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Höhere Staatsausgaben für niedrigere Arbeitslosenraten?
Verlockend, aber trügerisch

Die Rezession lässt Europa nicht los. insbesondere in südeuropäischen Staaten geht sie mit hohen Arbeitslosenquoten einher und lässt abermals Rufe nach zusätzlichen öffentlichen Ausgaben zur Krisenbekämpfung lauter werden. Die von Kanzlerin Merkel favorisierte Sparpolitik steht unter Beschuss. Zu welchem Grade die sogenannte Sparpolitik mit tatsächlichen Kürzungen der Ausgaben der öffentlichen Hand einhergeht, soll hier nicht betrachtet werden. Wir beleuchten stattdessen den Zusammenhang zwischen Staatsausgaben und Arbeitslosenraten. Es stellt sich heraus: Hohe Staatsausgaben sind kein Garant für niedrige Arbeitslosenraten. Im Gegenteil, unter 26 großen entwickelten Volkswirtschaften weisen Länder mit hohen Staatsquoten eine durchschnittlich über doppelt so hohe Arbeitslosenrate auf wie Länder mit niedrigen Staatsquoten; 11,4% vs. 5,5%.

Wachstum durch höhere Staatsausgaben?

Wirtschaftliches Wachstum soll helfen, die weiterhin hohen Arbeitslosenzahlen in Europa zu senken. Dabei wird immer wieder gefordert, das sogenannte „Spardiktat“ für die Staaten Europas, das Bundeskanzlerin Angela Merkel zugeschrieben wird, durch mehr öffentliche Investitionen und eine lockerere Haushaltspolitik abzulösen. Befürworter höherer Staatsausgaben gehen davon aus, dass eine zurückhaltende Ausgabenpolitik der Staaten mit ursächlich ist für die anhaltende Rezession in Europa und die sie begleitenden hohen Arbeitslosenraten.

Der neueste prominente Fürsprecher für eine Abkehr von der Sparpolitik und einen Ersatz dieser durch höhere Staatsausgaben ist EZB-Chef Mario Draghi. In seiner Rede beim jährlichen Zentralbanken-Symposium in Jackson Hole forderte der Italiener höhere öffentliche Ausgaben, um die europäischen Arbeitslosenzahlen zu senken. „Das Risiko, bei der Nachfragestärkung zu wenig zu tun und damit die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verschlimmern, ist ganz klar größer, als zu viel zu tun,“ so Draghi. Angela Merkel hatte erst wenige Tage zuvor verkündet, dass aus ihrer Sicht mehr Wachstum nicht mehr Schulden bedeuten müsse. Unterstützung erhält Draghi vor allem von den südeuropäischen Staaten. Die prominentesten Fürsprecher unter den Staats- und Regierungschefs sind Frankreichs Präsident Hollande und der italienische Ministerpräsident Renzi.

Derzeitige Staatsausgaben, Erhöhung der Staatsausgaben und Arbeitslosenraten

Die Betrachtung des Zusammenhangs zwischen derzeitigen Staatsausgaben und derzeitigen Arbeitslosenraten kann nur begrenzt Hinweise darauf liefern, ob zusätzliche Staatsausgaben die Arbeitslosenrate verringern. Wenn jedoch höhere derzeitige Staatsausgaben mit höheren Arbeitslosenraten einhergehen, deutet das darauf hin, dass in der mittleren und längeren Frist höhere Staatsausgaben zu höheren Arbeitslosenraten beitragen, nicht zu niedrigeren.

Wie ist es also um den Zusammenhang zwischen Staatsausgaben und Arbeitslosenquote derzeit in entwickelten Volkswirtschaften bestellt?

Höhere Staatsausgaben schützen vor hohen Arbeitslosenraten nicht

Der Internationale Währungsfonds kategorisiert 36 Länder als "entwickelte Volkswirtschaften". Aus diesem Kreis betrachten wir Länder mit über 5 Millionen Einwohnern, wodurch wir Länder wie Island, San Marino und Malta aber auch Neuseeland und Slowenien ausschließen. Wir teilen die verbleibenden 26 Länder in zwei Gruppen ein. Die 13 Länder mit den niedrigsten Staatsquoten 2013 - gemessen als gesamte Staatsausgaben in Prozent des Bruttoinlandsprodukts - finden sich in Gruppe 1 wieder, die mit den höchsten Staatsquoten in Gruppe 2.

Im nächsten Schritt betrachten wir die durchschnittlichen Arbeitslosenraten in den beiden Gruppen. Die Gruppe der Länder mit den niedrigen Staatsquoten weist eine ungewichtete Arbeitslosenrate von durchschnittlich 5,5% auf. Die durchschnittliche Arbeitslosenrate in der Gruppe der Länder mit den hohen Staatsquoten beträgt 11,4%.

In der Gruppe der Länder mit niedrigen Staatsquoten verzeichnen beispielsweise Südkorea mit Staatsausgaben von 22,6% des BIP oder die Schweiz mit einer Staatsquote von 33,3% des BIP Arbeitslosenquoten von 3,1% und 3,2%. Auf der anderen Seite weisen in der Gruppe der Länder mit hohen Staatsquoten etwa Frankreich (57,1% des BIP) oder Portugal (48,2% des BIP) Arbeitslosenquoten von 10,8% und 16,3% auf.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ausnahmen sind etwa Dänemark und Finnland. Beide weisen hohe Staatsquoten (57,7% des BIP in Dänemark, 58,6% des BIP in Finnland) bei relativ niedrigen Arbeitslosenquoten (7% in Dänemark, 8,1% in Finnland) auf. Diese Länder zeichnen sich jedoch durch eine überdurchschnittliche hohe „Governance Quality“ aus, was sich in ihren Top-Platzierungen im Corruption Perception Index 2013 und ihren guten Platzierungen im 2014 Index of Economic Freedom widerspiegelt. Die südeuropäischen Staaten, die hauptsächlich von der anhaltenden Rezession und den hohen Arbeitslosenquoten betroffen sind, sind jedoch recht weit von der Gruppe der Länder mit „High Quality Governance“ entfernt.

Für kleine Länder gilt auch: Niedrigere Staatsquoten, niedrigere Arbeitslosenraten

Auch für kleinere Volkswirtschaften mit weniger als 5 Millionen Einwohnern sind höhere Staatsausgaben mit höheren Arbeitslosenquoten assoziiert. So weist etwa Neuseeland mit einer Staatsquote von 22,6% des BIP eine Arbeitslosenquote von 6,2% auf, während diese in Slowenien mit 10,1% deutlich höher ist, obwohl Slowenien Staatsausgaben in Höhe von 55,9% des BIP tätigt.

Ruf nach höheren Staatsausgaben mit Vorsicht zu genießen

Hohe Staatsquoten sind kein Garant für niedrige Arbeitslosenquoten. Möglicherweise könnten sie in der kurzen Frist zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen beitragen. In der mittleren und langen Frist scheinen höhere Staatsausgaben das Problem der Arbeitslosigkeit jedoch zu verschärfen. Insbesondere in Ländern, deren Institutionen denen Finnlands oder Dänemarks bei weitem nicht das Wasser reichen können, sind Forderungen nach mehr öffentlichen Investitionen und einer lockeren Haushaltspolitik daher mit Vorsicht zu genießen.

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