Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von & ,

Einkommen in Deutschland: Hoch und gleich

In Deutschland sind Pro-Kopf-Einkommen nicht nur vergleichsweise hoch, sondern auch relativ gleich verteilt. Laut Daten der OECD verfügen nur einige kleine Länder über höhere und nach Steuern und Transfers gleichmäßiger verteilte Pro-Kopf-Einkommen als Deutschland. In anderen großen europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien sind die durchschnittlichen Einkommen niedriger und die Einkommensunterschiede ausgeprägter. Der internationale Vergleich offenbart, dass höhere Einkommen mit weniger Ungleichheit einhergehen können. Grund dafür könnte sein, dass eine bessere Qualität staatlicher Institutionen sich sowohl positiv auf die Einkommenshöhe als auch auf die Fähigkeit mit geringen Wachstumsverlusten umzuverteilen, auswirkt.

Ungleichheit: In Deutschland besonders ausgeprägt?

Beim Thema Ungleichheit gehören entwarnende Berichte eher zur Seltenheit. Seit der Wiedervereinigung ist die Einkommensungleichheit in Deutschland bis zum Jahr 2010 laut einer Studie des IMK im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung deutlich gestiegen. Heute stagniert sie auf hohem Niveau, wie das DIW in seinem Wochenbericht aus dem Juni dieses Jahres konstatiert.

Dieser Berichte zum Trotz war die Einkommensungleicheit nach Steuern und Transfers nach den jüngsten Daten der OECD für das Jahr 2012 in nur 12 von 31 betrachteten OECD- Ländern niedriger als in Deutschland. Der deutsche Staat gleicht Einkommensunterschiede relativ stark an. Zugleich waren für 2014 lediglich in 11 der gleichen 31 OECD-Staaten höhere Durchschnittseinkommen als in Deutschland zu verzeichnen.

Einkommen: Kein großes Land ist gleicher und reicher als Deutschland

Die nachstehende Grafik zeigt, wie OECD-Länder bezüglich Pro-Kopf-Einkommen in Kaufkraftparitäten im Jahre 2014 und GINI-Koeffizienten nach Steuern und Transfers für 2012 abschnitten. Der GINI ist ein Maß der Ungleichverteilung zwischen 0 und 1. Beträgt er 0 heißt dies, dass jede Person ein gleich hohes Einkommen bezieht. Beträgt er hingegen 1, bezieht eine Person das gesamte Einkommen.

Die meisten Staaten – 13 - befinden sich im roten Bereich. Dort waren die Einkommen niedriger und nach Steuern und Transfers ungleicher verteilt als in Deutschland. Staaten wie die Türkei, Italien, Frankreich oder Großbritannien finden sich hier wieder. Die zweite Gruppe, orange gekennzeichnet, wies eine niedrigere Einkommensungleichheit und ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen auf. Beispielhaft sei hier Tschechien erwähnt: Zwar lag der GINI mit 0,256 unter dem deutschen von 0,289, allerdings war das tschechische Pro-Kopf-Einkommen mit 29.970 US $ um ein Drittel niedriger als in Deutschland. Australien, Irland und die USA in der blauen Fläche verfügen über ein höheres Einkommen als Deutschland. Die Einkommen sind jedoch wesentlich ungleicher verteilt.

Nur sieben Staaten, alle mit vergleichsweise kleinen Bevölkerungen, landen im grünen Bereich und erzielten höhere Durchschnittseinkommen bei niedrigerer Einkommensungleichheit. In diese Gruppen fallen beispielsweise Schweden und Dänemark, die beide deutlich weniger Einwohner haben als einzelne Bundesländer. Alleine Bayern, das für sich genommen übrigens ein höheres Pro-Kopf-Einkommen aufweist als die beiden skandinavischen Länder, ist bevölkerungsreicher.

Trade-off zwischen Einkommen und Einkommensungleichheit?

Bemerkenswert ist, dass die internationalen Daten nicht auf einen strikten Trade-off zwischen durchschnittlicher Einkommenshöhe und Einkommensungleichheit nach Steuern und Transfers hinweisen. Im Gegenteil deuten die Daten vielmehr darauf hin, dass in reicheren Staaten die verfügbaren Einkommen gleicher verteilt sind.

Daraus folgt jedoch weder, dass ein höherer Grad an Umverteilung zu höheren Einkommen führt, noch, dass höhere Einkommen zu mehr Umverteilung führen. Wahrscheinlich tragen institutionelle Faktoren, die sich positiv auf die Einkommenshöhe auswirken, auch dazu bei, dass mit relativ geringen negativen Auswirkungen auf das Einkommenswachstum umverteilt wird. So wird der öffentliche Sektor in Spanien, Italien, Frankreich und auch Großbritannien, die alle eine höhere Einkommensungleichheit und ein niedrigeres Durchschnittseinkommen als Deutschland aufweisen, als korrupter als in Deutschland wahrgenommen.

Bessere staatliche Institutionen, niedrigere Umverteilungskosten

Der internationale Vergleich lässt jedoch keineswegs den Schluss zu, dass der Trade-off zwischen Höhe und Ungleichheit der Einkommen für ein einzelnes Land ausgestattet mit einer gegebenen institutionellen Qualität nicht hält. Je stärker durch Steuern, staatliche Preissetzung und Regulierungen umverteilt wird, desto schwächer ist möglicherweise der Anreiz, produktiv tätig zu sein. Es ist zu erwarten, dass dieser negative Zusammenhang zwischen Umverteilungsmaßnahmen und der Höhe des Durchschnittseinkommens umso stärker ist, je geringer die institutionelle Qualität eines Landes ausfällt. Wie im Falle von Regulierungen, wird die Bilanz staatlicher Umverteilung negativer, je anfälliger der Staat für die Vorteilnahme einzelner zum Nachteil vieler ist.

Unabhängig davon, ob der im internationalen Vergleich in Deutschland relativ hohe Grad der Einkommensgleichheit als zu hoch oder zu niedrig wahrgenommen wird, sollte ein gemeinsames Interesse an der weiteren Steigerung der staatlichen institutionellen Qualität bestehen. Dazu gehört auch, möglichst Instrumente zur Umverteilung einzusetzen, die keine diskretionäre Behandlung einzelner zulässt, um die Gefahr der Instrumentalisierung des Staates für private Interessen zu minimieren. Leider gehören die kürzlich ergriffenen kontrollintensiven Maßnahmen des Mindestlohns und der Mietpreisbremse nicht zu diesen Instrumenten.

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Wachstum in den Ländern: Aufsteiger und Absteiger

Wirtschaftswachstum ohne Regierung?


Hohe Gewinne durch Beschäftigung von Geringqualifizierten?

Marktwirtschaftlich organisierte Demokratie: Rezept für Reichtum und Freiheit



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.