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Monte dei Paschi: Selbstbesicherung geht in die nächste Runde

Kaum wurde die italienische Pleitebank Monte dei Paschi „erfolgreich“ rekapitalisiert – und damit de facto verstaatlicht –, steigt ihr Kapitalbedarf. Per Staatsgarantien wird ihr ein weiteres Mal ausgeholfen. Immer offensichtlicher wird der Plan der italienischen Finanzbehörden, sich der faulen Bankkredite mittels EZB-Repo-Geschäft, also über die Druckerpresse, zu entledigen. Nicht nur für die üblichen Bedenkenträger in Deutschland sind das schlechte Nachrichten. Mit den Worten Frank Bormans (ehem. Astronaut): “Kapitalismus ohne Insolvenzen ist wie Christentum ohne Hölle.”

Italien bereitet nächsten Bail-Out vor

Im Drama um die italienische Zombiebank Monte dei Paschi (BMPS) kommt es zu immer neuen Überraschungen. Kaum beschloss das Parlament, der Bank einen Bail-Out zu gewähren und sie damit faktisch zu verstaatlichen, schoss der angegebene Kapitalbedarf in die Höhe: Nicht fünf, sondern 8,8 Milliarden Euro benötigt die Bank jetzt – eine „Überraschung“, die selbst den Medien nicht entgangen ist. Wie kam es zu diesem plötzlichen Kapitalmehrbedarf? Hatte sich jemand verrechnet?

Der Grund ist, dass die BMPS den angedachten Zeitplan für die Verbriefung und den anschließenden Verkauf ausfallgefährdeter Kredite im Wert von 28 Milliarden Euro nicht einhalten konnte. Hätte die Bank ihren Plan einhalten können, sähe sie jetzt weniger insolvent aus. Die BMPS wird außerdem staatsgarantierte Wertpapiere im Wert von 15,8 Milliarden Euro ausgeben um „Liquidität zu gewinnen und Investorenvertrauen zu stärken“. Für einen Außenstehenden mag es schwer begreiflich sein, inwiefern das Anhäufen neuer Schulden das Vertrauen der Investoren in eine insolvente Bank sichern soll.

Schuldenabbau über die Notenpresse

Das so aufgenommene Kapital wird der BMPS Zeit verschaffen, ihre 28 Milliarden Euro an faulen Krediten zu verbriefen. Sie wird dabei dem Beispiel der Banca Popolare di Bari (BPB) folgen, die ihre regulatorischen Kapitalanforderungen durch eine fragwürdige Verbriefung formal erfüllen konnte. Eine Neuauflage des BPB-Modells ist für die BMPS aus zwei Gründen besonders attraktiv:

i) Zwar ist der Halter der A-Anleihe de jure vorrangig gegenüber dem Halter der B-Anleihe, dem einzigen am Besicherungsprozess beteiligten Marktakteur. Die Verkaufsstruktur ist allerdings mittels weiter Kupondifferenzen zwischen beiden Anleihen so clever gestaltet, dass die B-Anleihe de facto vorrangig ist. So ist zu erwarten, dass die Eigner der B-Anleihe gegenüber den vorrangigen Gläubigern einen mehr als doppelt so hohen Cashflow realisieren werden, obwohl das Volumen der A-Anleihe mit einem Größenverhältnis von 10:85 größer ist als das der B-Anleihe.

ii) Zwar sind die durch ausfallgefährdete Kredite gedeckten Anleihen nicht für das Asset Purchase Program der EZB qualifiziert, aber als Sicherheiten in Repo-Geschäften mit der Zentralbank können sie verwendet werden – unter der Voraussetzung, dass das am zweitbesten bewertete Papier mindestens ein A-Rating vorweisen kann. Die BPB konnte diese Hürde bisher nicht nehmen, da sie nur ein Baa1 vorweisen kann. Auf der offiziellen Qualifizierungsliste der EZB für das Repo-Geschäft tauchen BPB-Papiere daher nicht auf – der einzige Grund, weshalb das italienische Finanzministerium sich des Schuldenbergs noch nicht per Druckerpresse entledigen konnte. Andere Banken, etwa die Unicredit, werden ihre durch ausfallgefährdete Kredite besicherten Papiere jedoch im Rahmen von Repo-Geschäften nutzen können, da diese als weniger toxisch eingestuft werden.

Wer stoppt die Verbriefungstricks?

So hat es ganz den Anschein, als ob die BPB nur ein Versuchskaninchen war. Ihre Papiere waren so toxisch, die Kredite so sehr in Italiens bankrottem Süden verankert, dass sie für ihre A-Anleihe nur ein Baa1-Rating erzielen konnte. Die durch ausfallgefährdete Kredite besicherten Papiere der BPB können daher nicht für Repo-Geschäfte eingesetz und in frisches Geld konvertiert werden. Londoner Experten erwarten allerdings, dass sowohl die BMPS als auch die Unicredit zumindest ein A-Rating für ihre durch ausfallgefährdete Kredite besicherten Papiere erreichen werden.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnte seine italienischen Kollegen noch im Dezember vor einem Bail-Out der BMPS, da dieser nicht “nachhaltig” sei – eine höfliche Umschreibung für seine Zweifel an dem Plan, die Bank in die Solvenz zurückzuführen. Weidmanns Warnung war möglicherweise etwas harsch, aber nichtsdestotrotz angemessen. Sein Ratschlag wurde dennoch ignoriert.

Für 2017 ist daher ein “Weiter so!” zu erwarten: Mehr Regelbrüche, mehr Verbriefungstricks, mehr Bail-Outs statt Bail-Ins. Wenn Deutschland in diesem kleinen Schachspiel nicht bald den strategischen Vorsprung Italiens erkennt, wird es durch eine sizilianische Eröffnung überlistet werden.

Bild: Stefano Costantini/ flickr.com

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