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Mindestlöhne schaden vor allem den Niedrigverdienern unter den Geringverdienern
Gute Intentionen und ihre negativen Konsequenzen

Peer Steinbrück hat in der letzten Augustwoche seine Marschroute für die ersten 100 Tage unter seiner Kanzlerschaft vorgestellt. Als ersten Punkt auf der 100-Tages-Ordnung nannte er die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro brutto. Steinbrück proklamiert, dass fünf Millionen Menschen, die derzeit weniger als 8,50 Euro verdienen, durch den Mindestlohn zu einem höheren Lohn verholfen würde. Wie hoch er die Zahl derer schätzt, die durch die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde ihren Arbeitsplatz verlieren würden, lässt uns Steinbrück nicht wissen.

Gewinner und Verlierer von Mindestlöhnen unter Geringverdienern

Hätte Steinbrück angekündigt, er würde als Kanzler dazu beitragen, dass einige Geringverdiener arbeitslos werden, während andere Geringeverdiener mehr verdienen, könnte man ihm keinen Vorwurf machen. Er hätte den vermeintlichen Vorteil und zumindest einen der Nachteile der Mindeslöhne benannt - weitere Nachteile ergeben sich beispielsweise insbesondere für Menschen im Ausland und Jugendliche. Steinbrück suggeriert jedoch, dass es unter den Niedrigverdienern nur Gewinner eines höheren Mindestlohnes gibt. Das wäre der Fall, wenn sich nach Einführung des Mindestlohnes kein einziger Arbeitgeber entscheiden würde, weniger Arbeitsstunden auf dem Arbeitsmarkt einzukaufen.

Je höher der Lohn desto weniger Arbeit wird nachgefragt

Wäre es Arbeitgebern gleichgültig, ob sie ihren Arbeitskräften 8,50 Euro oder weniger pro Stunde bezahlen müssen, gäbe es das von Steinbrück ausgemachte Problem der Gerinverdiener nicht. Arbeitgeber hätten keinen Grund ihren Arbeitskräften einen Stundenlohn von 8,50 Euro zu verwähren. Das scheint nicht der Fall zu sein. Arbeitgeber scheinen bestrebt zu sein, ihre Gewinne zu maximieren. Übersteigen die Kosten einer Arbeitsstunde die durch sie zusätzlich erzielten Erträge, verzichtet der Arbeitgeber auf die zusätzliche Arbeitsstunde. An dem Ziel der Gewinnmaximierung der Arbeitgeber ändert sich durch die Einführung eines Mindestlohnes nichts, gar nichts. Sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezwungen, Arbeit zu einem Preis von 8,50 Euro oder höher miteinander zu tauschen, werden einige Arbeitgeber weniger Arbeitsstunden nachfragen. Wenn ein Arbeitgeber derzeit 6,50 Euro für eine Arbeitsstunde bezahlt und sich sein zusätzlicher Ertrag auf 8 Euro beläuft, hat er nach Einführung des Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro keinen Anreiz mehr, die Arbeitsstunde weiterhin einzukaufen. Der Arbeitgeber würde pro Stunde 50 Cent Verlust machen.

Steinbrück sollte es besser wissen

Steinbrück hat Volkswirtschaftslehre studiert und ist Honorarprofessor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Steinbrück sollte folglich mit dem "Gesetz der Nachfrage" vertraut sein, das besagt, dass weniger von einem Gut oder einer Dienstleistung nachgefragt wird, wenn der Preis steigt. Das gilt auch für Arbeit. Auch wenn Andrea Nahles von der SPD mit der empirischen Evidenz scheinbar nicht vertraut ist, unter Ökonomen ist kaum bestritten, dass ein hoher Mindestlohn eine negative Auswirkung auf die Beschäftigung hat, sondern wie stark diese negative Wirkung ist. Intuitiv sind auch Befürworter eines Mindestlohnes mit dem "Gesetz der Nachfrage" vertraut. Warum sonst sollten sich Vertreter der SPD auf 8,50 Euro oder Vertreter von Die Linke auf 10 Euro beschränken? Warum sollten sie Geringverdienern Mindestlöhne in Höhe von 15, 20 oder 25 Euro vorenthalten?

Negative Konsequenzen guter Intentionen

Offensichtlich ist der negative Effekt auf die Beschäftigung umso geringer je niedriger der Mindestlohn festgelegt wird. Leider trifft der Mindestlohn gerade jene am härtesten, denen die Befürworter des Mindestlohns am meisten helfen wollen. Wer deutlich unter 8,50 Euro verdient, läuft am ehesten Gefahr, dass sich der Arbeitgeber angesichts eines Lohns von 8,50 Euro gegen eine Fortsetzung oder Neuaufnahme des Beschäftigungsverhältnisses entscheidet. Die meisten Menschen wollen diese negative Beschäftigungswirkung eines Mindestlohns nicht wahrhaben. Davon scheint auch Merkel auszugehen, die sich während des TV-Duells mit Steinbrück zwar gegen einen flächendeckenden Mindestlohn aussprach, das beste Argument gegen einen Mindestlohn - negative Beschäftigungseffekte - jedoch mit keinem Sterbenswörtchen erwähnte, vermutlich weil die von ihr bevorzugten branchen- und regionenspezifischen Mindestlöhne die ebenso negative Beschäftigungseffekte mit sich bringen. Es bleibt zu hoffen, dass nach der Wahl am 22. September die Niedrigverdiener unter den Geringverdienern von den negativen Konsequenzen der guten Intentionen der Mindestlohnbefürworter weitgehend verschont bleiben.

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