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Lohnquote und gewerkschaftlicher Organisationsgrad
Gewerkschaften ohne Einfluss auf Lohnquote in EU-15 Ländern?

In den vergangenen Monaten lief die Kooperation zwischen Unternehmensvertretern und Gewerkschaften anscheinend nicht sonderlich rund. Um die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten, riefen Gewerkschaften wiederholt zum Streik auf oder drohten zu streiken. Obwohl einige der Gewerkschaften derzeit nicht zu übersehen sind, vertreten sie immer weniger Beschäftigte. Seit 1980 ist der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in Deutschland von 35% auf 18% im Jahre 2013 gefallen. Über den gleichen Zeitraum ist auch die Lohnquote gefallen; der Anteil der Summe der Arbeitnehmerentgelte am gesamten Einkommen, dem Bruttoinlandsprodukt. Ein Blick über Deutschlands Landesgrenzen hinweg deutet jedoch darauf hin, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad in keinem systematischen Verhältnis zur Lohnquote steht. Gewerkschaften scheinen zu Recht ein Auslaufmodell zu sein.

Gewerkschaften: Lohnhöhe im Fokus

Gleich ob Piloten, Lokomotivführer, Post-Zusteller, Lehrer, Erzieher, Ärzte oder Beschäftigte in der Logistikbranche, die Forderungen der Gewerkschaften ähneln sich in der Regel: Mehr Lohn, kürzere Arbeitszeiten, zusätzlicher Kündigungsschutz und bessere Arbeitsbedingungen.

Im Vordergrund der Verhandlungen stehen in der Regel die Löhne. Obwohl die anderen Faktoren als Teil des Lohns verstanden werden können, der nicht in Geld ausgezahlt wird, soll auch hier der Fokus auf dem Entgelt liegen. Wenn die Aktivitäten von Gewerkschaften zu höheren Lohnabschlüssen führen, sollte ein höherer Anteil an gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten einhergehen mit einer höheren Lohnquote.

Deutschland: Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im Sinkflug

In Deutschland ist der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten an allen Beschäftigten seit 1980 deutlich zurückgegangen. Waren es 1980 noch knapp 35%, belief sich der Anteil 2013 auf nur noch knapp 18%.

Lohnquote: Seit 1980 gesunken, seit 2007 wieder gestiegen

Die Lohnquote setzt die gesamte Lohnsumme aller Beschäftigten, einbezogen sind auch Einkommen Selbständiger, ins Verhältnis zur Summe aller Einkommen (inklusive der Kapitaleinkommen). Seit 1980 ist auch die Lohnquote in Deutschland gesunken, allerdings weniger deutlich und weniger gleichmäßig.

Lag die Lohnquote 1980 noch bei etwas unter 64%, betrug sie im Jahre 2013 etwas unter 57%. Der Fall der Lohnquote seit 1980 erfolgte allerdings nicht gleichmäßig und seit 2007 ist die Lohnquote wieder gestiegen, während der Grad der gewerkschaftlichen Organisation weiter abgenommen hat.

EU-15: Gewerkschaftliche Organisationsgrade variieren stark

Aus der Betrachtung dieser beiden Zeitreihen ließe sich auf einen positiven Zusammenhang zwischen dem Anteil der Gewerkschaftsmitglieder an allen abhängig Beschäftigten und der Lohnquote schließen. Ein Blick auf Daten der EU-15, den Mitgliedsländern der EU, die einen ähnlichen Entwicklungsstand aufweisen wie Deutschland, lässt jedoch starke Zweifel an dieser These aufkommen.

Interessant ist, wie sehr sich die Länder im Jahre 2012 - Daten für frühere Jahre sind leider nicht für alle Länder verfügbar - hinsichtlich des Anteils der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten unterschieden. In Frankreich belief sich ihr Anteil auf etwas weniger als 8%. In Finnland waren es fast 69%.

EU-15: Lohnquoten variieren nur wenig

Hinsichtlich der Lohnquote jedoch sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern relativ gering. In Irland gingen etwas weniger als 49% des gesamten Einkommens an abhängig Beschäftigte, während es in Belgien nicht ganz 61% waren.

Lohnquote und Organisationsgrad: Kein positiver Zusammenhang

Werden die Lohnquoten der einzelnen Länder der EU-15 ins Verhältnis gesetzt zum Anteil der Gewerkschaftsmitglieder an allen abhängig Beschäftigten, zeigt sich, dass es europaweit keinen positiven Zusammenhang gibt.

Die Daten deuten gar auf einen schwachen negativen Zusammenhang hin. Offensichtlich unterscheiden sich die hier betrachteten Länder nicht nur hinsichtlich des Anteils der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten. Dass die Lohnquote jedoch in den Niederlanden 50% beträgt und in Dänemark mit 49% etwas geringer ausfällt, sollte einen angesichts von Anteilen an Gewerkschaftsmitgliedern in den Niederlanden von nur 18% und deutlich höheren 67% in Dänemark an der These zweifeln lassen, dass Gewerkschaften einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe von Lohnabschlüssen und damit auf die Höhe der gesamten Lohnsumme der abhängig Beschäftigten in einem Land haben.

Das Bild ändert sich nicht, wenn die Lohnquote des Jahres 2012 ins Verhältnis gesetzt wird zum Durchschnitt der gewerkschaftlichen Organisationsgrade der Jahre 2007 bis 2011. Dass es keinen positiven Zusammenhang zwischen diesen beiden Größen gibt, ist also nicht darauf zurückzuführen, dass ein höherer gewerkschaftlicher Organisationsgrad in den fünf Jahren vor 2012 die Lohnquote in die Höhe getrieben oder vor dem Fallen bewahrt hat.

Nutzen und Kosten: Lohnt sich streiken?

Ein Teil der Kosten der Ausübung des Streikrechts sind für verhinderte Bahnfahrer dieser Tage nur zu offensichtlich. Der Bund als Eigentümer der Bahn AG und damit die Steuerzahler als indirekte Eigentümer, die direkten privaten und geschäftlichen Kunden der Bahn und all diejenigen, die indirekt Kunden der Bahn sind, mussten ihre Pläne dem Streik der Lokomotivführer anpassen. Diese Anpassungen verursachen Kosten. Menschen können die von ihnen verwendeten Ressourcen - Zeit, Humankapital und Realkapital - sowohl für die Produktion als auch den Konsum nicht so einsetzen, wie ursprünglich von ihnen geplant. Diesen Kosten durch durchkreuzte Pläne stehen die möglichen Gewinne der Lokomotivführer in Form von höheren Löhnen und anderen Zugeständnissen der Bahn gegenüber.

Die hier getroffene Annahme ist, dass höhere Löhne für Lokomotivführer oder für andere von Gewerkschaften vertretene Arbeitnehmer erstrebenswert sind und deshalb als Nutzen in die Kosten-Nutzen-Analyse einfließen. Wenn keine Gruppe von Arbeitnehmern bevorzugt werden soll, müssen den höheren Löhnen niedrige Kapitaleinkommen gegenüberstehen. Allgemeiner formuliert: Die Umverteilung von Einkommen von den Kapitaleignern (im Falle der Bahn sind das die Steuerzahler) zu den Arbeitnehmern fließt als Nutzen in die Kosten-Nutzen Analyse ein.

Die obigen Daten zu den Lohnquoten und den gewerkschaftlichen Organisationsgraden zeigen, dass die beiden Größen in der EU-15 nicht in einem positiven Zusammenhang stehen. Gewerkschaftlich organisiert zu sein, scheint nicht maßgeblich für Arbeitnehmer zu sein, um sich ein Stück vom gesamten Einkommenskuchen zu sichern. Ist das der Fall, ist der Wunsch der Einkommensumverteilung zwischen Kapitaleignern und Arbeitnehmern kein Grund, für das Streikrecht von Gewerkschaftsmitgliedern einzustehen. Für die Umgehung der Streikkosten sollten sich dann auch die Befürworter der hier skizzierten Umverteilung aussprechen.

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