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Geldpolitik in der Euro-Zone macht der BIZ Sorgen
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Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kommt in ihrem neusten Bericht zu dem Ergebnis, dass die derzeitige Geldpolitik das Risiko einer dauerhaften Destabilisierung der Weltwirtschaft in sich birgt. Die BIZ empfiehlt einen Neuen Politischen Kompass, dessen Fokus auf dem "Finanzzyklus", nicht auf dem Konjunkturzyklus liegt.

In unseren jüngsten Beiträgen [März, April, Mai, Juni] haben wir zwei sich verfestigende Trends in der Wirtschaftsberichterstattung der Leitmedien heraus gearbeitet. Erstens: Jede Ankündigung neuer positiver BIP-Zahlen – und seien sie noch so bescheiden – wurde als Beweis für eine wirtschaftliche Erholung in dem europäischen Staat interpretiert. Zweitens: Die Berichterstattung über die kontinuierlich ansteigenden privaten und öffentlichen Schuldenstände wurde reduziert. Stattdessen liegt der mediale Fokus nun auf der Analyse niedriger Inflationsraten. Diese beiden Trends sind miteinander verbunden. Statt über das tatsächliche Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme zu berichten, haben sich die Medien auf das Spiel der Zentralbanken eingelassen – sie präsentieren Zahlen, die einen "Umschwung" belegen sollen.

Es ist daher äußerst interessant, dass die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem neusten Bericht die vermeintliche Konjunkturerholung der „entwickelten Volkswirtschaften“ in Europa und den USA rundherum in Frage stellt. Ohne Beschönigungen wird im Jahresbericht der weitverbreitete Einsatz ungewöhnlich lockerer Geldpolitik kritisiert – mit der verblüffenden Erkenntnis, dass „die Aussicht auf eine Rückkehr auf einen nachhaltigen und ausbalancierten Wachstumspfad trügerisch bleibt.“ Die BIZ fürchtet gar, dass die aktuelle lockere Geldpolitik derart extrem ausfällt, dass das Risiko ihrer dauerhaften „Verfestigung“ besteht, was wiederum eine zukünftige Anhebung der Zinsen sehr schwierig machen würde. Die Regierungen Europas und der USA, so die BIZ, seien „eingelullt“ worden und zeigen keinen Drang zu Strukturreformen mehr. Steigende Schuldenberge sind die Folge. Die derzeitige Geldpolitik sei nicht in der Lage, als „Gegengewicht“ zu den daraus resultierenden Ungleichgewichten auf den Finanzmärkten zu fungieren.

Wachstumsaussichten in den USA „enttäuschend”

Solche Bedenken sind aufgrund der jüngsten Zahlen aus den USA sicherlich gerechtfertigt, selbst wenn diese im BIZ-Bericht nicht erwähnt werden. Über die Probleme, die die europäischen Staaten auf dem Weg zurück zu moderaten Wachstumsraten haben, wurde intensiv berichtet. Die USA dagegen seien Berichten zufolge längst auf einem stabilen Wachstumspfad. Das hat einflussreiche Kommentatoren zu dem Schluss verleitet, alles was die EZB tun müsse, sei, die Politik der FED nachzuahmen.

Doch die neusten offiziellen Zahlen aus den USA sprechen eine andere Sprache. Wir wissen zwar noch nicht, ob der Einbruch des US-BIP um 2,9% im ersten Quartal nur ein Ausreißer war, doch es ist offensichtlich, dass die Konsumentenpreise nun deutlich ansteigen. Zwar werden die monatlichen Inflationsraten im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat präsentiert – was auf das ganze Jahr umgerechnet eine „zielgenaue“ Inflationsrate von 2,1% ergibt. Doch die Daten für März, April und Mai zeigen ein Indexwachstum von 0,9%, was auf das Jahr umgerechnet einer Inflationsrate von 3,7% entspricht. Wird außerdem berücksichtigt, dass die Produktivität außerhalb des Agrarsektors im ersten Quartal um 3,2% eingebrochen ist, so verspricht die Kombination aus schwachem Wachstum und ansteigendem Konsumentenpreisindex keine rosige Zukunft für die US-Wirtschaft. Eine solche Konstellation könnte eher als erstes Anzeichen für eine Stagflation gewertet werden.

Die BIZ schreibt auch, dass das Unternehmenswachstum in den USA seit Krisenbeginn 2007 „enttäuschend“ ausfiel. Die Unternehmen entschieden sich, Aktien zurück zu kaufen und Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse durchzuführen, statt ihre Produktionskapazitäten auszubauen. Laut BIZ erklärt dies, weshalb reale Investitionen trotz der anhaltenden „Finanzmarkteuphorie“ schwach bleiben.

Chance zu Strukturreformen wurde vergeudet

Es ist sinnvoll, zu rekapitulieren, was die BIZ überhaupt ist. Die BIZ gehört 58 Zentralbanken gemeinsam und ihre Hauptaufgabe liegt darin, „Zentralbanken in ihrem Bestreben nach Geldwert- und Finanzstabilität zu unterstützen“. Sie ist daher der höchststehende, supranationale Schiedsrichter in geldpolitischen Angelegenheiten. Um ein Umdenken in Hinblick auf die aktuelle Geldpolitik einiger Zentralbanken anzuregen, unterscheidet der BIZ-Bericht zwischen „krisenbetroffenen“ Staaten (wie in Europa und den USA) und solchen Staaten, die der Finanzkrise ausweichen konnten (Schwellenländer). Besonders kritisch sieht die BIZ die Nutzung geldpolitischer Stimuli in krisengeschüttelten Ländern:

„Von der Krise betroffene Staaten müssen den Schwerpunkt stärker auf die Bilanzsanierung und Strukturreformen und weniger auf geld- und fiskalpolitische Stimuli legen: Die Angebotsseite ist entscheidend. Gute Politikansätze zeichnen sich weniger dadurch aus, das Wachstum um jeden Preis anzukurbeln, als vielmehr dadurch, strukturelle Wachstumshindernisse abzubauen. Die momentan gute Weltkonjunktur bietet eine wertvolle Chance, die nicht vergeudet werden sollte.“

Und tatsächlich: Die BIZ scheint sehr besorgt darüber, dass solche wertvollen Chancen weiterhin vergeudet werden. Sie merkt an, dass der gemeinsame Schuldenberg der G7-Staaten seit Beginn der Krise dramatisch angewachsen ist – auf einen Durchschnittswert von 120% des BIP.

Geldpolitik an langfristigen „Finanzzyklen“ ausrichten?

Das Ausmaß und die Nachwirkungen der Finanzkrise wurden, so die BIZ, durch die Zentralbanken nicht angemessen eingeschätzt. Die Entscheidungsträger hätten sich ausschließlich am konventionellen Konzept über etwa acht Jahre laufende „Konjunkturzyklen“ orientiert. Stattdessen, so empfiehlt die BIZ, sollten die Zentralbanken ihre Entscheidungen stärker an „Finanzzyklen“ ausrichten, die 15 - 20 Jahre laufen und in „Eruptionen“ enden können. Zentralbanken, die für normalen Konjunkturzyklen durchaus angemessene geldpolitische Instrumente genau dann angewendet haben, als ein solcher Finanzzyklus seinem katastrophalem Ende nahe kam, beschworen somit die anomalen Verhältnisse herauf, die wir heute beobachten: Volkswirtschaften scheinen sich zu erholen, doch die private und die öffentliche Verschuldung erreichen scheinbar nicht nachhaltige Ausmaße.

Für die Zentralbanken noch besorgniserregender dürfte allerdings die Befürchtung der BIZ sein, dass aufgrund der Nichtbeachtung des Finanzzyklus bereits zu viele geldpolitische Instrumente auf kurzfristige Ziele fehlgeleitet wurden. Das wird zur Folge haben, dass die Zentralbanken unfähig sein werden, auf eine gewöhnliche Rezession zu reagieren. Unter diesen Umständen werden die Entscheidungsträger in den Zentralbanken schließlich realisieren, dass sie die Lage schlicht verschlimmert haben:

„Wenn versäumt wird, Politikinstrumente an einer langfristigen Perspektive auszurichten, wird daher das Risiko eingegangen, das unmittelbare Problem nur unter Inkaufnahme der Schaffung noch größerer zukünftiger Probleme zu lösen. Die stufenweise Anhäufung neuer Schulden über Konjunktur- und Finanzzyklen hinweg wird zum entscheidenden Faktor.“

Bildnachweis: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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