Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

Hat die EZB einen Notfallplan?

Der EZB wird nicht entgangen sein, dass das Vertrauen der Anleger auf den Aktienmärkten im Januar eingebrochen ist – eine Entwicklung, die insbesondere Bankaktien betrifft. Für den Fall einer neuen Finanz- und Vertrauenskrise sollte die EZB einen Notfallplan bereithalten. Doch vieles spricht dafür, dass die Zentralbank diesmal nicht dazu übergehen wird, ausfallende Kredite kurzerhand aufzukaufen. Wie die EZB im Fall einer neuen Krise reagieren wird, ist daher ungewiss. Falls sie die neuen Bail in-Regeln durchsetzen und Deutschland bei Laune halten kann, könnte sie gestärkt daraus hervor gehen.

Schwieriger Jahresauftakt für Banken

In den Medien besteht weitgehend Konsens, dass Europas Wirtschaft sich erholt, wenn auch im Schneckentempo. Hohen Vermögenspreisen und latenter Blasengefahr zum Trotz wird die Wahrscheinlichkeit einer neuen Finanzkrise insgesamt als gering eingeschätzt. Dieser Ansicht sind auch unabhängige Finanzmarktkommentatoren wie der frühere Vizepräsident der Federal Reserve Bank of Dallas, Gerald O’Driscoll Jr. Nach den Marktturbulenzen im Januar erklärte er: „Investoren haben guten Grund, vorsichtig zu sein – aber nicht panisch.“ Dennoch sah er Probleme im Bankensektor. „Die Regulierungsbehörden müssen schnell auf Institute einwirken, die die Kredite schwacher Schuldner immer wieder erneuert haben. Die Investoren müssen neues Kapital in die solventen Banken schießen, aber jene Banken, die insolvent oder zu schwach zum Überleben sind, müssen geschlossen werden.“

Die Aktienkurse der großen europäischen Banken sind in letzter Zeit sehr viel stärker gefallen als die Kurse der wichtigen Indizes. Nachdem im Jahr 2015 Stagnation auf den Aktienmärkten herrschte, sind die Kurse in den USA und Europa Anfang Januar eingebrochen. Nach einer kurzen Erholung liegen die Kurse noch immer 5% unter dem Stand von Ende Dezember. Die Kurse der großen Schweizer Banken Credit Suisse und UBS, der Deutschen Bank und der italienischen UniCredit sind dieses Jahr alle um etwa ein Drittel gefallen.

Angesichts der ungünstigen Marktbedingungen hat Großbritanniens Regierung alle Pläne auf Eis gelegt, weitere Anteile an der Lloyds Bank zu veräußern. Sogar die Kurse der großen US-Banken sind dieses Jahr um 16% gefallen, obwohl ihnen grundsätzlich zugetraut wird, auf stabileren Füßen als ihre europäischen Pendants zu stehen. 40% der europäischen Banken werden derzeit unter ihrem Buchwert gehandelt.

Investorenvertrauen wankt

Warum sind die Bankkurse so stark gefallen? Vielleicht haben die Investoren unseren Newsletter vom Dezember gelesen, in dem wir das durch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) ausgedrückte Vertrauen in die Banken grundsätzlich in Frage gestellt haben. Im EBA-Bericht ist nachzulesen, dass 5% der Vermögenswerte – das sind 1,5 Billionen Euro – notleidende Kredite sind. Möglicherweise stoßen Anleger ihre Bankaktien nun ab, weil die Banken trotz massiver Unterstützung weiterhin enttäuschende Ergebnisse präsentieren. Dazu kommen die spektakulären „außergewöhnlichen“ Verluste und die vielen Berichte über Fehlverhalten im Bankensektor. Auch die zunehmend pessimistischen Erwartungen angesichts globaler Rohstoff- und Energiepreise, der trübe Ausblick für China und das schwache Wachstum in Europa tragen zur Zurückhaltung der Investoren bei.

Was Investoren ebenfalls beunruhigt, ist die Tatsache, dass viele Banken in letzter Zeit stark in Staatsanleihen ihrer jeweiligen Regierungen investiert haben – im Fall klammer Staaten und Banken kann das ein wahrer „Teufelskreis“ sein. In den sechseinhalb Krisenjahren seit Ende 2008 bis zum Beginn des Asset-Aufkaufprogramms der EZB 2015 sind 770 Milliarden Euro an inländischen Staatsanleihen in die Bilanzen europäischer Banken gewandert. Italienische und spanische Banken waren am aktivsten und verdreifachten ihren Bestand an Staatsanleihen. Die Gründe für diese Entwicklung sind offensichtlich: Risikoreiche Bankgeschäfte wurden strikter reguliert, während inländische Staatsanleihen absurderweise weiterhin pauschal als „risikolos“ eingestuft werden.

Handlungsspielraum der EZB gering

All dies muss die EZB beunruhigen. Hält sie einen angemessenen Notfallplan für den Fall erneuter Turbulenzen auf den Aktienmärkten und Ausfällen von Staatsanleihen bereit? Das glauben wir nicht, aus drei Gründen:

a) Der Handlungsspielraum der EZB ist gering. Analog zur quantitativen Lockerung bleibt ihr lediglich eine qualitative Lockerung. Konkret würde dies bedeuten, dass sie ihr Asset-Aufkaufprogramm im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat für Assets niedriger Qualität öffnen müsste – zum Beispiel für notleidende Kredite. Für Deutschland wäre damit allerdings eine rote Linie überschritten.

b) Zweitens geben die offiziellen Stellungnahmen der EZB keinen Hinweis auf die Existenz solcher Pläne. Allerdings ist zu bedenken, dass es sich um ein sensibles Thema handelt. Es ist möglich, dass entsprechende Pläne der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben werden, selbst wenn sie schon lange vorbereitet wurden. Denn allein die Gewissheit, dass die EZB an Notfallplänen arbeitet, könnte eine neue Krise auslösen.

c) Auf nationaler Ebene haben kaum Strukturreformen stattgefunden. EZB-Präsident Draghi hat seit Beginn seiner Amtszeit betont, dass die EZB nur für die Geldpolitik zuständig sein kann. Er forderte von den nationalen Regierungen stets „Strukturreformen“ – damit meinte er im Wesentlichen Steuer- und Ausgabensenkungen. Ohne diese Reformen seien alle Anstrengungen der EZB vergebens. Mit Ausnahme Griechenlands fanden in der Euro-Zone allerdings keine Strukturreformen statt.

Harte Linie könnte EZB stärken

Aus diesen Gründen ist es unwahrscheinlich, dass die EZB einen Notfallplan in der Schublade bereithält. Die Wahrscheinlichkeit einer neuen Krise in der Eurozone schätzen wir daher höher ein als Gerald O’Driscoll. Sollte es zu einer solchen Krise kommen, könnten die Banken ähnlich stark unter Druck geraten wie zuletzt in der Griechenland-Krise im Juli 2015.

Die EZB könnte aus einer solchen Krise allerdings gestärkt hervorgehen – vorausgesetzt, sie kann Deutschland bei Laune halten. Dazu müsste sie die neuen Bail in-Regeln konsequent durchsetzen – jedenfalls dann, wenn die Probleme durch eine Bank hervorgerufen werden. Auch der Ausschluss einzelner Staaten aus der Eurozone dürfte im Fall eines drohenden Staatsbankrotts kein Tabu mehr sein.

Bild: Lupo / piexelio.de

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Seen and not seen: EZB-Geldpolitik und Zombie-Firmen

“Selbstbesicherung”: Nach Bari nun MPS und Unicredit?


Keine Rekapitalisierung: Die EZB-Politik ist gescheitert

Spekulation: Segensreich für die Marktwirtschaft



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.