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Mythos vom Mangel an Fachkräften

Vom Fachkräftemangel ist seit Jahrzehnten immer wieder die Rede, vor allem seit den 2000er Jahren. So wird beispielsweise im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsdebatte regelmäßig diskutiert, ob Flüchtlinge zur Lösung des vermeintlichen Problems des Fachkräftemangels beitragen könnten. Sie können es nicht, denn ein Problem eines Fachkräftemangels liegt schlicht nicht vor. Der sogenannte „Fachkräftemangel“ beschreibt lediglich eine Situation, in der Unternehmen ausgeschriebene Stellen nicht besetzen, weil sie nicht bereit sind, die dafür notwendigen höheren Löhne zu zahlen.

Unternehmen und indirekt die Kunden von Unternehmen würden gerne niedrigere Löhne für die von Fachkräften verkaufte Facharbeit bezahlen, aber ein Problem liegt darin nicht begründet. Wie Teilnehmer auf anderen Märkten, nutzen Unternehmen und Facharbeiter unbewusst den Preismechanismus und sorgen dafür, dass Facharbeit dort zum Einsatz kommt, wo sie von Kunden am meisten wertgeschätzt wird.

Der Aufstieg des Begriffs Fachkräftemangel

Der Ngram Viewer von Google bietet die Möglichkeit, die jährliche relative Häufigkeit eines Begriffs in deutschsprachigen Büchern zu ermitteln. Tauchte der Begriff Fachkräftemangel in den 1940er und 1950er Jahren nur sporadisch auf, findet er seit den 1980er Jahren relativ häufiger Verwendung.

Obwohl der Begriff in der Zeit von 1940 bis 2008 relativ zu anderen Begriffen am häufigsten im Jahre 2008 verwendet wurde, lag auch in den letzten Jahren kein Problem des Fachkräftemangels vor. Weiter in die Gegenwart reichen die von Google bereitgestellten Daten leider nicht.

Fachkräftemangel: Ein flüchtiges Phänomen

In ihrer Fachkräfteengpassanalyse stützt sich die Bundesagentur für Arbeit auf Vakanzzeiten, das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen und die Veränderung der Vakanzzeiten zum Vorjahreszeitraum, um festzustellen, ob in einem Beruf bundesweit ein Fachkräftemangel vorliegt.

Für Bundesländer definiert die Bundesagentur für Arbeit Fachkräftemangel wie folgt: "Fachkräftemangel liegt vor, d.h. der identifizierte bundesweite Mangel ist in der betrachteten Region deutlich erkennbar, wenn die regionale Vakanzzeit mindestens 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt aller Berufe liegt und es weniger als 150 Arbeitslose je 100 gemeldete Stellen gibt oder es weniger Arbeitslose als gemeldete Stellen gibt."

Ist in einer Region in einem Beruf niemand arbeitslos gemeldet und haben Unternehmen in derselben Region für denselben Beruf Stellenanzeigen geschaltet, herrscht nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit also Fachkräftemangel. Offensichtlich ist eine derartige Situation nicht problematisch. In dem Beruf herrscht in der betrachteten Region Vollbeschäftigung und die Unternehmen versuchen, Mitarbeiter von anderen Unternehmen abzuwerben. Sind die Unternehmen nicht bereit, ihren potentiellen Mitarbeitern höhere Löhne zu bieten, bleiben die von ihnen ausgeschriebenen Stellen vakant. Dass sie nicht bereit sind, höhere Löhne zu zahlen, ist ein starkes Indiz dafür, dass die Facharbeit in den übrigen Unternehmen produktiver eingesetzt wird. Der gemessene Fachkräftemangel ist also gewiss kein Problem.

Fachkräftemangel wird durch Lohnanpassungen verhindert

Es ist nicht hilfreich, die Anzahl ausgeschriebener Stellen zu zählen, ohne die angebotenen Löhne in Betracht zu ziehen. Jeden Tag unterbreiten sich potentielle Käufer und Verkäufer gegenseitig Angebote, ohne dass es zu Vertragsabschlüssen kommt. Das gilt auch für den Markt für Arbeit.

Findet ein Unternehmen für eine ausgeschriebene Stelle keinen Mitarbeiter, muss es ein attraktiveres Angebot unterbreiten und zum Beispiel einen höheren Lohn bieten. Ist das Unternehmen dazu nicht bereit, wird lediglich offenbar, dass ein anderes Unternehmen und dessen Kunden die Arbeit eines Facharbeiters stärker wertschätzen.

Diesen Zustand mag das nicht zum Zuge kommende Unternehmen bedauern — wie jeder Konsument bedauert, ein Gut nicht zu einem niedrigeren Preis erwerben zu können. Problematisch ist die Situation allerdings nicht. Denn ohne dass es ihnen bewusst ist, tragen die Marktteilnehmer dazu bei, dass mithilfe des Preismechanismuses knappe Facharbeit bestmöglich verteilt wird. Auch wenn Steuern auf Arbeit den gesamten Umfang an verrichteter Facharbeit reduzieren, kaufen die nur begrenzt zur Verfügung stehende Facharbeit jene, die bereit sind im Gegenzug dafür am meisten aufzugeben.

Knappheit ist real, auch auf dem Arbeitsmarkt

Auf Ressourcen können wir Menschen nur in begrenztem Umfang zugreifen. Sie sind knapp. Das gilt auch für die Ressource Facharbeit. Die Verwendung des Begriffs Fachkräftemangel suggeriert, es läge ein Problem vor, dass über die unangenehme Wahrheit der Knappheit hinausgeht. Jedoch werden damit lediglich Situationen beschrieben, in denen Unternehmen nicht bereit sind, Fachkräften Löhne zu bieten, die ausreichend hoch sind, um ausgeschriebene Stellen zu besetzen. Der vielbeschworene Fachkräftemangel ist harmlos.

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