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Kurzzeitige Arbeitslosigkeit nicht versicherungswürdig?

Die Arbeitslosenrate ist in Deutschland derzeit so niedrig wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Dennoch sollte eine Diskussion über die Struktur des Arbeitslosengeldes geführt werden. Abhängig beschäftigte Personen sind in Deutschland verpflichtet, sich gegen Arbeitslosigkeit zu versichern. Wer arbeitslos wird und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, erhält ab dem ersten Monat der Arbeitslosigkeit Arbeitslosengeld. Wer unter 50 ist und mindestens zwei Jahre lang versicherungspflichtig beschäftigt war, erhält ein Jahr lang Arbeitslosengeld, dessen Höhe durch das vorangehende Gehalt bestimmt wird. Versicherungen sind insbesondere dann interessant, wenn sie den Versicherten gegen die Auswirkungen katastrophaler Ereignisse schützen. Ob Arbeitslosigkeit eine Katastrophe ist, hängt von vielen subjektiven Faktoren ab, aber auch von der Länge der Arbeitslosigkeit. Eine einmonatige Arbeitslosigkeit betrachten die meisten Menschen vermutlich nicht als Katastrophe. Sollte das so sein, ist es ein Argument dafür, Arbeitslosengeld erst ab dem zweiten Monat der Arbeitslosigkeit ein Jahr lang auszuzahlen - oder ab dem dritten, vierten oder fünften Monat. Dadurch könnten die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sinken und dafür genutzt werden, Arbeitende vor den negativen Auswirkungen einer länger währenden Arbeitslosigkeit - die eher einer Katastrophe gleichkommt - zu schützen.

Versicherungen gegen Katastrophen besonders interessant

Versicherungen bieten insbesondere wirksamen Schutz gegen die negativen Auswirkungen katastrophaler Ereignisse: schwere Krankheit, Wohnungsbrand, Autounfall und Tod. Versicherungen gegen weniger seltene und weniger katastrophale Ereignisse sind weniger attraktiv, weil der Preis für die Police im Vergleich zu der durch die Versicherung erkauften zusätzlichen Sicherheit relativ hoch ist. Deshalb versichern sich nur die Risikoscheuesten unter uns gegen Fahrraddiebstahl, während fast jeder über eine Haftpflicht- und eine Krankenversicherung verfügt.

Kurzfristige Arbeitslosigkeit in den meisten Fällen keine Katastrophe

Während eine unfreiwillige Arbeitslosigkeit gewiss unangenehm ist, so scheint sie nicht unbedingt einer Katastrophe gleichzukommen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Arbeitslosigkeit nur von kurzer Dauer ist. Einen oder wenige Monate unfreiwillig arbeitslos zu sein, ohne Entgeltersatzleistungen zu beziehen, wäre vermutlich für viele Menschen nicht existenzbedrohend. Durch einen oder wenige Monate Arbeitslosigkeit ohne Bezüge würde sich das Lebenseinkommen eines Erwerbstätigen nur marginal verändern. Laufende Ausgaben könnten durch Gespartes oder Kredite gedeckt werden. Wenn es zutrifft, dass eine kurzfristige Arbeitslosigkeit keine katastrophalen Folgen mit sich bringt, ist eine Reform der jetztigen Arbeitslosenversicherung angebracht. Beispielsweise könnten Arbeitslosengeldzahlungen erst ab dem dritten Monat der Arbeitslosigkeit einsetzen. Dadurch könnten bei gleichbleibenden Leistungen die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sinken. Zudem hätten Arbeitssuchende mit sehr guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt keinen zusätzlichen Anreiz, auf Kosten der übrigen Beitragszahler zwischen zwei Tätigkeiten eine ein- bis zweimonatige Pause einzulegen.

Etwa die Hälfte der Arbeitslosen ist kurzfristig arbeitslos

Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Jahre 2012 in Deutschland durchschnittlich 902.000 Menschen, die keine Grundsicherungsleistungen bezogen (Hartz IV), arbeitslos. Von diesen erhielten 685.000 Leistungen. Von diesen Leistungsempfängern wiederum waren 140.000 kürzer als einen Monat arbeitslos. 197.000 waren zwischen einem Monat und drei Monaten lang arbeitslos. Somit waren im Durchschnitt zu einem gewissen Zeitpunkt im Jahre 2012 49% der Arbeitslosen, die Leistungen gemäß dem Sozialgesetzbuch III empfingen, kürzer als drei Monate arbeitslos. Die Bundesagentur für Arbeit zahlte 2012 allein Arbeitslosengeld in Höhe von 6 Milliarden Euro aus - nicht mit inbegriffen sind hier beispielsweise das Arbeitslosengeld bei Weiterbildung, Ausgaben für die Verwaltung, Weiterbildungsmaßnahmen, und spezielle Maßnahmen für Jüngere, Ältere oder Gründer. Wenn Arbeitslosengeld erst ab dem vierten Monat der Arbeitslosigkeit ausgezahlt würde, könnte ein erheblicher Teil der 6 Milliarden Euro - und zusätzlich der Verwaltungskosten - eingespart und die Beitragszahler entlastet werden. Sie würden dann nur für den attraktiven Teil der Arbeitslosenversicherung bezahlen. Dem hohen Preis, den die Pflichtversicherten heute zahlen, um zusätzliche Sicherheit durch umgehend einsetzende Arbeitslosengeldzahlungen zu erhalten, könnten sie entgehen. Die Arbeitslosenversicherung käme dann eher einer Versicherung gegen katastrophale Ereignisse gleich.

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