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Klassisches Einlagengeschäft schrumpft – Bail-Outs Adé?

In den USA führt das anhaltende Niedrig- und Negativzinsumfeld in Kombination mit neuen Mindestliquiditätsvorschriften zum allmählichen Absterben des Bankeinlagengeschäfts. Banken reduzieren die Einlagen, Geldhalter weichen auf Schattenbanken und alternative Zahlungssysteme aus. In dem Maße, in dem die Banken die Zuständigkeit für den Zahlungsverkehr und die Spareinlagen verlieren, sinkt der politische Druck, wankende Banken mit Steuergeldern zu retten.

Die Zentralbanken beginnen, sich mit dem Gedanken negativer Zinsen und einer allmählichen Abschaffung des Bargelds anzufreunden. Es verwundert daher nicht, dass viele US-Banken in den letzten zwei Wochen begonnen haben, ihre Kunden nachdrücklich dazu zu bewegen, ihre Bareinlagen abzuheben – in einigen Fällen durch Gebühren auf Bareinlagen. Die Bank JP Morgan zeigt sich „erfreut“, die Bareinlagen in diesem Jahr um 150 Milliarden US-Dollar reduziert zu haben.

Neue Regulierung macht Einlagegeschäft in den USA weniger attraktiv

Offensichtlich liegt der Grund in den neu in Kraft getretenen Mindestliquiditätsquoten (Liquidity Coverage Ratio), die dazu dienen sollen, Banken für den Fall eines plötzlichen Einlagenabflusses zu sichern. Die Quotenregeln verpflichten Banken, ihre Einleger in Kategorien einzuteilen, je nachdem wie „heiß“ die Einlagen sind. Anschließend müssen die heißen Einlagen in „hochliquide“ Assets wie Zentralbankreserven oder Staatsanleihen investiert werden. Manche Hedge Funds beispielsweise stehen im Ruf, plötzlich Liquidität abzuziehen, sodass ihre Banken alle Einlagen vollständig in hochliquide Assets investieren müssen, um darauf jederzeit zugreifen und die erforderliche Liquidität bereitstellen zu können.

Diese Entwicklung ist auf drei Ebenen bemerkenswert, denn:

1. Regulatoren betreiben offenbar verstärkt Mikromanagement der Banken.

2. Investoren und Einleger scheuen sich, Risikokapital in die US-Wirtschaft zu investieren: Die Inlandseinlagen in US-Banken betrugen am Ende des zweiten Quartals 10,5 Billionen US-Dollar, eine Steigerung um 38% in fünf Jahren. Die Hedge Funds mit derart hohen Einlagemitteln sind Makrofunds, die auf Indizes setzen, keine Private Equity Funds, die sich in einzelnen Unternehmen engagieren.

3. Die großen US-Banken benötigen überhaupt keine Kundeneinlagen mehr. Diese Entwicklung illustriert, wie sehr das Null- und Negativzinsumfeld die konventionelle Logik des Spar- und Bankensektors auf den Kopf gestellt hat. Bisher vertrauten Sparer ihr Geld in Erwartung moderater Zinsen (um die 5%) den Banken an, welche die Einlagen wiederum bündelten und an gesunde Unternehmen weiterverliehen. Da Banken neben den Einlagen zusätzliches Fremdkapital durch handelbare Anleihen einsammelten, konnten Einleger Anstiege der Kosten der Fremdkapitalfinanzierung ihrer Bank erkennen und darauf mit einem Abzug ihrer Einlagen reagieren. Heute aber können Einleger kaum noch abschätzen, ob ihre Bank sicher ist, da der Markt keine Signale mehr sendet: Die Zinsen auf Bankschulden steigen nicht mehr, wenn es um die Solvenz einer Bank schlechter bestellt ist.

Je weniger Bankeinlagen desto weniger Argumente für Bankbailouts

Für die Besitzer größerer Bargeldsummen ist die Abkehr der Banken vom Einlagengeschäft kaum beruhigend, denn sie sind nun einem größeren Bail-In-Risiko ausgesetzt, sollte ihre Bank in Schieflage geraten. Dadurch werden sogenannte Schattenbanken attraktiver. Ein weiterer Effekt könnte sein, dass der Niedergang des klassischen Einlagengeschäfts in Zukunft Bail-Outs weniger wahrscheinlich macht. Der politische und öffentliche Druck, wankende Banken zu retten, nimmt ab, wenn das finanzielle Lebensblut der Wirtschaft nicht mehr durch die Banken fließt. Das „Too Big to Fail“-Problem könnte sich so erledigen.

Bildnachweis: Christine und Hagen Graf / flickr.com

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