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Geldpolitik erneut in der Kritik

In zwei neuen Berichten warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vor einem schwachen Aufschwung der Weltkonjunktur. Durch Jahrzehnte asymmetrischer, lockerer Geldpolitik haben sich die entwickelten Volkswirtschaften der Möglichkeit, effektive Stimuli zu generieren, sukzessive beraubt. Neue Probleme auf dem chinesischen Immobilienmarkt und die zu erwartende Stagnation in den BRICS-Staaten bergen die Gefahr eines erneuten Wachstumseinbruchs. Große US-Konzerne reagieren durch verstärkte Finanzialisierung.

Geldpolitik ruft Fehlallokationen hervor

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlichte kürzlich zwei neue Berichte. Der erste Bericht thematisiert die derzeit schwachen Konjunkturaufschwünge in den entwickelten Volkswirtschaften. Die Wirtschaftsflaute führt die BIZ auf die Störeffekte von Konjunkturzyklen in den letzten 40 Jahren zurück, verantwortlich dafür sieht sie die „asymmetrische“ Geldpolitik der Zentralbanken. Die Vermögenspreissteigerungen seien toleriert worden und in jedem Abschwung hätten die Zentralbanken ihre Geldpolitik aggressiv gelockert.

Wenn die Realzinsen nach einem Abschwung zu lange zu tief gehalten werden, so kann der daraus resultierende Kreditboom ernsthafte Probleme in der Aufschwungphase hervorrufen. „Fehlallokation führt zu Fehlallokation“, stellt die BIZ fest. Eine solche Fehlallokation sieht sie sowohl als Auslöser als auch als Folge der Finanzkrise 2008. Ein guter Indikator dafür ist die Privatverschuldung: In den USA ist in den zehn Jahren vor Beginn der Finanzkrise das Verhältnis von Privatkrediten zum BIP von 157% auf 212% gestiegen. In Europa spielte sich ähnliches ab, insbesondere in Spanien, wo das Verhältnis von 137% auf 274% anwuchs.

Chinas Wirtschaft auf der Kippe

Bemerkenswert war auch der Vierteljahresbericht der BIZ vom Dezember. Die Märkte hätten sich im vierten Quartal 2015 von den Strapazen im August beruhigt, nach dem sich die chinesischen Aktien- und Währungskurse stabilisiert hatten. Die Angst vor einem erneuten Aufflackern der Finanzkrise flaute in Folge ab. Doch die ungewöhnlich günstigen Arbeitsmarktaussichten in den USA im November hätten die Vermutung genährt, dass die Fed bald den Leitzins erhöhen würde. Zwei Sorgen trieben die Finanzmarktteilnehmer um: Erstens, die Folgen divergierender Geldpolitik in den entwickelten Volkswirtschaften. Zweitens, ob die Schwellenländer in der Lage sind, eine restriktive US-Geldpolitik zu verkraften.

Aller Voraussicht nach wird Chinas Einfluss auf die westlichen Märkte weiter wachsen, weshalb es sinnvoll ist, einen genaueren Blick auf die dortigen wirtschaftlichen Aussichten zu werfen. In den vergangenen Jahren hat China seine Exportkapazität viel schneller ausgebaut als andere BRICS-Staaten. Der chinesische Staat hat den Bau kommerzieller und privat genutzter Immobilien aktiv gefördert und die Spekulation mit Immobilienobjekten befördert. Langfristig mag sich dieses massive Investment als überaus lohnenswert herausstellen, doch in der Zwischenzeit muss es finanziert werden.

Wenn es 2016 zu einem erneuten Konjunkturabschwung und einer damit einhergehenden Investmentflaute kommt, so wird der kreditfinanzierte Bauboom die chinesische Wirtschaft erheblich belasten. Eine einflussreiche Regierung wie die chinesische könnte einen Abschwung auf „magische“ Weise verhindern. Aber es ist bemerkenswert, dass der chinesische Staat kürzlich bereits den Bankrott eines staatseigenen Schiffbauers zuließ.

Herausforderungen für die BRICS-Staaten

Zwar zeigt sich die BIZ erleichtert, dass die Schwellenländer die scharfen Kurskorrekturen in Folge der Dollar-Aufwertung heil überstanden. Doch die Entwicklungen zu Beginn des Jahres bereiten ihr dennoch Sorgen. Neue Unruhen auf den chinesischen Finanzmärkten riefen eine scharfe Abwärtskorrektur amerikanischer Kurse hervor – die schärfste Korrektur zu Jahresbeginn aller Zeiten. Der Dollar erstarkte dennoch weiterhin, nicht zuletzt aufgrund seines Status als „sicherer Hafen“. Auch der Goldpreis stieg.

Der Fokus der BIZ-Analysen auf die Schwellenländer ist angemessen. Das relativ abrupte Ende des sogenannten Ressourcen-Superzyklus – der seit Beginn des Jahrtausends zu beobachtende Preisanstieg und anschließende Preisrückgang vieler physischer Güter und das damit einhergehende Wirtschaftswachstum in den BRICS-Staaten – wird einige gewichtige Konsequenzen für die Wirtschaftsentwicklung 2016 haben.

Der von den entwickelten Volkswirtschaften 2009 ausgegangene geldpolitische Stimulus hatte seine weitreichendsten Folgen in den BRICS-Staaten, wo er zunächst Wirtschaftswachstum auslöste, das anschließend wieder einbrach. Der Superzyklus kommt nun allerdings seinem Ende zu. Die Wirkungen der expansiven Geld- und Fiskalpolitik sind erschöpft. Die BRICS-Staaten müssen sich auf neue wirtschaftliche Herausforderungen einstellen, möglicherweise größere Herausforderungen als 2009. Die Art und Weise, wie die BRICS-Staaten mit diesen Herausforderungen umgehen werden – und die Folgen für den Rest der Welt – werden vielleicht zum wichtigsten Thema in der Wirtschaftswelt im Jahre 2016.

Wenn die entwickelten Volkswirtschaften dem derzeitigen Konjunkturabschwung mit einem neuen geld- oder fiskalpolitischem Stimulus begegnen, dann könnte 2016 für die BRICS-Staaten glimpflich verlaufen. Doch in Folge der seit 2008 anhaltenden Bilanzaufblähung (in den Zentralbanken wie auch gesamtwirtschaftlich) hat die Politik mittlerweile erheblich an Flexibilität eingebüßt. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass ein neuer Stimulus – sollte er denn kommen – weniger effektiv als 2009-2013 sein wird und die BRICS-Staaten somit von dieser Seite aus weniger Unterstützung zu erwarten haben. Angesichts ihrer potentiellen Zahlungsbilanzschwierigkeiten sind die BRICS-Staaten auch kaum in der Lage, selbst entsprechende Stimuli in Gang zu setzen. Ein lediglich schwacher Aufschwung scheint daher unabwendbar.

US-Unternehmen setzen auf Finanzialisierung

Auch wenn der Aufschwung in den USA stärker auszufallen scheint als in Europa, ist auffällig, dass in vielen Vorständen großer US-Konzerte 2015 Personalveränderungen vorgenommen wurden. Ein Viertel aller Unternehmen im S&P 100-Index kündigten eine Umbesetzung des Finanzvorstands an. Selbst professionelle, auf die Rekrutierung von Finanzvorständen spezialisierte Dienstleister sprachen offen von einem Strategiekonsens, der mit dem traditionellen Ansatz der Shareholder Value-Maximierung über Unternehmenswachstum inkonsistent erscheint. Die meisten großen US-Unternehmen verfolgen eine oder mehrere der folgenden Strategien:

- Kosteneinschnitte und Nutzbarmachung neuer Technologien
- Die Nutzung von Cash-Reserven, um Dividenden zu erhöhen oder Aktien rückzukaufen
- Fusionen oder der Verkauf des Unternehmens an Wettbewerber

25% der größten amerikanischen Unternehmen suchten somit gezielt nach Finanzvorständen, die Erfahrung mit „Finanzialisierung“ haben.

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