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Erwerbstätige arbeiten so wenig wie nie zuvor
Weniger Arbeit, mehr Freizeit

Derzeit sind in Deutschland so viele Menschen erwerbstätig wie nie zuvor. Im Dezember 2013 waren es bei einer Arbeitslosenquote von 6,7% etwas über 42 Millionen Menschen. Ein Blick auf die gesamten Arbeitsstunden offenbart jedoch, dass die 42 Millionen Erwerbstätigen heute insgesamt weniger Arbeitsstunden leisten als die 38 Millionen Erwerbstätigen 1992. Für einige Kommentatoren, wie den Präsidenten des Bundesamts für Statistik Roderich Egeler, ist die Entwicklung des gesamten Arbeitsvolumens Grund zur Sorge. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten jedoch nicht der Arbeit wegen. Sie schätzen ihre Freizeit. Diese Wertschätzung sollte bei der Beurteilung der seit Jahrzehnten sinkenden jährlichen Arbeitszeit Beachtung finden.

Erwerbstätige derzeit: 42 Millionen

Die Zahl der Erwerbstätigen ist seit 1995 von 37,5 Millionen Menschen auf 42 Millionen Menschen im Dezember 2013 gestiegen. 2,1 Millionen Menschen gingen keiner Erwerbstätigkeit nach, obwohl sie aktiv eine Tätigkeit suchten und kurzfristig zur Verfügung gestanden hätten. Dennoch war die Erwerbslosenquote im Dezember 2013 mit 4,9% so niedrig wie seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr.

Gesamtes Arbeitsvolumen: 2013 geringer als 1991

Obwohl derzeit mehr Menschen als je zuvor einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ist das gesamte Arbeitsvolumen heute geringer als noch zu Beginn der 1990er Jahre. 1992 haben 38 Millionen Erwerbstätige gemeinsam 59,6 Milliarden Stunden gearbeitet. 2013 haben es 41,8 Millionen Erwerbstätige gemeinsam auf nur 58 Milliarden Arbeitsstunden gebracht. Das gesamte Arbeitsvolumen ist seit 2003 um etwa 4 Prozent gestiegen.

Jahresarbeitszeit: Niedrig wie nie zuvor

Der Anstieg des gesamten Arbeitsvolumens seit 2003 ist auf die deutlich gestiegene Zahl Erwerbstätiger zurückzuführen. Denn die jährliche durchschnittliche Arbeitszeit ist seit Anfang der 2000er Jahre gefallen, wie in den Jahrezehnten zuvor auch. 1960 hat der durchschnittliche Erwerbstätige in der BRD 2.163 Stunden pro Jahr gearbeitet. 2013 waren es pro Erwerbstätigen noch 1.388 Stunden. Im Durchschnitt haben Erwerbstätige 2013 etwa 64% der Arbeitszeit der Erwerbstätigen des Jahres 1960 bewältigt.

Der Trend hin zu weniger Arbeitsstunden pro Erwerbstätigen ist keine Besonderheit der letzten zwei Jahrzehnte. Ganz im Gegenteil. Während die durchschnittliche Arbeitszeit von 1960 bis 1990 um jährlich 1,06 Prozent zurückging, sank sie von 1990 bis 2013 jährlich um lediglich 0,56 Prozent.

Arbeit pro Person: Weniger, aber produktiver

Erwerbstätige haben heute mehr Urlaubstage als 1960 und kürzere Wochenarbeitszeiten. Zudem gibt es mehr Beschäftigte, die in Teilzeit arbeiten. Die langfristige Entwicklung hin zu kürzeren Arbeitszeiten ist jedoch nicht maßgeblich auf die von vielen gescholtenen Minijobs und Teilzeitmodelle der letzten Jahre zurückzuführen.

Gewiss gibt es heute - wie auch damals - Menschen, die zum gegenwärtigen für sie relevanten Marktlohn gerne länger arbeiten würden, aber entweder gar keine Beschäftigung finden oder ihre Arbeitszeit nicht erhöhen können. Die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte erlauben es den meisten Menschen dennoch, heute deutlich weniger lange zu arbeiten und trotzdem einen wesentlich höheren Wohlstand zu genießen als beispielsweise die Bevölkerung der 1960er Jahre.

Freizeit: Unbesteuert und geschätzt

Die viele Freizeit Erwerbstätiger mag, wie Nobelpreisträger Edward Prescott argumentiert hat, vor allem der hohen Belastung von Arbeit durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, die die gleiche Wirkung wie Steuern auf Arbeit haben, geschuldet sein. Wir würden mehr arbeiten, wenn ein größerer Anteil des vom Auftraggeber gezahlten Salärs beim Auftragnehmer ankäme und nicht an den Staat abgetreten werden müsste.

Da der Staat bisher keine Möglichkeit gefunden hat, Freizeit zu besteuern, können wir sie in vollen Zügen genießen. Dass Erwerbstätige auf Kosten der Freizeit 1960 durchschnittlich pro Jahr 56% (oder 775 Stunden) länger und 1992 noch 13% (oder 178 Stunden) länger gearbeitet haben als 2013, sollten wir in Betracht ziehen, wenn wir die Entwicklung der Arbeitszeit diskutieren.

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