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Langfristige Lösung: Gesellschaftliche Regeln ändern
Arbeitslosenrate, Zinsen und Korruption

Die Arbeitslosenrate in der Eurozone verharrt weiterhin auf hohem Niveau. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Euroländern. Parallel dazu lassen sich erhebliche Unterschiede bezüglich der Zinsen auf langfristige Staatsanleihen ausmachen. Ein Blick auf den Corruption Perception Index von Transparency International macht deutlich, dass Menschen in Ländern mit hoher Arbeitslosenrate und hohen Zinsen auf Staatsanleihen stärken unter Korruption leiden. Dieser Zusammenhang suggeriert, dass in den krisengeschüttelten Ländern keine Maßnahmen mit kurzfristiger Wirkung, sondern tiefgreifende Veränderungen notwendig sind.

Im Durchschnitt liegt die Arbeitslosenrate in der Eurozone derzeit bei 12%. Während die Arbeitslosenrate in Österreich jedoch 4,9% beträgt, liegt sie in Spanien bei 25,8% und in Griechenland gar bei 27,8%. Ebenfalls große Unterschiede zwischen den Ländern der Eurozone weisen die Zinsen auf Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von 10 Jahren auf. Während sich der Zins auf deutsche Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit beispielsweise auf 1,8% beläuft, sind es 8,66% für griechische Staatsanleihen.

Wahrnehmung von Korruption in den Euroländern

Neben Unterschieden hinsichtlich der Indikatoren Arbeitslosenrate und Zinsen auf Staatsanleihen weisen die Länder auch Unterschiede in Bezug auf ihre institutionellen Rahmenbedingen auf. Der von Transparency International zur Verfügung gestellte Corruption Perception Index gibt einen Einblick in die Güte der in verschiedenen Ländern tatsächlich zur Anwendung kommenden Regelwerke.

In den beiden nachstehenden Graphiken wurden die 13 größten Länder der Eurozone (Stand Ende 2013 ohne Zypern, Luxemburg und Malta) ihrem Ranking im Corruption Perception Index entsprechend in drei Gruppen zusammengefasst. In der ersten Gruppe finden sich Finnland, die Niederlande, Deutschland und Belgien wieder, die in dem weltweiten Ranking von Transparency International auf Plätzen zwischen 3 und 15 zu finden sind. Irland, Frankreich, Österreich und Portugal, die Plätze zwischen 21 und 33 bekleiden, bilden die zweite Gruppe. Die dritte Gruppe wird von Spanien, Slowenien, der Slowakei, Italien und Griechenland gebildet, die sich auf Plätzen zwischen 40 und 80 wiederfinden.

Korruption: Höhere Zinsen auf Staatsanleihen

In Ländern, in denen Menschen weniger stark unter Korruption leiden müssen, können sich Regierungen tendenziell zu niedrigeren Kosten verschulden. Während in der ersten Gruppe durchschnittlich 2,1% Zinsen fällig werden, sind es 3,5% in Gruppe zwei und 5% in Gruppe drei. Anleger schätzen also das Ausfallrisiko der Staatsanleihen von Ländern, in denen Korruption als ein größeres Problem wahrgenommen wird, tendenziell höher ein.

Korruption: Höhere Arbeitslosenraten

Ein ähnlicher Zusammenhang lässt sich erkennen zwischen der Intensität der Wahrnehmung von Korruption in einem Land und der Arbeitslosenrate. Während die ungewichtete durchschnittliche Arbeitslosenrate in den am wenigsten von Korruption geplagten Ländern bei 7,2% liegt, liegt sie bei 10,8% und 18% in den beiden anderen Gruppen. Je stärker ein Land unter Korruption leidet, desto weniger Flexibilität können die Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt tendenziell genießen.

Gesellschaftliche Regeln determinieren Anreize

Die von den Mitgliedern einer Gesellschaft befolgten Regeln verändern sich nur langsam. Während Arbeitslosenraten und Zinsen relativ kurzfristig fallen und steigen können, sind die Regeln für das Zusammenleben in einer Gesellschaft in der kurzen Frist relativ fix. Deshalb liegt es nahe, dass höhere Arbeitslosenraten und Zinsen nicht zu einem schlechteren Abschneiden im Korruptionsindex geführt haben. Sehrwohl ist es jedoch möglich, dass tiefsitzende widrige institutionelle Rahmenbedingungen — widergespiegelt unter anderem in einer schlechteren Platzierung im Korruptionsindex — zu der derzeit in einigen Ländern der Eurozone beobachtbaren misslichen Lage beigetragen haben — zu deren Symptome unter anderem hohe Arbeitslosenraten und hohe Zinsen auf Staatsanleihen gehören.

Politische Maßnahmen, die die bestehenden Regelwerke grundsätzlich unangetastet lassen, können nur zu kosmetischen Veränderungen führen. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank oder verhaltene Anpassung von Steuersätzen und Ausgaben der öffentlichen Hand auf nationaler Ebene werden keine tiefgreifenden Verbesserungen nach sich ziehen, solange sich die politisch und gesellschaftlich akzeptierten Regeln nicht verändern. Die Gesamtheit der vorherrschenden Regeln bestimmt, ob Menschen die Möglichkeit und Anreize haben, produktiven Tätigkeiten nachzugehen und innovative Lösungen für ihre eigenen Probleme und die anderer Menschen zu finden.

Kampf gegen Korruption: Grundlagen entziehen

Korruption hemmt Gesellschaften und ihre Mitglieder, weil mit ihr Regeln einhergehen, die Anreize setzen, unproduktiven oder gar destruktiven Tätigkeiten nachzugehen. Trotzdem ist die Bekämpfung von Korruption kein leichtes Unterfangen, weil sich einflussreiche Interessengruppen dagegen zur Wehr setzen. Die effektivste Form der Bekämpfung von Korruption wäre die massive Reduzierung von Lizenzen, die für die Ausübung gewisser Berufe und die Gründung von Unternehmen notwendig sind, und die Aussetzung von Regulierungen, die das Einstellen von Mitarbeitern und die Produktion von Gütern und Dienstleistungen erschweren. Mit der Abschaffung einer Lizenz oder einer Regulierung verschwindet stets auch eine potentielle Korruptionsquelle. Eine Lizenz, die nicht benötigt wird, kann nicht unter der Hand verkauft werden. Eine Regulierung, die nicht mehr befolgt werden muss, kann nicht mehr zu Schmiergeldzahlungen führen.

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