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Investorenvertrauen sinkt, Märkte trocknen aus
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In den USA und Europa wird aufgrund der in die Höhe schießenden Aktien- und Anleihemärkte ein optimistisches Bild der Lage auf den Finanzmärkten gezeichnet. Aus unserer Sicht wurden die Kurssteigerungen von professionellen Händlern herbeigeführt, die Auswirkungen des Quantitative Easing in den USA und Europa vorwegnahmen. Das Austrocknen der Sekundärmärkte für Staatsanleihen ist ein untrügliches Zeichen für sinkendes Investorenvertrauen und sich verschlechternde Fundamentaldaten.

Ungewohnte Marktreaktion auf Flaute

Kritiker der US-amerikanischen Geldpolitik weisen verstärkt auf die ungewöhnliche Reaktion der Märkte auf Fundamentaldaten hin. Traditionell fielen die Kurse, wenn sich die Fundamentaldaten verschlechterten. Doch trotz besonders unerfreulicher Daten für die USA haben die Märkte in diesem Jahr einen regelrechten Boom erlebt. Heute kann ausgeschlossen werden, dass sich das unerwartet niedrige BIP-Wachstum im Winter auf das Wetter zurückführen lässt.

Vielmehr unterstützt die anhaltende Wirtschaftsflaute unsere Vermutung, dass die älteren erfreulicheren Daten von QE-Befürwortern nicht um erhöhte Lagerbestände bereinigt wurden. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass das QE lediglich eine große Blase geschaffen hat, die bald platzen wird – vielleicht zuerst in den USA und erst danach in Europa, schließlich begann das QE in den USA auch sechs Jahre früher.

Sekundärmärkte verlieren an Volumen

Klare Hinweise auf das Ausmaß des Problems liefert die Tatsache, dass die Sekundärmärkte für US-Anleihen stark an Volumen verlieren. Die Parallele zu 2007/8 ist offensichtlich. Bedeutsam ist dieser Abschwung am Sekundärmarkt aus einem ganz bestimmten Grund: Zentralbanken gelingt es relativ gut, Kurse auf den Finanzmärkten auf scheinbar gesunde Höhen zu schieben. Doch auf den Sekundärmärkten haben sie viel weniger Möglichkeiten, das offensichtlich sinkende Vertrauen der Investoren zu überspielen, welches sich durch das allmähliche Einfrieren der Märkte bemerkbar macht.

Die organisatorische Architektur der globalen Kapitalmärkte sorgt dafür, dass die zuletzt einfrierenden Märkte jene für neu emittierte Anleihen sind. In 2008 geschah es und der Primärmarkt für US-Amerikanische Subprime-Hypotheken fror ein. Einige aufmerksame Beobachter prognostizieren das Austrocknen des Primärmarktes für Subprime-Hypotheken auf Basis der Beobachtung, dass die Sekundärmärkte bereits Monate zuvor ausgetrocknet waren.

Die Europäischen Autoritäten und der IWF sind besorgt. Es ist wahrscheinlich, dass die geringe Liquidität auf den Sekundärmärkten nicht ausreichen wird, um die Schwankungen abzufangen, wenn viele Vermögensverwalter auf einmal verkaufen wollen. Früher konnten Banken in solchen Situationen abmildernd wirken, indem sie Wertpapiere kauften. Doch dazu fehlt es ihnen nun an der notwendigen Kapitaldeckung.

Unbeabsichtigte Konsequenz der Regulierung?

Auch der seit Kurzem zu beobachtende Anstieg der Volatilität von Staatsanleihen passt ins Bild. So ging der substantielle Anstieg der Renditen auf Bundesanleihen in den vergangenen Wochen mit einem Kursverfall einher, der durch den Renditerückgang nicht gerechtfertigt ist. Staatsanleihen, die eigentlich als Wertspeicher dienen sollten, sind angesichts derart hoher Volatilität auf den Senkundärmärkten außergewöhnlich risikobehaftet.

Nun, da die Banken zu wenig Kapital halten um ihrer Funktion als Market Maker nachzukommen, befinden sich die sekundären Staatsanleihenmärkte in Unordnung. Die Politik erkennt nach und nach an, dass dies eine „unbeabsichtigte Konsequenz“ ihrer makroprudentiellen Aufsicht ist – bei der es sich im Grunde um nicht viel mehr als ein Spielchen handelt. Exzessive Verschuldung wird lediglich von einem Ort zum anderen geschoben. Allmählich dämmert es den Regulierern, dass sie ein weiteres Monster geschaffen. Und sie wissen nicht, wie sie es kontrollieren sollen.

Bildnachweis: Thorben Wengert / pixelio.de

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