweils nur 9 ct Entwicklungsunterstützung pro Einwohner bereit.

Ähnliches Bild in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit

Nicht viel anders verhält es sich mit der Verteilung multilateraler Hilfsgelder Deutschlands: Auch hier zeichnet sich kein negativer Zusammenhang zwischen empfangener Entwicklungsunterstützung und Wohlstand der Empfängerländer ab. Der gegensätzliche Trend, dass reichere Länder mehr Entwicklungshilfe beziehen, fällt gar etwas deutlicher aus.

Läge der Fokus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit darauf, gezielt den Menschen mit den niedrigsten Einkommen zu helfen, müsste sich ein starker negativer Zusammenhang zwischen Pro-Kopf-Einkommen und Entwicklungshilfe ergeben. Für die deutsche Entwicklungshilfe ist eher das Gegenteil der Fall: Es fließen tendenziell höhere bi- und multilaterale Entwicklungsleistungen, je reicher ein Land ist.

Offenbar spielen für die Vergabe deutscher Entwicklungshilfemittel auch andere Kriterien eine Rolle. Auffällig ist, dass geografisch benachbarte EU-Beitrittskandidaten wie Mazedonien, Serbien und die Türkei überdurchschnittlich viel Entwicklungshilfe erhielten, obwohl sie im weltweiten Vergleich relativ wohlhabend sind.

Nur 43% bilateraler Hilfe flossen Richtung der Ärmsten 50%

Auch eine nähere Betrachtung der Verteilung der Entwicklungshilfe verdeutlicht, dass vergleichsweise wenige Mittel den Ärmsten zukamen. Unter den Empfängern erhielten die ärmsten 50% nur 43% der bilateralen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands. Die multilateralen Entwicklungsmittel flossen zu 51% an die ärmsten 50%.

Auch diese Zahlen verdeutlichen, dass nicht mehr Entwicklungshilfe in ein Land floss, je stärker die Bevölkerung unter Armut litt. Wäre das der Fall, ginge ein überproportional großer Anteil der Entwicklungshilfe an die Ärmsten.

Deutschland keine Ausnahme

Die Effektivität staatlicher Entwicklungshilfe als Mittel gegen Armut und für mehr Wohlstand wurde früh bereits von Peter Bauer und in den vergangenen Jahren von prominenten Ökonomen wie William Easterly und dem jüngst mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Angus Deaton in Frage gestellt.

Sowohl Easterly als auch Deaton wiesen wiederholt darauf hin, dass Entwicklungshilfe in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem nicht so erfolgreich wie erhofft war, weil die Mitglieder der Regierungsorganisationen auf Geber- und Empfängerseite nicht ausschließlich von den Interessen der Hilfsbedürftigen gelenkt werden. Die Zahlen zur Verteilung deutscher Entwicklungshilfe auf Empfängerländer deuten darauf hin, dass die Verantwortlichen staatlicher deutscher Entwicklungshilfeorganisationen diesbezüglich keine Ausnahme darstellen.

Die Antwort des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf die Frage „Warum brauchen wir Entwicklungspolitik?“ beginnt mit folgenden Worten: „Jeden Tag sterben Tausende Kleinkinder – an Hunger, an Krankheiten, durch Gewalt und Kriege. Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt leben in extremer Armut.“ Das Bundesministerium suggeriert mit diesen einleitenden Worten auf seiner Internetseite, dass deutsche Entwicklungshilfe vornehmlich den Ärmsten der Armen zukommt. Die Daten sprechen jedoch eine andere Sprache.

Barrieren für Güter und Menschen abbauen

Den in extremer Armut lebenden Menschen wäre eher geholfen, wenn Deutschland die Entwicklungshilfe an relativ reiche Länder einstellte. Die frei werdenden Ressourcen könnten genutzt werden, um für einen Abbau von Barrieren auf EU-Ebene zu werben. Derzeit erschweren von der EU errichtete Barrieren in extremer Armut lebenden Menschen den Handeln mit EU-Bürgern und machen ihnen eine Verlagerung ihres Wohnsitzes in die EU de facto unmöglich.

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