Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

Gesetzliche Rentenversicherung: Zusehends unattraktiver
Sind zukünftige Generationen die Leidtragenden?

Im Zuge der Krise in Griechenland war die Höhe der Bezüge griechischer Rentner wiederholt Gegenstand der Diskussion. Auch in Deutschland lohnt ein Blick auf die Entwicklung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und der Rentenzahlungen. Seit 1949 hat die Attraktivität der gesetzlichen Rentenversicherung für jüngere Generationen abgenommen und dieser Trend scheint sich auch in Zukunft fortzusetzen. Während ältere Generationen von relativ niedrigen Beitragssätzen und relativ hohen Renten profitierten, können jüngere Generationen nur darauf hoffen, dass ein hohes Wirtschaftswachstum verhindert, dass ihre Renten real niedriger ausfallen als die der Rentner vorangehender Generationen.

Über die vergangenen Jahrzehnte ist es zu zwei maßgeblichen Entwicklungen in der gesetzlichen Rentenversicherung gekommen. Erstens: Die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung sind gestiegen. Zweitens: Die Standardrenten sind gefallen. Gemeinsam sorgten die beiden Entwicklungen dafür, dass die gesetzliche Rentenversicherung für Versicherte von Generation zu Generation weniger attraktiv geworden ist. Zukünftige Rentner werden von der gesetzlichen Rentenversicherung immer weniger profitieren und über ihr gesamtes Leben gesehen gar unter ihr leiden, wenn es nicht zu starkem Wirtschaftswachstum kommt.

Beitragssätze seit 1949 nahezu kontinuierlich gestiegen

Die ersten Generationen von Beitragszahlern leisteten im Verhältnis zu ihrem Einkommen relativ niedrige Beiträge. 1949 beliefen sich die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung auf 10% des gesamten Lohns eines Arbeitnehmers - also auf 10% der gesamten Lohnkosten des Arbeitgebers. 2015 wandern 18,7% des Lohns in die Kasse der gesetzlichen Rentenversicherung, solange der Lohn des Arbeitnehmers unter der Beitragsbemessungssgrundlage von 6.050 Euro im Westen und 5,200 Euro im Osten liegt.

Gemäß dem mittleren Szenario des aktuellen Rentenversicherungsberichts des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales werden es 2028 21,4% sein. Der Anstieg der Beiträge lässt die gesetzliche Rentenversicherung für zukünftige Generationen unattraktiver werden.

Standardrenten seit 1970 von 54% auf 47,1% gefallen

Begleitet wurden steigende Beitragssätze in den vergangenen Jahrzehnten durch sinkende Standardrenten. In der gesetzlichen Rentenversicherung wird das Standardrentenniveau berechnet als das Verhältnis der Rente eines Standardrentners, der 45 Jahre lang einen Lohn in Höhe des Durchschnittslohns aller Erwerbstätigen bezogen hat, zum durchschnittlichen Jahreslohn aller aktuell abhängig Beschäftigter. Ein heutiger Rentner, der 45 Jahre lang den Durchschnittslohn verdient hat, erhält im Jahre 2015 also eine Rente in Höhe von 47,1% des derzeitigen Nettodurchschnittslohns vor Steuern. 1970, das erste im Rentenversicherungsbericht erfasste Jahr, waren es noch 54%.

In Zukunft wird die Standardrente weiter fallen. Nach den Berechnungen des mittleren Szenarios des aktuellen Rentenversicherungsberichts wird das Standardrentenniveau 2028 bei 44,4% liegen. Dieser Rückgang trägt ebenfalls dazu bei, dass die gesetzliche Rentenversicherung für jüngere Einzahler unattraktiver wird.

Leidtragende: Zukünftige Generationen?

Es ist offensichtlich, dass die deutsche gesetzliche Rentenversicherung für die ersten Jahrgänge von Einzahlern attraktiver war als für die jüngsten Jahrgänge. Die ersten Generationen von Einzahlern haben relativ niedrige Beiträge geleistet und nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben im Verhältnis zum jeweiligen Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen eine relativ hohe Rente bezogen. Für die jüngeren Jahrgänge verhält es sich gerade umgekehrt.

Aber folgt daraus auch, dass es den jüngeren Generationen absolut schlechter erging und ergehen wird als vorangehenden Generationen? Gewiss nicht. Zum einen sind die Mitglieder jüngerer Generationen seit 1949 stets in reichere Gesellschaften geboren worden. Davon profitieren sie während ihres gesamten Lebens und können nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben weiterhin profitieren, wenn niedrigere Standardrentenniveaus in der Zukunft mit absolut höheren Renten als in der Vergangenheit einhergehen. Der Anstieg der realen durchschnittlichen Einkommen in der Zukunft kann folglich groß genug sein, um den Rückgang des Standardrentenniveaus zu kompensieren.

Erfolgreiche Rentenpolitik = Erfolgreiche Wachstumspolitik

Die derzeitige Konstruktion der gesetzlichen Rentenversicherung macht sie für ältere Generationen attraktiver als für jüngere. Daraus sollte nicht vorschnell abgeleitet werden, ältere Generationen lebten "auf Kosten" jüngerer Generationen in dem Sinne, dass die Mitglieder der älteren Generation das Leben der jüngeren Generation durch die Rentenversicherung absolut schlechter machen als ihr eigenes.

In der Vergangenheit war das reale Wirtschaftswachstum vermutlich stark genug, um die realen Einkommen älterer Generationen mittels der Rentenversicherung absolut etwas zu erhöhen, ohne es für die jüngere Generation absolut auf ein niedrigeres Niveau als für ihre Vorgänger zu senken. Das kann in der Zukunft vermutlich nur dann der Fall sein, wenn das Wachstum höher ist als in der Vergangenheit. Denn angesichts der Entwicklung von Erwerbsbevölkerung zu Rentenbeziehern wird, wie beschrieben, die gesetzliche Rentenversicherung für jüngere Generationen immer unattraktiver.

Allerdings werden neben den steigenden Beitragssätzen zu den Sozialversicherungen selbst die von der Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode beschlossenen Maßnahmen höheren Wachstumsraten eher entgegen wirken: Mindestlohn, Rente mit 63, Mütterrente und die Mietpreisbremse, um nur die maßgebendsten zu erwähnen. Je niedriger die Wachstumsraten in der Zukunft, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass reale Einkommen jüngerer Generationen im Erwerbs- und Rentenalter niedriger ausfallen werden als die ihrer Vorfahren. Vor allem die Jungen sollten sich Gehör verschaffen und auf geringere Barrieren für Wachstum pochen.

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Hohe Gewinne durch Beschäftigung von Geringqualifizierten?

Unternehmensinsolvenzen und die EZB


Erwartete Lebenseinkommen: Höher denn je

Hartz-Reformen: Trade-Off Beschäftigung vs. Lohnniveau



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.