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Freiheit hilft: Insbesondere in Krisenzeiten
Griechen leiden unter Folgen wirtschaftlicher Unfreiheit

Seit einigen Wochen steht Griechenland einmal mehr im Mittelpunkt der europäischen Wirtschaftspolitik. Angesichts der vorgezogenen griechischen Parlamentswahlen am 25. Januar dieses Jahres wird die Möglichkeit eines Austritts Griechenlands aus dem Euro wieder diskutiert. Befürworter eines Austritts verweisen auf die Möglichkeit, eine eigene griechische Währung nach dem Austritt massiv abzuwerten, um die relativen Preise der in Griechenland produzierten Güter und Dienstleistungen zu senken und so für einen Aufschwung im Land zu sorgen. Ein Blick auf verschiedene Maßstäbe für wirtschaftliche Freiheit in Ländern der Eurozone suggeriert jedoch, dass eine starke Abwertung allein die Ursachen der griechischen Misere nicht aus der Welt schaffen würde.

Auf und Ab seit 1990

Von 1990 bis 2007 wuchs das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf unter den Ländern, die bis 2001 den Euro eingeführt haben, am schnellsten in Griechenland — mit Ausnahme von Irland. Zwischen 2007 und 2013 ist das BIP pro Kopf in Irland allerdings "nur" um etwa 11% zurückgegangen, während es in Griechenland um über 25% gesunken ist.

Deutschland und Österreich sind die einzigen Länder, die 2007 bereits den Euro eingeführt hatten und 2013 pro Person ein höheres BIP aufwiesen als 2007. Besonders ernüchternd ist die Entwicklung seit 1990 in Italien. Dort ist das BIP pro Kopf von 1990 bis 2013 um nur knapp 10% gestiegen. In Griechenland waren es immerhin knapp 17%. Zum Vergleich: Das irische BIP pro Person ist seit 1990 um 98% gestiegen und das deutsche um 34%.

Mehr wirtschaftliche Freiheit, weniger starke Rezession

Es scheint kein Zufall zu sein, dass die Lage in Griechenland ernster ist als in anderen kleinen Ländern der Eurozone, die ebenfalls von einem Boom bis 2007 profitiert haben und unter einer starken Rezession in den Jahren nach 2007 zu leiden hatten: Irland und Portugal. In beiden Ländern ist die wirtschaftliche Freiheit stärker ausgeprägt als in Griechenland und Korruption des öffentlichen Sektors ein weniger weit verbreitetes Phänomen.

Wirtschaftliche Freiheit zu messen, ist kein leichtes Unterfangen und die vorliegenden Ratings haben alle individuelle Schwächen. In Bezug auf Griechenland vermitteln sie jedoch ein relativ einheitliches Bild. Im Vergleich zu den anderen 12 Ländern, die der Eurozone spätestens 2007 beigetreten sind, schneidet Griechenland schlecht ab. Und das bleibt nicht ohne Folgen, denn es scheint einen positiven Zusammenhang zwischen ökonomischer Freiheit und dem Grad der Erholung von der Finanzkrise zu geben, wie die nachfolgenden Grafiken veranschaulichen.

Die Heritage Foundation bewertet die wirtschaftliche Freiheit von Ländern im Rahmen ihres Index of Economic Freedom. Wir haben einen Durchschnitt über das Gesamtrating einzelner Länder aus den Berichten von 2008 bis 2014 gebildet. Außerdem haben wir auf Basis von Daten der OECD das pro Kopf BIP der Länder des Jahres 2013 ins Verhältnis zum BIP des Jahres 2007 gesetzt. Ein Wert von 100% zeigt also an, dass das BIP pro Kopf in einem Land 2013 gerade dem von 2007 entsprach.

Griechenland schneidet in Bezug auf die wirtschaftliche Freiheit und die Entwicklung des BIPs am schlechtesten ab. Das BIP pro Person betrug 2013 nur noch 75% des BIPs des Jahres 2007. Portugal und Irland schneiden entlang beider Dimensionen deutlich besser ab. Das BIP Irlands belief sich 2013 auf 89% des BIPs von 2007 und Portugal kommt auf einen Wert von 93,5%.

Das Fraser Institute legt ebenfalls ein Rating der wirtschaftlichen Freiheit vor: Economic Freedom of the World. Hier haben wir den Durchschnitt der Berichte der Jahre 2009 bis 2014 ermittelt. Das Bild ähnelt dem vorherigen.

Auch die von der Weltbank im Rahmen des Doing Business Index bereitgestellten Daten zeichnen ein ähnliches Bild. Der Maßstab soll widerspiegeln, wie leicht es einem von Seiten des Staates gemacht wird, in einem Land ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Wir nutzen hier einen Durchschnitt des Gesamtratings der Länder aus den Berichten von 2010 bis 2014.

Das Bild ändert sich auch nicht, wenn wir den Corruption Perception Index nutzen, der von Transparency International zur Verfügung gestellt wird und die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Sektor misst. Hier bilden wir einen Durchschnitt der Länderratings von 2012 bis 2014. Auch hinsichtlich der Korruption schneidet Griechenland von allen betrachteten Ländern am schlechtesten ab.

Wirtschaftliche Unfreiheit schadet, vor allem nach dem Boom

Werden während eines Booms Ressourcen auf Investitionen verwandt, die sich am Ende des Booms als nicht profitabel erweisen, beginnt der schmerzliche Prozess der Neuverteilung von Ressourcen. Produktionsmittel werden alternativen Verwendungsmöglichkeiten zugeführt und Menschen sehen sich nach neuen Aufgaben um. Dieser Prozess ist für Betroffene schmerzhaft, insbesondere, wenn sie dadurch unfreiwillig arbeitslos werden. Wie schmerzhaft dieser Prozess für wie viele Menschen ist, hängt davon ab, wie leicht es ist, Ressourcen neu zu verteilen. Ist es schwierig, Unternehmen zu gründen, weil der Staat etablierte Unternehmen mittels Regulierungen vor neuen Wettbewerbern schützt, wird der Prozess zäher. Ist es für Arbeitgeber schwierig, Mitarbeitern zu kündigen, werden Arbeitnehmer vor ihren arbeitslosen Konkurrenten geschützt und der Prozess der Neuverteilung der Ressource Arbeit wird langwieriger.

In Griechenland sahen sich die Menschen nach 2007 aufgrund einer relativ stark ausgeprägten wirtschaftlichen Unfreiheit und landläufiger Korruption bei der Neuverteilung von Ressourcen höheren Barrieren gegenüber als Menschen in anderen Ländern der Eurozone. Das spiegelt sich in der Entwicklung des BIPs wider. Die seit des ersten EU-Rettungspakets im Jahre 2010 angestoßenen Reformen zielen zwar zum Teil darauf ab, eben diese Barrieren abzubauen. Bisher haben sie eine durchschlagende Wirkung jedoch vermissen lassen.

Abwertung einer eigenen Währung kein Allheilmittel

In den Diskussionen um Griechenlands Zukunft scheint bei Zeiten unterzugehen, dass Griechenland nicht ist wie Finnland mit einem zu hohen Reallohnniveau. Griechenland befindet sich derzeit in einem Gleichgewicht, das gekennzeichnet ist von überbordener Regulierung, die von einem von Korruption durchzogenem öffentlichen Sektor administriert wird. Es wird weiterhin beschwerlich sein, einen Weg zu finden, der zu einem Gleichgewicht führt, das geprägt ist von Regulierungen, die von einem effektiven öffentlichen Sektor durchgesetzt werden und den Markteintritt von neuen Wettbewerbern ermöglichen, anstatt ihn zu verhindern.

Die auf einen Austritt folgende Abwertung der eigenen Währung könnte dazu beitragen, dass die Barrieren auf dem Arbeitsmarkt weniger schwer wiegen. Eine expansive unabhängige Geldpolitik könnte zu einem Rückgang der realen Löhne beitragen und somit griechische Produkte im Ausland attraktiver machen und die Aussichten der jetzigen Arbeitslosen verbessern, wieder Zutritt zum Arbeitsmarkt zu bekommen. Einige schwerwiegende Probleme würde eine Abwertung aber nicht adressieren. Von Korruption und bremsenden Regulierungen wäre Griechenland nicht befreit. Mittels einer zeitweiligen Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt könnte eine Abwertung gar dazu beitragen, dass andere Probleme zusätzlich verfestigt werden. Möglicherweise ist eine Transformation weg vom derzeitigen schlechten Gleichgewicht hin zu einem wünschenswerteren Gleichgewicht für Griechenland realistischer, wenn es den Euro behält.

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