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Mehr Steuertransparenz, weniger fiskalische Illusion
Komplexe Steuersysteme verschleiern die wahren Kosten staatlicher Leistungen

Das Thema Steuern ist derzeit in aller Munde. Im Vordergrund steht dabei die Einkommensteuer. Aber es gibt offenbar nicht nur die Lohn- und Kapitalertragssteuer - die zwei Elemente der Einkommensteuer. Auch die Umsatz-, Grunderwerbs-, Körperschafts-, Versicherungs-, Öko-, KFZ-, Mineralöl-, Strom-, Schaumwein-, Bier-, Tabak-, Erbschaft-, Gewerbe- und Grundsteuer sind Einnahmequellen des Staates, um nur einige zu nennen. Das unübersichtliche Steuergeflecht führt dazu, dass der Preis, den der einzelne Bürger für die vom Staat bereitgestellten Leistungen bezahlt, wenig transparent ist. Unterschätzen die Steuerzahler die Höhe der Kosten für Staatsleistungen, haben Politiker einen Anreiz, mehr Ausgaben zu tätigen. Sie werden vom wählenden Steuerzahler belohnt für die Bereitstellung von Leistungen, deren volle Kosten für den Steuerzahler nicht ersichtlich sind. Steuertransparenz wäre im Sinne der Bürger. Dann wären sie sich der Kosten des Staates stärker bewusst und die Vertreter des Staates stünden unter strengerer Beobachtung.

Fiskalische Illusion

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat der italienische Ökonom Amilcare Puviani darauf hingewiesen, dass intransparente Steuersysteme Bürger dazu verleiten können, die Kosten der Staatsleistungen unterschätzen. Das Phänomen ist bekannt als „fiskalische Illusion“. Werden die Bürger von einer fiskalischen Illusion getäuscht, haben die Vertreter des Staates einen Anreiz, ihre Einnahmequellen auf eine Vielzahl von Bemessungsgrundlagen zu verteilen und die Steuerzahlungen möglichst still und leise erfolgen zu lassen, um die Leistungen des Staates weiter auszuweiten, deren volle Kosten den Bürgern nicht ersichtlich sind.

Das heutige Steuersystem: Niemandes Plan und doch kein Zufallsprodukt

Offensichtlich ist das heute bestehende Steuersystem nicht aus einem Guss entstanden. Niemand hat die vorzufindende Struktur des Steuersystems jemals geplant. Stattdessen ist sie über die Jahrzehnte Stück für Stück gewachsen. Die Strukturen sind jedoch keineswegs zufällig entstanden. Das Stückwerk hilft, die tatsächlichen Kosten des Staates zu verschleiern. Die am Steuergesetzgebungsprozess Beteiligten haben wenig Interesse, vollständige Transparenz für den Bürger herzustellen. Es sind also nicht nur die Steuerberater, die ein Interesse an einem möglichst komplexen Steuersystem haben, sondern auch diejenigen, die über die Verwendung der eingenommenen Steuermittel entscheiden.

Mittelsmänner helfen dem Staat, seine Steuern still und leise einzutreiben

Viele Steuern zahlt der Bürger ohne explizit eine Zahlung an den Staat vorzunehmen. So werden die Lohnsteuer für Angestellte direkt vom Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt, die Kapitalertragssteuer von der Bank des Kunden an das Finanzamt überwiesen und die Umsatz- und Mineralölsteuer von den Unternehmen an das Finanzamt weitergeleitet. Der Staat muss häufig nicht mehr direkt mit den Bürgern in Kontakt treten, um von ihnen Steuern einzutreiben, obwohl ausschließlich die Bürger als natürliche Personen die Steuerlast tragen. Der Staat hat insbesondere Unternehmen zu seinen Mittelsmännern gemacht, die ohne dafür ein Entgelt zu erhalten, für ihn Steuern einsammeln.

Gedankenexperiment: Jede Steuerzahlung erfordert eine Transaktion

Wie würde sich die Wahrnehmung der Kosten des Staates verändern, wenn die Steuerzahlung stets explizit wäre? Stellen Sie sich vor, Tankstellenkunden würden zunächst ihre Rechnung beim Tankwart und anschließend in einer weiteren Transaktion ihre Steuerschuld gegenüber dem Staat begleichen. Bei einem Literpreis von 1,55 Euro würden Kunden derzeit etwa 40% des Gesamtpreises an den Tankwart übergeben und 60% in Form von Mineralöl-, Öko- und Umsatzsteuer an den Staat. Stellen Sie sich vor, Endkunden würden als Käufer stets den Verkäufer bezahlen und im Nachgang eine weitere Überweisung an das Finanzamt tätigen, um ihre Umsatzsteuerschuld in Höhe von 19% des Verkaufspreises zu begleichen. Stellen Sie sich vor, alle Arbeitnehmer bekämen zunächst ihren Bruttolohn ausgezahlt, um anschließend eine Überweisung über ihre Lohnsteuerschuld an das Finanzamt zu tätigen. Unter diesen Umständen würden die Bürger Steuerzahlungen vermutlich bewusster wahrnehmen und weniger geneigt sein, die Kosten staatlicher Leistungen zu unterschätzen.

Für mehr Steuertransparenz

Anstatt vor allem über die abstrakte Höhe der gesamten Steuereinnahmen des Staates zu diskutieren und sie möglicherweise zu verändern, sollte den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, ihre ganz konkrete Steuerschuld besser einzuschätzen und mit den vom Staat in Anspruch genommenen Leistungen zu vergleichen. Transparenz nicht nur bei der Mittelverwendung, sondern auch der Mittelerhebung hilft den Bürgern, den Staat in seine Schranken zu weisen.

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