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Gender Wage Gap – Zu Lasten des Gewinns?

Am 19. März fand in Deutschland der Equal Pay Day statt und es wurde vielerorts auf die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen hingewiesen. Durchschnittlich fielen 2014 die Bruttostundenlöhne von Frauen 22% niedriger aus. Dieser deutliche Unterschied, so häufig der Vorwurf, ist vor allem auf die Diskriminierung von Frauen durch Unternehmen zurückzuführen. Unternehmen deren ausschließliches Ziel es ist, ihre Gewinne zu maximieren, haben jedoch kein Interesse an der Diskriminierung von Frauen. Zahlt ein Unternehmen einem weniger qualifizierten Mann genauso viel wie einer besser qualifizierten Frau, nimmt das Unternehmen niedrigere Gewinne in Kauf. Für die Diskriminierung von Frauen zahlen Unternehmen also einen Preis. Kritiker von Unternehmen müssen sich deshalb entscheiden: Entweder sie werfen Unternehmen das Streben ausschließlich nach Gewinnen oder die Diskriminierung von Frauen vor. Beides zusammen ist nicht möglich.

Diskriminierung allein kann es nicht sein

Zahlen für das Jahr 2014 beziffern die Lohnlücke in Deutschland auf 22%. Ein recht hoher Wert, liegt der EU-Durchschnitt doch bei 16,4%. Gemessen wurde der Abstand zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Nicht berücksichtigt sind hier allerdings lohnrelevante Eigenschaften, wie beispielsweise Unterschiede durch Voll- und Teilzeit. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die gemessene Lohnlücke allein auf die Vorliebe der Unternehmen für die Diskriminierung von Frauen zurückzuführen ist.

Je mehr einige Unternehmen bereit sind, zu Lasten ihrer Gewinne Frauen zu diskriminieren, desto attraktiver ist es für nicht-diskriminierende Unternehmen, unterbezahlte Frauen einzustellen. Diese von nicht-diskriminierenden Frauen und Männern geführten Unternehmen können einerseits ihren Gewinn durch die Einstellung von Frauen steigern und tragen andererseits zu höheren Löhnen für Frauen bei. Denn die nicht-diskriminierenden Unternehmen überbieten sich gegenseitig, um weibliche Arbeitskräfte an sich zu binden. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen von 22% erscheint aus diesem Grund viel zu hoch, um ausschließlich auf einer Diskriminierungspräferenz einiger Unternehmen zu fußen.

Ungleichheit gleich Ungerechtigkeit?

Es ist deshalb nicht überraschend, dass Forscher des HWWI Einflussfaktoren identifizieren, die die Lücke nahezu vollständig erklären können und nicht auf eine weit verbreitete Diskriminierung von Frauen durch Unternehmen hindeuten. Als Grundlage dienten den Forschern Zahlen aus dem Jahr 2011, die denen aus dem Jahre 2014 sehr ähneln.

Die Lohnlücke belief sich 2011 auf 22,8%. Davon sind 3,8 Prozentpunkte gemäß der Forscher auf den Beschäftigungsumfang zurückzuführen, da Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten. Zudem unterbrechen Frauen häufiger ihre Karriere als Männer und haben dadurch weniger Erfahrung. Dieser Unterschied macht 5,6% aus. 3,4 Prozentpunkte werden dadurch erklärt, dass Frauen oft in Branchen mit geringerer Vergütung arbeiten und weitere 3,4% sind auf den geringen Anteil von Frauen in leitenden Positionen zurückzuführen. Schließlich arbeiten Frauen häufiger in kleineren Unternehmen, was 2,7 Prozentpunkte ausmacht. Werden noch die Unterschiede der Geschlechter in der formalen Bildung, im Migrations- oder Haushaltskontext mit einbezogen, verbleiben noch 2,3 Prozentpunkte der Lohnlücke übrig, die durch die genannten Faktoren nicht erklärt werden können. „Ungleich ist nicht gleich ungerecht“, wie der Bericht des HWWI passend resümiert.

Die Diskriminierung von Frauen durch Unternehmen oder weitere unberücksichtigte Faktoren können zu der verbleibenden Lücke von 2,3% beitragen. Selbst wenn die unerklärte Lücke vollständig aus Diskriminierung resultiert, deutet der relativ geringe Unterschied darauf hin, dass die Vorliebe zur Diskriminierung von Frauen bei Unternehmen recht schwach ausgeprägt ist. Die Vielzahl der Unternehmen scheint ? wenn nicht ausschließlich so doch gewiss vornehmlich ? an einer Maximierung von Gewinnen interessiert zu sein. Das sind gute Nachrichten.

Kritiker müssen sich entscheiden

Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der zur Erklärung der Lohnlücke beitragenden Eigenschaften sind jedoch potentiell ebenfalls das Ergebnis von Diskriminierung von Frauen. Aber auch hier gilt, dass Unternehmen als Diskriminierer eher nicht in Frage kommen. Für ausschließlich gewinnmaximierende Unternehmen ist das Geschlecht von Angestellten irrelevant. Sie haben kein Interesse daran, niedrigere Gewinne in Kauf zu nehmen, um Frauen die nächste Stufe auf der Karriereleiter vorzuenthalten, ihnen einen Berufseinstieg zu verwehren oder ihnen kürzere Arbeitszeiten anzubieten. Auf Faktoren wie das Bildungsniveau, den Migrationshintergrund oder die Haushaltssituation von Frauen haben Unternehmen gar keinen Einfluss.

Wer Unternehmen dafür kritisiert, dass sie ausschließlich nach höheren Gewinnen streben, kann ihnen nicht zugleich vorwerfen, sie würden Frauen diskriminieren. Die Studie des HWWI liefert keine Hinweise auf eine weit verbreitete Diskriminierung von Frauen durch Unternehmen. Es bleibt das Streben nach höheren Gewinnen. Glücklicherweise kann das Gewinnstreben einzelner in einer funktionierenden Marktwirtschaft zum Vorteil aller genutzt werden. Gewinne erzielen Unternehmen nämlich nur, wenn sie ihren Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten ? egal ob Männern oder Frauen ? attraktivere Angebote machen als konkurrierende Unternehmen.

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