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Konstante Gier löst keine Krise aus

Die Gier, dabei wird gemeinhin auf die Gier der anderen abgestellt, ist die vielleicht populärste Begründung für die Finanz- und Staatsschuldenkrisen der vergangenen Jahre. Sie ist auch eine der schlechtesten Begründungen. Es reicht nicht auf die Gier der Banker, Unternehmer, Sparer, Anleger, Häuslebauer und Politiker zu verweisen, um die Krisen zu erklären. Gierig waren Menschen schon immer. Diesbezüglich hat sich die Menschheit in den letzten Jahren gewiss nicht verändert.

Deshalb taugt der Verweis auf die Gier nicht als Erklärungsansatz für einzelne Krisen. Entscheidend sind Veränderungen der Rahmenbedingungen, innerhalb derer die benannten Gruppen ihre Gier ausleben – oder eben nicht ausleben.

Die Krisen der vergangenen Jahre mit der Gier einzelner Gruppen von Menschen zu erklären, kommt dem Versuch gleich, mit Hilfe einer über die Zeit konstanten Größe beobachtete Veränderungen zu erklären. In anderen Lebensbereichen werden derartige Erklärungsversuche stets zurückgewiesen. Nach einem Flugzeugabsturz auf die konstante Erdanziehungskraft als schuldige Größe zu verweisen, überzeugt niemanden. Für eine befriedigende Erklärung eines Absturzes bedarf es eines Hinweises auf andere Faktoren – menschliches Versagen, technische Fehler oder widrige Witterungsbedingungen.

Ähnlich wie die Erdanziehungskraft, ist auch menschliche Gier konstant. Zu einem plötzlichen moralischen Verfall ist es weder im Vorfeld der aktuellen Krisen noch im Vorfeld der vielen Finanz- und Staatsschuldenkrisen der vergangen Jahrzehnte und Jahhunderte, die z.B. Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff anschaulich illustrieren, gekommen. In welche Bahnen die Gier gelenkt wird hängt ab von den Anreizen, denen sich die Akteure gegenübersehen. Wenn bespielsweise Regierungen zu günstigen Konditionen Staatsschulden aufnehmen können, weil Gläubiger damit rechnen, dass im Falle eines Staatsbankrotts andere Staaten einspringen werden oder Anteilseigner und Gläubiger von Banken die Bankmanager nicht davon abhalten, hohe Risiken einzugehen, weil Ihnen versichert wurde, dass die Banken “too big to fail“ seien, treibt die Gier unerwünschte Blüten.

Die Gier ist den Menschen nicht auszutreiben. Deshalb ist der einzige Ausweg eine Veränderung der Anreizstruktur, die die Gier der Menschen in ihre Schranken weist. Viel gewonnen wäre bereits, wenn marode Unternehmen – dazu zählen auch Banken – und überschuldete Staaten keine finanzielle Unterstützung erfahren würden. In der kurzen Frist wäre das für viele Beteiligte sehr unangenehm. Langfrstig würden die Akteure jedoch auf die veränderten Anreize reagieren und beispielsweise Banker weniger riskante Geschäfte durchführen und Regierungen weniger Schulden aufnehmen, weil in beiden Fällen ihre Kapitalgeber einen Anreiz haben, ihnen genauer auf die Finger zu schauen. Genau wie Flugzeugabstürze in der modernen Luftfahrt nicht vollständig ausgeschlossen werden können, würden Krisen durch die Einführung von Haftung für Fehlentscheidungen auf Unternehmens- und Staatsebene nicht unmöglich, aber unwahrscheinlicher und weniger verheerend.

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