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Italien: Nichts aus der Krise gelernt?

Eine Lehre aus der Finanzkrise 2008 ist, dass Staaten ihre kriselnden Banken retten können, indem sie faule Kredite in staatseigene “Bad Banks” übertragen und die bereinigten Banken anschließend restrukturieren. Auch wenn Krisen so erfolgreich abgewendet werden konnten, kam dies den Steuerzahler teuer zu stehen. Über Bail In-Verfahren sollten die Kosten in Zukunft auf die Aktionäre, Anleihehalter und Einlagenkunden fallen. Doch Italien geht nun einen anderen Weg, um seinen wackeligen Bankensektor zu entlasten: Die Regierung will Garantien für notleidende Kredite aussprechen, die zuvor als forderungsbesicherte Wertpapiere gebündelt wurden. Anschließend könnten solche Papiere in das Aufkaufprogramm der EZB aufgenommen werden. Dem Vertrauen der Anleger wird das schaden.

Italien plant Kreditgarantien

Was derzeit in Italien passiert, scheint unsere Befürchtungen zu bestätigen. Der Anteil notleidender Assets in den Bankbilanzen liegt mittlerweile bei 10%. Italiens Bankensystem steht vor großen Problemen. Doch statt die neuen Bail In-Regeln durchzusetzen, also Aktionäre, Anleihehalter und nicht versicherte Einlagenkunden in Haftung zu nehmen, bereitet sich die italienische Regierung darauf vor, bis zu 200 Milliarden Euro an notleidenden Krediten zu garantieren.

Dass Gläubiger, Aktionäre und nachrangige Anleihehalter in Haftung genommen werden, ist ein relativ neuer Ansatz. Bisher war es üblich, dass die nationalen Regierungen sogenannte „Bad Banks“ gründeten, die den kriselnden Banken ihre notleidenden Assets abnahmen. Es gibt verschiedene Bad Bank-Modelle, doch am besten ist es aus unserer Sicht, gute und schlechte Banken bzw. Assets vollständig voneinander zu trennen. Die staatlichen Bad Banks werden anschließend durch auf den Verkauf ausgefallener Kredite spezialisierte Manager verwaltet. Die entlasteten „guten“ Banken können sich derweil darauf konzentrieren, ihr Geschäftsmodell zu korrigieren, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Bad Banks: Riskante Krisenprävention

Schweden hat 1992 eine Krise wohl nur durch die Gründung einer Bad Bank verhindern können. Die schwedische Zentralbank war damals dazu gezwungen, den Tagesgeldzinssatz auf 500% p.a. zu heben. Die Sorge vor einem Bank Run griff um sich. Unternehmen konnten sich nicht mehr sicher sein, Löhne und kurzfristige Verbindlichkeiten zahlen zu können. Doch die schwedische Bad Bank funktionierte. Die Banken wurden gerettet, schrieben bald wieder schwarze Zahlen, die Kurse erholten sich. Für den Steuerzahler war all dies nicht billig. Ungefähr 4% des BIP mussten ausgegeben werden, um notleidende Kredite aufzukaufen – beim späteren Verkauf konnte nur etwa die Hälfte dieser Summe wieder eingenommen werden.

Ein jüngeres, erfolgreicheres Beispiel ist das der US-Bad Bank Maiden Lane. Die Bad Bank wurde 2008 gegründet, um den US-Instituten Bear Stearns und AIG notleidende Papiere, vornehmlich Immobilienhypotheken, abzukaufen. Maiden Lane gelang es, unterm Strich einen Profit von über 6 Milliarden US-Dollar für den Steuerzahler einzufahren, denn die Papiere wurden später weit über dem 2008 erwarteten Preis verkauft. Natürlich war dieser Erfolg nur aufgrund der flankierenden Politik der US-Regierung und der Federal Reserve Bank möglich: Das 700 Milliarden US-Dollar schwere Troubled Asset Relief Program (TARP) und die lockere Geldpolitik der Zentralbank trieben die Preise von Vermögenswerten in die Höhe.

Abrufung der Garantien wahrscheinlich

Italien dagegen hat sich von der Europäischen Union einen anderen Ansatz absegnen lassen. Statt eine nationale Bad Bank zu gründen, wird der Staat für einen Großteil der 200 Milliarden Euro an ausfallbedrohten Krediten Garantien aussprechen. Dazu müssen die notleidenden Kredite lediglich in forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities) gebündelt werden. Zwar gehören die betroffenen Kredite zu den am schlechtesten bewerteten Assets im italienischen Bankensystem. Doch Italiens Regierung hat beteuert, nur solche Wertpapiere zu garantieren, die von den Rating-Agenturen als hochqualitativ (mit „Investment Grade“) bewertet werden. Dieses Versprechen soll suggerieren, dass die aus Garantieeinlösungen resultierenden Verluste für den Steuerzahler minimal ausfallen werden. Allerdings spricht wenig dafür, dass dieses Versprechen eingehalten werden kann.

Zunächst einmal sieht der Plan der italienischen Regierung keine Restrukturierung der von den Garantien profitierenden Banken vor. Dazu kommt, dass die Regierung zwar beteuert, das EU-Verbot direkter Staatshilfe einzuhalten, indem die Garantien zu Marktpreisen ausgesprochen werden. Doch dieser „Markt“ selbst wird natürlich durch die reine Ankündigung von Garantien erhebliche Kurssteigerungen erleben. Außerdem gibt es nur einen Weg für die kriselnden Banken, „Investment Grade“-Bewertungen für die neuen Wertpapiere zu bekommen: Sie müssen für die am stärksten ausfallbedrohten Tranchen weiterhin geradestehen, entweder durch Garantien oder durch eine Rücknahmeverpflichtung. Wenn – und das ist wahrscheinlich – die Rating-Agenturen dem italienischen Garantieplan wohlgesonnen sind und es nicht zu einem starken Wirtschaftsaufschwung in Italien kommt, werden die Banken für die ausfallenden Kredite geradestehen müssen.

Kann Italien auf EZB-Hilfe hoffen?

Wieso war Schwedens Bad Bank so erfolgreich? Sie konnte die Verluste für den Steuerzahler minimieren, da die gestützten Banken ohne Schonung dazu gezwungen wurden, ihr Geschäftsmodell zu restrukturieren. Einleger und Gläubiger konnten in der Folge beruhigt werden, Kapital blieb in den Banken, statt abzufließen. Den Banken war es wieder möglich, den Interbankenmarkt anzuzapfen, wenn auch zu höheren Zinssätzen.

Schweden hätte damals einen anderen Weg gehen können. Man hätte den Banken gestatten können, die Realisierung von Verlusten aufzuschieben und andere laxe Buchhaltungsregeln anzuwenden. Das hätte ihnen die Anreize zur Konsolidierung und Restrukturierung genommen. Ein solcher Ansatz wurde auch nicht verfolgt, weil Investoren und Einleger ihr Kapital aus den Banken abgezogen hätten.

Doch alles in allem setzt Italiens neuer Ansatz zur Stützung eines Teils der notleidenden Assets weder Anreize zur Konsolidierung des fragmentierten Bankensystems (die drei größten Banken kommen zusammen auf nur 25% Marktanteil), noch zu einer Neuausrichtung der Geschäftsmodelle. Allerdings dürfte Italiens Finanzministerium noch ein letztes Ass im Ärmel haben: Die geplanten Wertpapiere könnten den Kriterien des monatlich 60 Milliarden Euro schweren Asset-Aufkaufprogramms der EZB entsprechen. Wie wir schon im Dezember anmerkten, hat die EZB Schwierigkeiten mit der korrekten Einschätzung der Qualität von Wertpapieren. Es besteht daher eine Chance, dass die durch den Staat garantierten italienischen Papiere ihren Weg in das Aufkaufprogramm finden, wodurch sie attraktiver würden. Falls es tatsächlich dazu kommt, wird das Vertrauen der Anleger in entweder europäische Banken oder den Euro nicht zunehmen.

Bild: Dr. Stephan Barth / pixelio.de

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