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Fragwürdige Refinanzierung durch IFRS 9

Die EZB hat bestätigt, dass notleidende Bankkredite zu Refinanzierungszwecken als Sicherheit zugelassen werden. Die Anwendung von Regeln für die Bewertung bis zum Laufzeitende gehaltener Kredite führt dazu, dass Nominalwerte – nicht Marktwerte – als Grundlage dienen. Plant die EZB, auf diese Weise bestimmte Banken oder gar nationale Bankensysteme zu retten?

Konflikt um IFRS 9-Regeln

Wer wird im Streit um den neuen Bilanzierungsstandard IFRS 9 die Nase vorn haben? Die Befürworter eines laxen Umgangs in der Bewertung notleidender Kredite oder die Kritiker von IFRS 9, die sich wünschen, dass Banken Kredite auch dann realistisch abschreiben müssen, wenn die Realisierung der Verluste mehr als 12 Monate in der Zukunft erwartet wird? Es besteht kein Zweifel, dass von den Befürwortern des IFRS 9 keine Mühe gescheut wird, die Probleme herunter zu spielen – aus drei Gründen:

1) Es wird einen breiten politischen Widerstand gegen einen deutlich strengeren Standard der Anerkennung ausgefallener Kredite als den derzeit im IFRS 9 formulierten geben;

2) Die EZB und andere Aufsichtsbehörden werden besorgt sein, dass durch realistischere Einschätzungen zukünftiger Kreditausfälle reduzierte Kapitalausstattungen von Banken das Vertrauen in mehrere Banken verringern würde;

3) Die EZB hat kürzlich ihre Bereitschaft bestätigt, notleidende Kredite einiger Banken zu refinanzieren. Es ist davon auszugehen, dass der Preis, den sie dafür zugrunde legen wird, näher am Nennwert sein wird als der aktuelle Marktwert. Aber die Bemühungen der EZB, Banken derart zu unterstützen, werden untergraben, wenn strengere Bilanzierungsregeln zur Anwendung kommen. Das erklärt sich folgendermaßen:

Refinanzierung über notleidende Kredite

Die italienische Regierung erhielt kürzlich von der Europäischen Kommission die Genehmigung, italienischen Banken zu helfen, indem sie ihnen staatliche Garantien für notleidende Kredite verkauft. Wir vermuteten, dass diese Darlehen entweder durch die italienische Zentralbank oder sogar von der EZB refinanziert werden würden. Nun sieht es aus, als ob die EZB dies tun wird.

Auf die Frage, ob die EZB notleidende Kredite im Rahmen ihres Wertpapierkaufprogramms "kaufen" werde, verneinte Präsident Draghi den Ankauf von Krediten. Allerdings würde es die EZB ermöglichen, solche Kredite als Sicherheit in Refinanzierungsgeschäften zu nutzen. Wie könnte das funktionieren? Es ist gängige Praxis, dass Geschäftsbanken Kredite von der EZB erhalten, indem sie "akzeptable" Sicherheiten bei der EZB mittels ihrer nationalen Zentralbanken hinterlegen. (Im Folgenden werden wir die Praxis der Vermittlung über nationale Zentralbanken ignorieren).

Die Schlüsselfrage ist dabei die Bewertung der Sicherheiten durch die EZB. Die Regeln für die Bewertung wurden im Jahr 2011 von Präsident Trichet, dem Vorgänger von Mario Draghi, festgelegt – vermutlich als das Ausmaß der Probleme griechischer Banken offenbar wurde.

"Bis zum Ende der Laufzeit gehaltene Wertpapiere sollen als gesonderter Bestand behandelt und zu amortisierten Kosten bewertet werden und einer Wertminderung unterliegen. Die gleiche Behandlung wird nicht auf Märkten gehandelten Wertpapieren zuteil."

IFRS-Regeln: Verschleierung realer Verhältnisse

Nach den Regeln des IFRS 9 wäre es möglich, dass ein 100€ Kredit zu einem Zins von 5% einer Bank an ihren Gläubiger, der einer Zahlungsverpflichtung nicht nachgekommen ist, lediglich abgeschrieben wird auf 95€. Der bilanzwirksam werdende Verlust von 5€ beschränkt sich auf den innerhalb der nächsten 12 Monate erwarteten Zahlungsausfall, obwohl möglicherweise auch nach 12 Monaten keine Zahlungen vom Gläubiger zu erwarten sind. Die Bank kann in der Zwischenzeit der EZB den Kredit als Sicherheit im Rahmen eines Refinanzierungsgeschäfts vorlegen. Nach Abzug einer Risikoprämie von vielleicht 10% wird die EZB der Geschäftsbank dann einen Kredit in Höhe von 85,5€ zur Verfügung stellen, obgleich der als Sicherheit akzeptierte Kredit der Geschäftsbank an ihren Kunden einen deutlich niedrigeren Marktwert hat.

Unter den Umständen der kürzlich angekündigten Ausweitung des Wertpapierankaufprogramms der EZB scheint es daher möglich, dass Banken in der Lage sein könnten, notleidende Kredite nur wenig unter Nennwert zu refinanzieren, obwohl sie viel weniger wert sind. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen den Interessen der Gläubiger, die von den Bilanzen der Banken erwarten, ein den "tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild " zu zeichnen, und den Interessen der EZB, der nationalen Zentralbanken und von Politikern, die glauben, dass das Wertpapierankaufprogramm der EZB die Probleme der Banken lösen kann.

Bild: Jeff Ferzoco/ Flickr (zugeschnitten)

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