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Neue Daten: Wirtschaftliche Freiheit in Deutschland

Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus anderen Ländern unternimmt das kanadische Fraser Institute alljährlich den Versuch, wirtschaftliche Freiheit in Ländern weltweit zu messen. Die Ergebnisse für das Berichtsjahr 2014 wurden vor zwei Wochen veröffentlicht. Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr vom 29. auf den 30. Rang zurückgefallen. Auch der Grad der für Deutschland gemessenen wirtschaftlichen Freiheit blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Ein Blick auf die fünf Komponenten des Indexes offenbart jedoch, dass die Entwicklung in Deutschland nicht einheitlich war, weder von 2013 auf 2014 noch seit dem Beginn der jährlichen Erhebung im Jahre 2000.

Was wird gemessen?

Wirtschaftliche Freiheit liegt vor, wenn wirtschaftliche Aktivität koordiniert wird durch individuelle Entscheidungen, freiwillige Transaktionen und offene Märkte auf der Grundlage klar definierter und verlässlich durchgesetzter Eigentumsrechte. Die Autoren des Economic Freedom of the World Reports versuchen zu bewerten, wie nah Institutionen und politische Maßnahmen eines Landes dem Ideal eines Staates kommen, der sich auf die Bereitstellung einiger weniger öffentlicher Güter beschränkt, Eigentumsrechte sichert und so wirtschaftliche Freiheit garantiert.

Vorteile wirtschaftlicher Freiheit

Frei zu sein, die individuellen Fähigkeiten und individuelles Wissen nach den eigenen Vorstellungen einzusetzen, ist an sich bereits wertvoll. Darüber hinaus ist wirtschaftliche Freiheit, die tendenziell stärker ist je gefestigter die demokratischen Strukturen eines Landes sind, instrumentell wertvoll. Wie die Autoren des Economic Freedom of the World Reports zeigen, ist in den 25 % freiesten Ländern das Pro-Kopf-Einkommen am höchsten, die Lebenserwartung am längsten, politische und bürgerliche Freiheiten am ausgeprägtesten und das Einkommen der ärmsten 10 % am höchsten. Kurzum, wirtschaftliche Freiheit geht mit gesellschaftlichen Bedingungen einher, die die meisten von uns schätzen.

Deutschland 2000 - 2014

Die Skala für wirtschaftliche Freiheit des Fraser Institutes reicht von 0 (vollkommen unfrei) bis 10 (vollkommen frei). Deutschland schnitt 2014 mit 7,58 Punkten nahezu identisch ab wie im Vorjahr. Seit 2007 schwankt das Gesamtergebnis für Deutschland von Jahr zu Jahr nur wenig.

2014 auf Rang 30 liegend gehört Deutschland so regelmäßig zu den 25 % wirtschaftlich freiesten Ländern der Welt. Andere EU-Länder wie Irland, Großbritannien, Litauen, die Niederlande, Österreich, Belgien, Portugal oder Schweden gehören ebenfalls zu dieser Gruppe. Andere EU-Länder finden sich erst im zweiten Quartil wieder, zum Beispiel Polen, Bulgarien, Spanien, Frankreich und Italien. Einige EU-Mitgliedsstaaten sind erst im dritten Quartil zu entdecken, namentlich Kroatien, Griechenland und Slowenien.

Fünf Komponenten

Der Index für wirtschaftliche Freiheit des Fraser Institutes wird auf Grundlage von fünf Teilbereichen berechnet, die abermals aus insgesamt 42 Kategorien bestehen. Die fünf Komponenten decken ab "Größe des Staates", "Rechtssystem und Eigentumsrechte", "Solide Geldpolitik", "Internationale Handelsfreiheit" und "Regulierung".

Deutschland verschlechterte sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr in Bezug auf "Regulierung" und "Größe des Staates", konnte seine Situation seit der Zeit als "kranker Mann Europas" Anfang der 2000er Jahre jedoch verbessern.

Die gemessene "Internationale Handelsfreiheit" nahm seit 2000 allerdings deutlich ab, vor allem weil nicht-tarifliche Handelsbarrieren hinderlicher und der internationale Kapitalverkehr beschwerlicher wurden. Ähnliches gilt für das Maß "Rechtssystem und Eigentumsrechte". Hier ist die Verschlechterung vor allem zurückzuführen auf einen Rückgang der richterlichen Unabhängigkeit, eine weniger verlässliche Polizei und höhere Kosten durch Kriminalität für Unternehmen.

Das durchweg gute Abschneiden bezüglich der "Soliden Geldpolitik" ist vor allem einer niedrigen und wenig schwankenden Inflationsrate zu verdanken. Angesichts der geldpolitischen Experimente der EZB der vergangenen Jahre ist die durch dieses Maß gezeichnete Solidität jedoch trügerisch.

Wirtschaftliche Freiheit: Grobes Maß, aber hilfreich

Der Versuch, wirtschaftliche Freiheit zu messen, bringt unweigerlich Kompromisse mit sich. Vortrefflich lässt sich darüber streiten, welche Größen zu berücksichtigen sind und wie sie gewichtet werden sollen.

Zudem veranschaulicht der Fall Deutschland, dass eine Maßzahl für "die" wirtschaftliche Freiheit unweigerlich ein grobes Maß ist. Der Blick auf die einzelnen Komponenten des Indexes des Fraser Institutes hat gezeigt, dass sich hinter den aggregierten Daten unterschiedliche und auch gegensätzliche Entwicklungen verbergen können.

Orientierung bieten derartige Indizes dennoch. Sie zeigen an, ob sich ein Land in eine wünschenswerte Richtung bewegt und von welchen Ländern es zu lernen gilt.

Schutz vorm nächsten Abschwung

Leider wird die Große Koalition seit Ende 2014 mit Maßnahmen wie dem Mindestlohn dazu beigetragen haben, dass die wirtschaftliche Freiheit seit 2014 nicht wieder anstieg und der nächste Abschwung umso schmerzhafter wird.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist derzeit gut, die Steuereinnahmen hoch und die Ausgaben für Sozialtransfers niedrig. Die Regierung sollte gerade in diesen Zeiten die wirtschaftliche Freiheit beispielsweise durch Steuersenkungen und den Rückbau von Regulierungen weiter ausbauen, auch um die negativen Auswirkungen des gewiss kommenden nächsten Abschwungs zu mildern.

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