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Macht der Ratingagenturen: Geschaffen durch Regulierungen, abzuschaffen durch Deregulierung

Die Rolle der drei grossen Ratingagenturen, Moody’s, Standard and Poor’s und Fitch, in der Finanzkrise wird häufig dikutiert. Insbesondere steht deren Marktmacht in der Kritik – die drei Agenturen teilen etwa 95% des Ratingmarktes unter sich auf. Immer wieder können Rufe nach einer stärkeren Regulierung der drei großen Ratingagenturen oder nach der Schaffung einer öffentlichen Europäischen Ratingagentur vernommen werden, wie zum Beispiel kürzlich von SPD Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Diesen Forderungen liegt die Prämisse zu Grunde, dass auf einem freien Markt in Konkurrenz miteinander stehende Ratingagenturen keine objektiven Ratings vergeben. Ein Blick auf die Geschichte der Ratingagenturen offenbart jedoch, dass die dominierende Marktposition der drei grossen Ratingagenturen gerade auf Finanzregulierungen zurückzuführen sind. Regulierungsmaßnahmen haben alternativen Ratingagenturen den Markteintritt verwährt. Wenn das Ziel ist, die Qualität von Ratings zu verbessern und für mehr Transparenz auf dem Markt für Ratings zu sorgen, sollten die bestehenden künstlichen Markteintrittsbarrieren für neue Ratingagenturen vollständig abgebaut und nicht durch weitere Regulierungen erhöht werden.

Ratingagenturen beurteilen die Qualität von Anleihen und Forderungen, indem sie die Kreditwürdigkeit der jeweiligen Schuldner bewerten. Die Schuldner können private Unternehmen oder staatliche Organisationen sein.

Ursprünglich bezahlten Gläubiger für die von den Ratingagenturen bereitgestellten Informationen. Das änderte sich in den 1970er Jahren. Die Ratingagenturen stellten ihr Geschäftsmodell um. Seit den frühen 1970er Jahren werden die Ratingagenturen in den meisten Fällen von den Emittenten, den Verkäufern, der Anleihen bezahlt. Das mag einigen Menschen übel aufstoßen, ist aber nicht Kern des Problems auf dem Markt für Ratings. Dazu später mehr. Das eigentliche Problem sind Regulierungen, die ebenfalls in den 1970er Jahren eingeführt wurden und die zu dem Zeitpunkt dominierende Ratingagenturen mit Privilegien bedachten. Im Jahre 1975 hat die Börsenaufsichtsbehörde der USA, die United States Securities and Exchange Commission,einzig die drei großen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch in den neu geschaffenen Stand der “national anerkannten statistischen Rating Organisationen” (nationally recognized statistical rating organizations) erhoben. Fortan wurden von Aufsichtbehörden nahezu ausschließlich die Ratings dieser drei Ratingagenturen für die Bewertung der Qualität von Anleihen akzeptiert.

Über den Zeitraum von 1975 bis 2000 hat die Börsenaufsichtbehörde der USA lediglich vier weitere Ratingagenturen in den erlauchten Kreis der anerkannten Ratingagenturen aufgenommen. Nach Zusammenschlüssen untereinander verblieben im Jahre 2000 einzig wieder die drei großen Ratingagenturen. Heute sind von der US-Börsenaufsichtsbehörde 10 Ratingagenturen anerkannt. In Deutschland sind von der BaFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen, derzeit vier in allen Marktsegmenten aktive Ratingagenturen anerkannt. Darunter befinden sich wenig überraschend Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch. Ergänzt werden sie durch DBRS. Es scheint, dass die Ratingagenturen ihre Hausaufgaben in der Lobbyarbeit gemacht haben.

Warum ist die Verknüpfung der Ratingagenturen mit der Regulierung von Finanzinstituten problematisch, wohingegen die Bezahlung der Ratingagenturen durch die Verkäufer von Anleihen anstatt die Käufer nebensächlich ist? Wie Charles Calomiris von der Columbia Business School argumentiert, sind es zunächst die Käufer der Anleihen, die Gläubiger also, die einen Vorteil haben, wenn die Qualität von Anleihen überbewertet wird. Denn schlechte Anleihen mit einem unberechtigt guten Rating erlauben es den Finanzinstituten, die Auflagen der Regulierungsbehörden zu niedrigeren Kosten zu erfüllen. Wenn ein gewisser Anteil der Vermögenswerte einer Bank ein AAA Rating haben muss, ist es für die Bank günstiger, Anleihen zu kaufen auf denen zwar AAA steht, alle Beteiligten jedoch wissen, dass nicht AAA drin ist. Beide Seiten profitieren. Der Emittent der Anleihen, der Verkäufer, bekommt für seine Anleihen mit einem ungerechtfertigten AAA Rating etwas mehr als er bekäme, wenn die Anleihen ein zutreffendes Rating erhalten hätten. Der Käufer bezahlt für die Anleihen mit dem ungerechtfertigten AAA Rating weniger als für wahrhafte AAA Anleihen, kann damit aber seine Regulierungsauflagen genauso gut erfüllen.

Ein Ausweg könnte sein, Finanzinstitute nicht zu zwingen, die Risikoeinschätzung durch wenige ausgewählte Ratingagenturen vornehmen zu lassen. Stattdessen könnten weiterhin unter Aufsicht von Regulierungsbehörden stehende Finanzinstitute die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, bei wem sie sich Rat holen bezüglich der Risiken von Anleihen. Einige Banken würden sich vielleicht auf ihre eigenen Einschätzungen verlassen, andere würden vielleicht weiterhin die Dienste der Ratingagenturen in Anspruch nehmen und wiederum andere würden vielleicht Rat bei neu in den Markt eintretenden Unternehmen suchen. Dadurch wäre das Oligopol der Ratingagenturen zerschlagen. Die Schaffung einer staatlich finanzierten Europäischen Ratingagentur hingegen würde den drei grossen Ratingagenturen lediglich eine vierte hinzufügen, aber grundsätzlich nichts an der Abhängigkeit der Finanzinstitute von einer kleinen Gruppe anerkannter Ratingagenturen ändern.

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