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Griechische Jobs von längster Dauer im Euroraum
Arbeitsmarkt in Griechenland für Outsider hart zu knacken

In Griechenland wurde gewählt und das Linksbündnis Syriza ist der klare Sieger. Intensive Diskussionen über Reformen in Griechenland und das Verhältnisdes Landes zum Rest der Welt werden jetzt folgen. Innerhalb Griechenlands ist der Arbeitsmarkt eine der Kernbaustellen. Wie schwierig es ist, für Arbeitslose im Land wieder in den Arbeitsmarkt einzutreten, veranschaulichen neben den hohen Arbeitslosenraten auch Daten zur Dauer derzeit ausgeübter Tätigkeiten. In keinem Land der Eurozone haben die, die einen Job haben, ihren Job so lange wie in Griechenland. Es ist fraglich, ob die neue Regierung sowohl den Anreiz als auch die Möglichkeit hat, die Privilegien der derzeitigen Insider drastisch zum Wohl der derzeitigen Outsider auf dem Arbeitsmarkt zu kassieren.

Hohe Arbeitslosigkeit und lange Verweildauer im Job

In Griechenland belief sich die Arbeitslosenrate im 3. Quartal 2014 auf 26,2%. Bei den unter 25-jährigen waren es 50,1%. An der Entwicklung der Arbeitslosigkeit wird sich die neue Regierung messen lassen müssen.

Ein weiteres Indiz für verkrustete Arbeitsmärkte in Griechenland ist die im Vergleich zu anderen Ländern der Eurozone lange Verweildauer dem im gegenwärtig ausgeübten Job. Auf den ersten Blick mag eine lange Dauer einer Tätigkeit positiv erscheinen, geht sie doch mit einer Jobsicherheit für den Arbeitenden einher. Aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive, die auch die Interessen der Arbeitslosen berücksichtigt, verhält es sich jedoch anders. Die durchschnittliche Dauer derzeitiger Tätigkeiten gibt einen Hinweis darauf, wie häufig Jobwechsel vorkommen. Je häufiger Jobwechsel stattfinden, desto häufiger haben Arbeitslose die Möglichkeit, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen.

In Griechenland war 2013 die durchschnittliche Verweildauer von abhängig und selbständig Beschäftigten in ihrem Job länger als in allen anderen Ländern der Eurozone. In Griechenland waren es laut OECD-Daten durchschnittlich 14,1 Jahre. Ähnlich lang war die Verweildauer in Portugal mit 13,6 Jahren und Italien mit 13,4 Jahren. Deutlich weniger waren es beispielsweise in Deutschland mit 11,7 Jahren oder in den Niederlanden mit 10,9 Jahren. In den baltischen Ländern Litauen, Estland und Lettland waren es im Durchschnitt nur 8,4 Jahre.

Outsider vs. Insider und nach unten rigide nominelle Löhne

Nominelle Löhne sind häufig nach unten rigide, dass heißt nominelle Löhne fallen nicht oder nur minimal, wenn die Nachfrage nach Arbeit zurückgeht oder mehr Arbeit angeboten wird. Zur Rigidität von Nominallöhnen nach unten tragen Mindestlöhne, Kündigungsschutzregeln und für viele Arbeitnehmer bindende Tarifverträge bei - die gleichen Faktoren haben auch einen positiven Einfluss auf die Verweildauer in einem Job, solange es das Beschäftigungsverhältnis noch gibt. Fallen die nominellen Löhne nicht, obwohl die Nachfrage nach Arbeit der Arbeitgeber zurückgeht, nehmen sie vornehmlich Mengenanpassungen vor. Anstatt eines geringen Rückgangs der Beschäftigung bei niedrigeren Nominallöhnen, kommt es zu einem deutlicheren Rückgang der Beschäftigung bei konstanten Nominallöhnen. Wer weiterhin beschäftigt ist, gehört zum Kreis der Insider, die unverändert hohe Einkommen beziehen. Die übrigen finden sich als Outsider außerhalb des Arbeitsmarktes wieder und können den Insidern nur schwerlich mittels niedrigerer Löhne Konkurrenz machen.

Die hohen Arbeitslosenzahlen, die lange Verweildauer im Job und das relativ hohe Niveau wirtschaftlicher Unfreiheit in Griechenland deuten darauf hin, dass die Arbeitslosen Griechenlands unter den Privilegien der Insider auf dem Arbeitsmarkt leiden. Die Reformpolitik der vergangenen Jahre hat anscheinend bisher nicht zu einem maßgeblichen Abbau der Privilegien der Insider geführt.

Mit der Geldpolitik gegen die Insider?

Hätte Griechenland eine eigene Währung gehabt, hätte die griechische Zentralbank zu Beginn der Krise durch eine expansive Geldpolitik versuchen können, eine höhere Inflationsrate herbeizuführen, um die unveränderten Nominallöhne der Insider real zu senken. Wäre es mittels Inflation zu Reallohnanpassungen gekommen, wäre es zu einem geringeren Beschäftigungsrückgang gekommen und anhaltend hohe Inflationsraten hätten den Outsidern die Rückkehr in den Arbeitsmarkt erleichtert. Denn die realen Löhne der Insider und damit die Kosten pro Arbeitsstunde aus Sicht der Arbeitgeber wären weiter gefallen. Fällt der Preis für eine Dienstleistung, dann steigt die nachgefragte Menge. Das gilt auch für die Dienstleistung Arbeit.

Innerhalb der Währungsunion hat die griechische Regierung nicht die Möglichkeit, die Position der Insider durch unabhängige geldpolitische Maßnahmen aufzuweichen. Das von der Europäischen Zentralbank in der vergangenen Woche angekündigte Programm zum Ankauf staatlicher und privater Anleihen im Umfang von etwa 1,1 Billionen Euro kann verstanden werden als ein Versuch der EZB, die Position der Insider auf den Arbeitsmärkten in Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien zu schwächen. Immerhin lautet das Ziel der EZB, die Inflationsrate wieder nahe 2% zu bringen. Selbst wenn die Anleihenkäufe der EZB zu einem Anstieg der Inflationsrate beitragen, ist doch sehr zu bezweifeln, dass dadurch maßgebliche Reallohnanpassungen erfolgen werden. Paul Krugman schätzt, dass sich die erwartete jährliche Inflationsrate über einen Zeitraum von 5 Jahren durch die Ankündigung des Ankaufprogramms von 0,3% auf 0,5% erhöht hat. Das wird nicht reichen, um die Reallöhne der Insider merklich zu senken. Länderspezifische Veränderungen bleiben unumgänglich.

Mit oder ohne Euro: Kein Weg vorbei an weitreichenden Veränderungen

Selbst nach einem Austritt aus dem Euro und einer starken Abwertung der neuen griechischen Währung, wären die tiefgreifenden Ursachen der griechischen Misere nicht beseitigt. Unabhängig davon ob Griechenland mit oder ohne erneutem Schuldenschnitt im Euro verbleibt oder den Euro verlässt, sind für eine nachhaltige Besserung gravierende Veränderungen notwendig, die die Menschen in Griechenland von der Last der grassierenden Korruption befreien und sie wirtschaftlich frei werden lassen. Dass die notwendigen Veränderungen unter der Führung von Alexis Tsipras auf den Weg gebracht werden, ist zu bezweifeln. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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