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Keine Angst vor LIDL, ALDI & Co.
Discounterketten: Hohe Marktanteile, aber keine hohen Preise

Die Tengelmann-Gruppe hat kürzlich bekannt gegeben, ihre traditionsreiche Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann an die Edeka-Gruppe verkaufen zu wollen. Ob der Deal vom Bundeskartellamt abgesegnet wird, ist ungewiss. Erst kürzlich warnte das Kartellamt vor einer zunehmenden Marktmacht der Discounterketten auf dem Markt für Lebensmittel. Laut Kartellamt vereinen Edeka, REWE, Aldi und die Schwarz Gruppe, zu der Lidl gehört, etwa 75 bis 95% des Umsatzes auf sich. Es ist jedoch fraglich, ob deutsche Konsumenten aufgrund der Konzentration auf wenige Unternehmen unter hohen Preisen für Lebensmittel leiden. Langfristig sind die Preise für Lebensmittel in Deutschland im Vergleich zu Preisen anderer Güter gefallen und das stärker als in den meisten anderen Ländern Europas. Diese Entwicklung weist darauf hin, dass ein einzelner Anbieter auf dem Markt für Lebensmittel keine Möglichkeit hat, die Preise seiner Produkte zu erhöhen, ohne Kunden an bestehende und neue Wettbewerber zu verlieren.

Die vier Großen

Auf dem deutschen Lebensmittelmarkt verzeichnete die Edeka-Gruppe, zu der der Discounter Netto gehört, 2012 einen Umsatz von 45 Mrd. Euro. Laut Geschäftsbericht 2012 folgte REWE mit dem Discounter Penny mit einem Umsatz von 37 Mrd. Euro. Aldi und Lidl erzielten nach eigenen Angaben einen Umsatz von 26,5 beziehungsweise 18 Mrd. Euro. Der Gesamtumsatz des Lebensmitteleinzelhandels belief sich laut Jahresbericht des Bundesverbands deutscher Ernährungsindustrie 2012 auf 174 Mrd. Euro.

Stehen auf einem Markt wenige Unternehmen vielen Kunden gegenüber, laufen die Konsumenten potentiell Gefahr, aufgrund der Konzentration auf der Anbieterseite unter hohen Preisen bei niedriger Qualität von Gütern und Dienstleistungen zu leiden.

Relative Lebensmittelpreise: Langfristig gefallen

Sollte die jahrzehntelange Entwicklung weg von vielen in Eigenregie geleiteten Supermärkten hin zu den Supermarktketten und deren Discountern zu einer für die Konsumenten nachteiligen Preisentwicklung geführt haben, könnte sich das in der Entwicklung der relativen Preise widerspiegeln. Ein Blick auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln seit 1970 im Vergleich zu der Preisentwicklung für alle anderen Güter und Dienstleistungen offenbart jedoch, dass der relative Preis für Lebensmittel seit 1970 gefallen ist. Das heißt, die Preise für Lebensmittel sind weniger schnell gestiegen als der Preis für einen Korb aller anderen Güter und Dienstleistungen.

Sollten die Supermarktketten durch eine zunehmende Konzentration von Marktanteilen auf dem Markt für Lebensmittel in der Lage gewesen sein, ihre Marktmacht auszuspielen und die Preise zu erhöhen, suggeriert die Entwicklung der relativen Preise, dass die Marktmacht nicht allzu stark gewesen sein kann.

Ein Blick auf die Entwicklung der Preise von Lebensmitteln relativ zu allen anderen Gütern und Dienstleistungen in anderen Ländern Europas legt ebenfalls nicht den Schluss nahe, dass die deutschen Kunden stark unter mächtigen Supermarktketten zu leiden hatten. Während im Durchschnitt der europäischen OECD Länder die Preise von Lebensmitteln relativ zu den Preisen aller anderen Güter und Dienstleistungen von 1970 bis 2012 um 7% gefallen sind, sind sie in Deutschland um 17% gefallen. Nur in Österreich und den Niederlanden sind die relativen Preise für Lebensmittel stärker gesunken als in Deutschland.

Bestreitbare Lebensmittelmärkte

Eine Erklärung für die anscheinend konsumentenfreundliche Entwicklung auf dem Markt für Lebensmittel könnte darin bestehen, dass der Markt bestreitbar ist. Ein Markt, auf dem sich nur ein Anbieter oder wenige Anbieter bewegen, ist umso eher bestreitbar, je geringer die Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter sind. Niedrige Markteintrittsbarrieren wiederum leisten einen Beitrag zu niedrigen Preisen für Konsumenten.

Die Markteintrittsbarrieren auf dem Markt für Lebensmittel sind beispielsweise im Vergleich zu den Markteintrittsbarrieren für Schienenverkehr gering. Es ist somit nicht verwunderlich, dass Klagen über den Personenverkehr auf der Schiene häufiger zu vernehmen sind als Klagen über die Leistungen der Supermarktketten.

Die Bestreitbarkeit des Lebensmittelmarktes scheint die Anbieter angetrieben zu haben, ihren Kunden attraktive Preis-Leistungs-Verhältnisse zu bieten. Die heutigen Platzhirsche auf dem Markt für Lebensmittel haben sich ihre Marktanteile erarbeitet, indem sie Konsumenten immer wieder von der Güte ihrer Leistungen überzeugt haben.

Diszipliniert durch derzeitige und potentielle Wettbewerber, die bereit stehen, um den vier Großen ihre Marktanteile streitig zu machen, kommen sie nicht in den Genuss, den Kunden minderwertige Produkte zu hohen Preisen zu verkaufen. Die kürzlich von Aldi angekündigten Preissenkungen bei Milchprodukten, Kartoffelprodukten und Zucker passen in dieses Bild.

Lidl, Aldi und Co. als Sündenböcke?

Klagen von Lieferanten wie beispielsweise landwirtschaftlichen Betrieben, die Milch oder Kartoffeln herstellen, sind nachzuvollziehen, erwachsen jedoch aus deren Partikularinteressen und nicht einem Interesse am Wohl der finalen Kunden ihrer Produkte. Auch dem Verhalten von LIDL, ALDI & Co. liegen keine altruistischen Motive zugrunde. Angesichts einer Kundschaft, die gnadenlos den Anbieter wechselt, wenn der Preis für die gebotene Leistung zu hoch ist, müssen sich die Supermarktketten jedoch an den Wünschen ihrer Kunden orientieren. Der Wettbewerb auf dem Markt für Lebensmittel funktioniert. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch das Bundeskartellamt so sieht. Es gibt andere Märkte auf denen sich gar staatliche Anbieter ausgestattet mit einer Monopolstellung bewegen, auf die das Bundeskartellamt seine Aufmerksamkeit lenken sollte. Die Deutsche Bahn AG und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten seien hier als zwei Beispiele genannt.

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