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Globaler Bondmarkt: Wachsende Renditen, wachsende Unsicherheit

Auch wenn die EZB die quantitative Lockerung um weitere sechs Monate verlängert hat, gibt man sich in Frankfurt optimistisch: Weltweit ziehen die Konsumentenpreise an, eine Rückkehr zu den magischen 2% Inflation erscheint in Aussicht. Dabei besteht kein Anlass zur Entwarnung: Angesichts der Unsicherheit über den zukünftigen geldpolitischen Kurs und das Zinsumfeld verlangen Investoren höhere Laufzeitprämien. Das könnte die Kreditbedingungen ungünstig beeinflussen und somit das spärliche Wachstum in Europa wieder abwürgen.

„Stabilitätsanker“ EZB: Verfrühtes Eigenlob

Die EZB verlängert ihr Programm der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing) um weitere sechs Monate. Dieser Schritt verdeutlicht, dass die Rückkehr zu konventionelleren Formen der Geldpolitik und damit ein Ende des QE-Programms abhängig sind von der beobachteten und erwarteten Inflationsrate in der Eurozone. Im November wurde ein Anstieg der Konsumentenpreise um 0,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat gemessen – die Politik sieht darin Anzeichen einer positiven Entwicklung.

Obwohl ein Ende der – eigentlich nur als vorrübergehende Maßnahme geplanten – quantitativen Lockerung derzeit nicht in Sicht ist, ist die EZB zufrieden mit sich selbst. So beschreibt die Zentralbank sich selbst vor dem Hintergrund der jüngsten Wahlergebnisse als einen „Stabilitätsanker“. Dieses bemerkenswerte Eigenlob wurde übrigens noch vor Renzis Niederlage in Italien geäußert. Hinter vorgehaltener Hand ist man sich allerdings auch bei der EZB darüber im Klaren, dass die Realisierung der gegenüber den nationalen Regierungen eingeforderten Strukturreformen in ähnlich weiter Ferne liegt wie das Ende der quantitativen Lockerung.

Investoren reagieren stark auf Leitzinsanpassungen

Sind die selbstbewussten Töne der EZB gerechtfertigt? In unseren Augen nicht. Neuste Schätzungen beziffern die durch Investoren allein im November realisierten Verluste im globalen Bondmarkt mit über 1,7 Billionen US-Dollar. Erklärt wird der enorme Wertverluste von vielen mit Verweis auf die für Dezember erwartete Zinserhöhung seitens der Fed, sowie den „Trump-Effekt“: Die bald das Ruder übernehmende Trump-Regierung plant einen substantiellen Fiskalstimulus durch zusätzliche Ausgaben und Steuersenkungen. Die Märkte schätzen, dass das US-Budgetdefizit in Folge explodieren wird.

In einer technischen Analyse weist John Butler auf weitere Nuancen hin. Ihm zufolge treiben drei Entwicklungen die Renditeaussichten auf dem globalen Bondmarkt:

i) Seit einiger Zeit zeichnet sich bezüglich der Entwicklung weltweiter Bonderträge eine Trendumkehr ab. Nachdem die Kurse jahrelang gestiegen waren, kam die Preisrallye Anfang 2016 sichtbar zum Stillstand. Die Leitzinsen pendelten sich nahe Null ein und in den meisten Volkswirtschaften zogen die Konsumentenpreise an. Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen stieg beispielsweise im November von 1,8 auf 2,4% - ein so deutlicher Anstieg weckt Erinnerungen an die heftigen Kursschwankungen im Jahr 2013, als die US-Zentralbank das Auslaufen der quantitativen Lockerung ankündigte.

ii) Der Kursverfall fiel weitaus stärker aus, als es allein aufgrund der durch die Zentralbanken geplanten Zinsanpassungen zu erwarten gewesen wäre. In den Verkäufen manifestiert sich ein Anstieg der sogenannten Laufzeitprämie. Diese Prämie bezeichnet die Kompensation, die ein Investor dafür verlangt, sich höherer Unsicherheit bezüglich der Entwicklung des langfristigen Zinsniveaus auszusetzen. Zusätzlich zur Erwartung eines zukünftig höheren Zinses bestimmt auch die wachsende Unsicherheit über dessen genaues Niveau die Rendite und damit auch den Kurs eines Wertpapiers.

iii) Zusätzlich angeheizt werden die Verkaufsaktivitäten durch die niedrigen Zinsen, die den Bondmarkt zuvor antrieben. Ein Investor im Besitz einer Anleihe mit einer Rendite von 5% verliert angesichts eines Wertverlustes der Anleihe von 10% die Rendite zweier Jahre. Für den Besitzer einer Anleihe mit einer Rendite von 1% geht derselbe Preisrückgang mit dem Verlust der erwarteten Rendite über 10 Jahre einher.

Steigende Laufzeitprämien bergen Risiko für Weltwirtschaft

All diese Wirkungskanäle haben zur Folge, dass die geringfügige Anhebung der Leitzinsen – ein Mittel der Fed und anderer Zentralbanken zur Demonstration der „Normalisierung“ ihrer Geldpolitik – weitaus stärkere Auswirkungen auf die Anleiherenditen hatte als antizipiert. Dies führt wiederum zu wachsenden Finanzierungskosten für alle Wirtschaftsteilnehmer, inklusive der Regierungen – in Volkswirtschaften mit schwachen Wachstumsaussichten keine wünschenswerte Entwicklung. Je ungünstiger die Kreditbedingungen werden, desto stärker wird sich das Wachstum abkühlen. Das könnte pessimistische Erwartungen nähren und die Laufzeitprämien weiter antreiben – ein Teufelskreis.

Die seit November steigenden Zinsen auf Staatsanleihen folgen damit der seit fast einem Jahr kontinuierlich steigenden Inflation. Zwar befindet sich die Inflation noch immer auf niedrigem Niveau und steigt nur in kleinen Dosen, doch der jahrelange Abwärtstrend in der Preisentwicklung ist seit Anfang des Jahres eindeutig gebrochen. Weltweit steigen die Konsumentenpreise und ein Ende des Trends ist auch angesichts der durch OPEC beschlossenen Produktionsdrosslung nicht in Sicht.

Alles deutet auf kontinuierlich steigende Inflation hin. Sobald das Wachstum der Konsumentenpreise in Europa die magischen 2% erreicht, werden bei der EZB die Sektkorken knallen. Wir werden nicht mitfeiern.

Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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