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Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer: Ein Trugschluss

"Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer." Diesen Ausspruch hört man immer wieder. Die Ärmsten der Welt sind nicht in Deutschland zu finden. Das Problem absoluter Armut kann hierzulande als überwunden angesehen werden. Niemand muss den Hungertod fürchten. Berichte über die auf Bali erfolgten Verhandlungen der WTO haben abermals die Frage aufgeworfen, ob auch die Ärmsten der Welt von einer Ausweitung des internationalen Handels profitieren. Ein Blick auf die Einkommensentwicklung der letzten Jahrzehnte verdeutlicht, wie sehr das durchschnittliche Einkommen weltweit angestiegen ist und dass mehrere hundert Millionen Menschen der absoluten Armut entkommen konnten. Der zunehmend freie Austausch von Waren, Dienstleistungen und Ideen hat einen Beitrag dazu geleistet, dass in den letzten Jahrzehnten sowohl Reiche als auch Arme reicher geworden sind.

Weltweit durchschnittliches Einkommen seit 1960 um 150% gestiegen

Früher war gewiss nicht alles besser. Fast alles war schlechter. 1960 konnte sich der durchschnittliche Weltbürger von seinem Einkommen beispielsweise weniger Lebensmittel, Gesundheitsdienstleistungen, Kleidung, Mobilität, Kultur und Energie leisten als sein Gegenpart im Jahre 2013. Zahlen der Weltbank machen diese Entwicklung deutlich. Nach Berücksichtigung der Inflation ist weltweit das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von 1960 bis 2012 um mehr als das Anderthalbfache gestiegen.

Auch die Ärmsten haben profitiert

Die obige Grafik bildet die Entwicklung des durchschnittlichen weltweiten Pro-Kopf Einkommens ab. Daraus ist nicht ersichtlich, ob der Anstieg des Durchschnittseinkommens lediglich durch einen Anstieg der Einkommen der Reichsten verursacht wurde und sich die Einkommen der Ärmsten nicht verändert haben oder gar fielen. Von den Vereinten Nationen für die Jahre ab 1990 bereitgestellte Daten zeigen jedoch deutlich, dass auch die Einkommen der Ärmsten gestiegen sind.

Während die Bevölkerung in den ärmsten Regionen über die letzten Jahrzehnte gewachsen ist, ging der Anteil derer zurück, die mit weniger als 1,25$ pro Tag auskommen müssen. Lag der Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1,25$ pro Tag 1990 noch bei 47% ist er bis 2010 auf 22% gesunken. Mussten 1990 noch 1,9 Milliarden Menschen mit weniger als 1,25$ pro Tag auskommen, waren es 2010 noch 1,2 Milliarden. Seit 1990 sind hunderte Millionen von Menschen in den ärmsten Regionen absolut reicher geworden. Noch immer leben viel zu viele Menschen in bitterer Armut, aber die Zahlen zeigen, dass auch die realen Einkommen der Ärmsten in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen sind.

Dabei haben die Armen verschiedener Regionen an den Verbesserungen unterschiedlich stark teilgehabt. Wie aus der nächsten Grafik hervorgeht, ist die Armut seit 1990 in Asien am stärksten zurückgegangen, insbesondere in China haben viele Menschen den Schritt aus der absoluten Armut geschafft. Während der Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als 1,25$ pro Tag auskommen muss, in den Ländern südlich der Sahara nur moderat von 57% auf 48% zurückgegangen ist.

Wohlstand für alle möglich

Zusätzlicher Reichtum einer Gruppe muss nicht zu zusätzlicher Armut einer anderen Gruppe führen. Während sich despotische Diktatoren auf Kosten ihrer Bevölkerung bereichern, erlaubt der freiwillige Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Ideen, dass sich die Situation aller verbessert. Weder profitieren Ärmere von dem Reichtum ihrer Handelspartner, noch profitieren Reichere von der Armut ihrer Handelspartner. Beide Seiten profitieren, weil der jeweils andere bereit ist, etwas zu einem relativ niedrigen Preis aufzugeben. Das gilt innerhalb eines Landes ebenso wie über Landesgrenzen hinweg. Auch für Ideen und Wissen gilt, dass alle profitieren können. Neue Ideen und neues Wissen machen uns, Arm und Reich, produktiver und unser Leben interessanter.

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Kommentar (4)

Wo bleibt der Sinn

30. Dezember 2013, 15:23 von Richard Scholz

Der Autor erwähnt leider mit keinem Wort das es auch relative Armut gibt. Er widerlegt daher eine Binsenweisheit mit einer anderen. Zumindest hätte man mal einen Ungleichheitsndikator zu Rate ziehen müssen.

Was das ganze mit dem angepriesenen Freihandel zu tun hat bleibt mir vollkommen schleierhaft, dafür wird nicht mal ein sinnvolles Argument geliefert.

- Antwort -

Mehr Wissenschaft / weniger Ideologie

7. Januar 2014, 17:09 von Georg Quaas

Lieber Herr Fink,

ein Punkt meines Vorgängers würde auch mich interessieren: Was hat die unbestreitbare Zunahme des Pro-Kopf-BIPs mit dem internationalen Handel zu tun? Könnte es nicht sein, dass die technologische Entwicklung der entscheidende Faktor ist, der auch die exponentielle Zunahme des Handelsvolumens verursacht hat (Transportkosten)? Loblieder auf den Freihandel findet man in fast jedem ökonomischen Lehrbuch. Welchen Sinn hat es, wenn wir uns auf Blogs, die sowieso nur Ökonomen lesen, gegenseitig agitieren?

Mit freundlichen Grüßen
Georg Quaas

- Antwort -

Handel und Reichtum

7. Januar 2014, 19:10 von Alexander Fink

Vielen Dank für Ihre Rückmeldungen. Zunächst möchte ich betonen, dass IREF gerade nicht versucht, Ökonomen zu erreichen (auch wenn sich das offensichtlich nicht vermeiden lässt...), sondern alle anderen.

Der wissenschaftliche Diskurs findet in unserer Disziplin mittels des (freien) Austausches von Erklärungsversuchen insbesondere in Fachzeitschriften statt. Der obige Text soll kein Beitrag zu diesem wissenschaftlichen Diskurs sein. Mein Ziel ist es, durch den Beitrag darauf hinzuweisen, dass in den vergangenen Jahrzehnten viele Menschen dem Schrecken extremster Armut entkommen konnten. Diese positive Entwicklung sollten wir nicht missachten.

Zudem spiegelt der Text meine Lesart der relevanten empirischen und theoretischen wissenschaftlichen Literatur wider. Durch den Abbau staatlicher Barrieren wurde es insbesondere seit den 1980er Jahren Menschen in vielen Ländern erleichtert, Ideen, Güter und Dienstleistungen miteinander zu tauschen. Das gilt sowohl für Barrieren innerhalb bestehender Landesgrenzen als auch für Barrieren zwischen Ländern. Der Zugang zu zusätzlichen Handelspartnern hat es Menschen erlaubt, produktiver zu sein - zum einen durch einen höheren Grad an Spezialisierung, zum anderen durch den Austausch von Ideen (häufig als Technologien bezeichnet). Eine höhere Produktivität impliziert höhere reale Einkommen. Vielleicht machen diese wenigen Worte deutlicher, warum ich einen Zusammenhang zwischen Freihandel (sowohl innerhalb eines Landes als auch über Landesgrenzen hinweg) und dem Rückgang extremer Armut sehe.

Das Konzept der relativen Armut ist mir bekannt. Jedoch war es nicht Gegenstand dieses kurzen Beitrags.

- Antwort -

Die Botschaft höre ich wohl...

8. Januar 2014, 14:30 von Georg Quaas

Lieber Herr Fink,

sehr löblich, dass Sie sich als Wissenschaftler an das gemeine Volk wenden. Nur wird die Sache damit nicht besser! Ich greife mal einen von Ihren Glaubensartikeln heraus: Freihandel verursacht höhere Reallöhne, zumindest in mittlerer Frist. Nun stimme wir sicherlich darin überein, dass die Bundesrepublik ein Land mit hohem Grad an wirtschaftlicher Freiheit und Offenheit des Außenhandels ist. Also sollte man doch annehmen können, dass die insgesamt auch in Deutschland gewachsenen Löhne mit dem Nettoexport zumindest tendenziell zunehmen, sagen wir, von 1991 bis zum aktuellen Rand. Nun rufen Sie mal bitte Ihr E-Views auf und regressieren Sie die durchschnittlichen Verdienste der Arbeitnehmer je Stunde auf den Konsumentenpreisindex und die Nettoexporte! Mit diesen Variablen können Sie immerhin 98 Prozent der Varianz erklären. Und was sehen wir da? Einen NEGATIVEN Zusammenhang zwischen dem realen Arbeitnehmereinkommen und dem in letzter Zeit wachsenden Export. (Wenn Sie darüber hinaus die üblichen Methoden der Zeitreihenanalyse anwenden, verschwindet schließlich die Anhängigkeit ganz.)

Sicher ist es viel leichter, dem gemeinen Volk die Theorien von Adam Smith über internationalen Handel, Arbeitsteilung, Spezialisierung und Produktivität zu erzählen, als dem deutschen Arbeitnehmer zu erklären, warum er seit über 20 Jahren ein nahezu konstantes Realeinkommen hinnehmen muss, trotzdem die Produktivität (und, um dies nicht zu vergessen: der freie Austausch von Ideen, zum Beispiel mit der N S A) gestiegen ist.

Und da Sie mir moralisch kommen, habe ich auch einen Spruch parat: Wir sollten die Wissenschaft nicht geringschätzen, auch nicht im Monolog mit Laien.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Quaas

- Antwort -

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