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Die Deutsche Bank in Schwierigkeiten?

In der Bankenwelt liegt einiges im Argen und auch der Deutschen Bank stehen schwere Einschnitte und Reformen bevor: Das Kundengeschäft soll abgetrennt, der Investmentbereich verkleinert und die Belegschaft reduziert werden. Zwar gibt sich Vorstandsvorsitzender John Cryan optimistisch, doch es bestehen erhebliche Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des deutschen Finanzflagschiffs. Zu stark wiegt das Gewicht der jüngsten Finanzskandale. Einen Ausweg kann die deutsche Politik bieten, denn sie hat ein geopolitisches Interesse an einer starken Deutschen Bank.

Sieht man einmal von der HSBC ab, die steigende Gewinne verbuchen konnte, so brachte der Oktober durchgehend schlechte Nachrichten für Banken. Die UBS musste ihr Gewinnziel reduzieren. Die Standard Chartered kündigte an, 5 Milliarden US-Dollar neues Kapital einsammeln zu müssen und Stellen abzubauen. Die Deutsche Bank sorgte im dritten Quartal mit einem Verlust von 6 Milliarden Euro für Aufsehen, wobei davon 1,2 Milliarden Euro auf Strafgebühren zurückzuführen sind.

Cryans Pläne: Heftige Einschnitte

Applaus gab es für John Cryan, den neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. Er kündigte eine radikalen Umbau des Unternehmens an: Ein Viertel der Belegschaft wird entlassen. Die Postbank wird verkauft. Die Deutsche Bank wird sich zukünftig auf Investmentbanking und Vermögensverwaltung konzentrieren. Cryan kritisierte außerdem die ineffizienten, zu langsamen internen Betriebsabläufe.

Cryans Pläne sehen neben einer Schrumpfung des Investmentgeschäfts auch eine klarere Trennung zwischen den Bereichen Sales/Trading und Corporate Finance vor. Die Deutsche Bank wird ihr Geschäft in zehn Ländern aufgeben und den Bestand an Investmentkunden um 50% reduzieren. Von den Umbaumaßnahmen erhofft sich Cryan, die „Tier 1“-Eigenkapitalquote bis 2018 auf 12,5% zu heben. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Minimum von 11,5%. Parallel soll der Verschuldungsgrad (Leverage) auf das zwanzigfache des Eigenkapitals sinken.

Erfolgsaussichten der Restrukturierung unsicher

Das Ziel, den Investmentbereich innerhalb von drei Jahren gesund zu kurieren, kann angesichts der ungünstigen Großwetterlage allerdings als ambitioniert bezeichnet werden. Das Niedrig- und Negativzinsumfeld wird weiterhin für wenig Volatilität und damit wenig profitablen Investmentchancen auf den Finanzmärkten sorgen. Nahezu alle Assets wurden mittlerweile verbrieft. Profitable Unternehmensumstrukturierungen wurden bereits vollzogen, damit verbundene Provisionen eingestrichen. Die Risikoaufschläge sind niedrig – ein Indikator dafür, dass Assets relativ hoch bewertet werden. Und alle Banken vermuten mittlerweile, dass die „Duration Rally“ ihrem Ende entgegen steuert – so wird der seit Jahrzehnten andauernde Sturz der Anleiherenditen bezeichnet, der die Assetpreise hat steigen lassen. Banken machen Gewinn, wenn Anleiherenditen fallen. Also könnte das Ende der Rally der Deutschen Bank zusätzlichen Gegenwind bescheren.

Es ist bemerkenswert, dass sich die Restrukturierungsmaßnahmen der Deutschen Bank auf den Investmentbereich konzentrieren, während in Großbritannien oder der Schweiz im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen großer Banken in der jüngeren Vergangenheit das Bankmanagement die Bedeutung des Investmentsektors herunterspielte. In den Medien und der Politik herrscht das Bild vor, Investmentbanking stünde für die riskante Seite des Bankgeschäfts, während Hypothekenfinanzierung sicher sei. Doch das Management der Deutschen Bank hat den Investmentbereich in den letzten 25 Jahren derart stark vorangetrieben, dass eine Deutsche Bank ohne Investmentbereich heute praktisch unvorstellbar ist. Cryan bleibt daher keine Wahl als das Investmentgeschäft beizubehalten, etwas zu reduzieren und auf das Beste zu hoffen.

Weitere Leichen im Keller bei der Deutschen Bank?

Kann Cryan sich auf sein Team verlassen, wenn es darum geht, die Deutsche Bank neu zu entwerfen? Im Februar berichteten wir über Anshu Jains Lob für die Regulierer. Der Co-Vorstandsvorsitzende erhoffte sich, dass neue Regulierungen schädliche Praktiken im Bankengeschäft unterbinden können. Doch die deutschen Medien teilten den Enthusiasmus nicht. Lange bevor die Regulierungsbehörden Interesse zeigten, strahlte das ZDF im Mai die Dokumentation „Der Fall Deutsche Bank“ aus. Dort wurden zahlreiche Quellen mit dem Vorwurf zitiert, die Deutsche Bank sei an der Manipulation des Libor und Euribors beteiligt und betreibe Preisabsprachen im Gold- und Edelmetallmarkt. Neu eingestellte, hungrige Mitarbeiter der Bank nutzten den immensen Assetbestand um große, hochriskante Finanzwetten abzuschließen. Möglicherweise wurde eine Kultur der ungezügelten Gier und der Risikofreude etabliert.

Im Juni 2015 schließlich erlegte die für die Untersuchung der Libor-Preisabsprachen zuständige Abteilung der Bank of England der Deutschen Bank eine Strafzahlung von 2,5 Milliarden US-Dollar auf. Ein Teil der Strafe kam zustande, weil die Regulierungsbehörden während der Untersuchungen mehrfach in die Irre geleitet wurden.

Die deutschen Medien fühlten sich durch die Vorfälle in Juni und Oktober bestätigt. Cryans Vorstoß soll suggerieren, dass alle vergangenen Skandale aufgearbeitet wurden und nun reiner Tisch gemacht sei. Doch daran bestehen Zweifel, aus zwei Gründen.

Was gegen die vollständige Aufarbeitung der Skandale spricht

Zunächst sei an das Schneckentempo erinnert, mit dem Regulierungsbehörden große Finanzskandale aufklären. Die Libor-Preisabsprachen begannen laut der Beilegungsprotokolle bereits in 2005. Doch es dauerte bis in den Juli 2012 bis der Skandal mit dem Rücktritt einiger Top-Banker von Barclays publik wurde. Ein weiterer Skandal wurde erst letzten Monat aufgeklärt: Nachdem der mailändische Staatsanwalt durch seinen Untersuchungen auf unregelmäßige, nicht bilanzierte Derivatgeschäfte zwischen der Bail-out-Bank Banca Monte die Paschi di Siena (MPS) und dem Finanzverwalter Nomura stieß, prüft die italienische Börsenaufsicht Consob nun, ob von der MPS eine Neuformulierung ihrer Bilanzen zu verlangen ist. Die betroffenen Finanzgeschäfte ähneln jenen, die auch mit der Deutsche Bank getätigt wurden.

Darüber hinaus herrscht im Finanzsektor weiterhin die Vorstellung, im Wesentlichen könne das Geschäft so weiterlaufen wie bisher, wenn nur die großen Banken aus ihren momentanen Unpässlichkeiten gerettet werden. Die in öffentlichen Berichten einsehbaren Strafgebühren für unlautere Praktiken mögen zwar auf den ersten Blick hoch wirken, doch in den Medien wird kaum der Versuch unternommen, die Strafzahlungen ins Verhältnis zu den durch die unlauteren Praktiken entstandenen Gewinnen zu setzen. Es ist gut möglich, dass die Deutsche Bank an unlauteren Geschäftspraktiken bisher so gut verdient hat, dass sie kaum noch profitabel arbeiten und im internationalen Finanzmarkt zukünftig eine Statistenrollen einnehmen würde, sollte man die Praktiken unterbinden – zumal das Endkundengeschäft mit der Postbank beendet werden soll. Die deutsche Politik weiß das natürlich. In der Vergangenheit hat die Deutsche Bank als Hebel zur Durchsetzung geopolitischer Ziele in Europa gedient. Daher ist die Versuchung groß, die offizielle Linie herauszugeben, dass die Deutsche Bank lediglich ein paar kleinere Reparaturen hier und ein paar Schubser dort nötig hat, ansonsten aber ihre Rolle als „absolutes Symbol der deutschen Wirtschaft“ (Der Spiegel) beibehalten kann.

Bildnachweis: Elliott Brown / flickr.com

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