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Etablierte Banken unter Wettbewerbsdruck

Die etablierten Banken geraten gleich von mehreren Seiten unter Druck. Die amerikanische Notenbank plant eine Anhebung der Eigenkapitalvorschriften. In Europa stehen die Banken weiterhin auf wackeligen Fundamenten. Innovative Startups mit niedrigen Overhead-Kosten beginnen, Kerngeschäfte der etablierten Banken wie das Einlagengeschäft für sich zu entdecken. Sollten sich die Regulierungsbehörden nicht in den Weg stellen, könnte der Wettbewerbsdruck im Bankensektor deutlich steigen.

US-Regulierer erhöhen Druck auf Banken

Kürzlich wurde bekannt, dass die US-Zentralbank die Eigenkapitalvorschriften für die acht größten US-Banken wahrscheinlich anheben wird. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass die strengeren Vorschriften vor 2018 in Kraft treten. Doch laut Fed-Direktor Daniel Tarullo ist die Anhebung der Eigenkapitalvorschriften notwendig, um die Banken gegen zukünftige Finanzschocks abzusichern. Wenig überraschend war die Antwort von US-Bankenvertretern: Höhere Eigenkapitalquoten bedeuten weniger Leverage, was wiederum schlecht für das Bankengeschäft sei. In unseren Augen illustriert diese Reaktion nur, dass der Bankensektor in einer schlechteren Verfassung ist, als viele wahrhaben wollen.

In Europa geht der Prozess hin zu einer echten Bankenunion nur schleichend voran und für eine Gesundung des Bankensystems gibt es nur wenige Anzeichen. Deutschland scheint es ernst zu meinen, mit seiner Ablehnung einer gemeinsamen Einlagensicherung. Dazu kommt, dass sich das Basel-Komitee für Bankenaufsicht bei der Evaluierung der vielkritisierten Nullrisikogewichtung von Staatsanleihen alle Zeit der Welt lässt.

Finanz-Startups wildern im Einlagengeschäft

Während die Banken ihre Geschäftsmodelle auf der Suche nach Stabilität und Profitabilität offen anpassen, werden selbst in den Leitmedien Stimmen laut, die hinterfragen, ob Bankmanager überhaupt noch wissen, was sie da tun. Wie wir letzten Monat berichteten, findet derzeit ein Investmentboom in neue Finanztechnologie-Unternehmen statt. Diese neuen Unternehmen machen den traditionellen Banken in Geschäftsbereichen Konkurrenz, die früher einmal als sicheres Territorium der Banken galten. Es drängt sich die Frage auf, welche Geschäftsbereiche den traditionellen Banken in Zukunft bleiben werden. Selbst das Einlagengeschäft ist nicht mehr sicher: Das Geschäftsmodell des 2009 gegründeten deutsche Finanzunternehmen FIDOR greift das Kerngeschäft der Banken an.

Im Kern ist eine Bank lediglich eine regulierte Institution zur Verwaltung von Einlagen. Andere Operationen sind für das Bankengeschäft nicht essentiell, auch das Kreditgeschäft nicht. FIDOR ist vielleicht die erste vieler zukünftiger „Basis“-Banken. Das Unternehmen setzt in jedem Bereich auf Technologie, sogar bei der Kundenverwaltung und der Eröffnung eines neuen Kontos. Die Kosten pro Kunden liegen bei einem Bruchteil der bei traditionellen Banken anfallenden Kosten.

Regulierer schützen etablierte Banken

FIDOR nimmt Einlagen seiner Kunden auf, verwaltet Giro-Konten und ermöglicht es seinen Kunden, Überweisungen in Auftrag zu geben. Es handelt sich um ein reines Online-Geschäft ohne Filialen. Dennoch ist FIDOR eine Bank, die durch die deutsche Finanzaufsicht reguliert wird. FIDOR ermöglicht es anderen Unternehmen, zahlreiche Banking-Dienstleistungen über die FIDOR-Plattform anzubieten. Wenn ein FIDOR-Kunde seine Einlagen verleihen will, Anleihen und Aktien kaufen will oder in einen Fond investieren möchte, so kann er auf der Plattform aus einer Reihe von regulierten Anbietern solcher Dienste auswählen. Der Erfolg des Unternehmens illustriert, dass die Kerndienstleistungen einer Bank zu sehr geringen Kosten bereitgestellt werden können. Auf die öffentliche Meinung gegenüber den traditionellen Banken könnte sich diese Erfahrung negativ auswirken.

Wir beobachten zurzeit einen Konflikt zwischen technologischen Innovatoren in der Finanzszene einerseits und den Regulierungsbehörden andererseits. Letztere scheinen gewillt, den Prozess der schöpferischen Zerstörung im Finanzsektor aufzuhalten. Sie schützen die traditionellen Banken mit Hinweis auf deren systemische Relevanz. Doch in der Öffentlichkeit wachsen die Zweifel und den etablierten Banken gelingt es kaum noch, ihre tragende Rolle für die Wirtschaft glaubwürdig zu verkaufen. Sollten neue Finanzunternehmen mit einfachen Geschäftsmodellen den etablierten Banken im Kerngeschäft ernsthafte Konkurrenz machen, so wird die Sonderbehandlung der traditionellen Banken kaum noch zu rechtfertigen sein.

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

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