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Nach Zypern: Gläubiger haften wieder. Hoffentlich.

In Zypern müssen Gläubiger insolventer Banken Verluste hinnehmen. Das ist nur richtig. Während in den vergangenen Krisenjahren Gläubiger kriselnder europäischer Banken vor allem in Irland, Portugal und Spanien durch unfreiwillige Transfers der Steuerzahler an die Gläubiger vor Verlusten bewahrt wurden, haften im Falle Zyperns diejenigen, die den Banken Kapital zur Verfügung gestellt haben. Eine höhere erwartete Rendite bekommt nur, wer höhere Risiken eingeht.

Das relativ hohe Risiko, dass es zu Verlusten kommt, haben die Gläubiger zyprischer Banken bewusst akzeptiert und sich mittels hoher Zinszahlungen entlohnen lassen. Jetzt müssen sie Verluste hinnehmen, die sie gerne von sich abgewendet hätten. Von deren Möglichkeit sie jedoch gewusst haben. Die Ratingagentur Standard & Poors erwägt (login notwendig), dass es sich bei Zypern um einen Präzedenzfall für den „Bail-in“ von Gläubigern handelt. Das ist zu hoffen!

Die Bankenrettungsaktionen der vergangenen Jahre waren zumeist dadurch gekennzeichnet, dass Verluste von Gläubigern der wankenden Banken abgewendet wurden. Anstatt die Geldgeber für Verluste gerade stehen zu lassen, wurden die Verluste sozialisiert und auf die Steuerzahler abgewälzt. Der Begriff „Gläubigerrettung“ wäre treffender als „Bankenrettung“.

Stets wurde bei den Rettungsaktionen auf die Ansteckungsgefahr innerhalb des Bankensystems verwiesen. Wenn Banken als Gläubiger anderer Banken Verluste hinnehmen müssen, könnten die Gläubigerbanken selbst in eine Schieflage geraten. Der EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier deutet in einem Interview für das Handelsblatt (Download zahlungspflichtig) an, dass diese Ansteckungsgefahr seiner Ansicht nach keine weiteren „Bail-outs“ von Bankengläubigern durch Steuerzahler rechtfertigt und verweist auf einen Gesetzentwurf zur Bankenabwicklung, der die Beteiligung von „Gläubigern und nicht abgesicherten Einlegern an den Kosten einer geordneten Insolvenz“ vorsieht.

Der niederländische Finanzminister und Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem scheint der gleichen Meinung zu sein. Seine Bemerkungen nach der Beteiligung von Gläubigern zyprischer Banken an den Verlusten in einem Reuters-Financial Times Interview hatten für Entrüstung unter den gestandenen Eurorettern wie dem Premierminister Luxemburgs und ehemaligem Euro-Gruppen-Chef Jean Claude Juncker gesorgt. Dijsselbloem hatte sich in dem Interview erdreistet, darauf hinzuweisen, dass im Falle einer Bankenschieflage zunächst die Anteileigner und die Gläubiger – sowohl die Eigentümer von Anleihen als auch unversicherte Einleger – geradestehen sollten. Der auf Dijsselbloems Aussage hin erfolgte Aufschrei unter selbsternannten Eurorettern war zu erwarten, ist aber ungerechtfertigt. Dijsselbloem hat lediglich die Wahrheit ausgesprochen, dass ein stabiler Bankensektor nur zu haben ist, wenn die Wahrnehmung von Anlagechancen einhergeht mit der Haftung im Verlustfall.

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