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"New Deal" für Europa: Dezentralismus wagen!

Angesichts der Krisen in Europa werden immer wieder Rufe nach mehr Zentralisierung auf Ebene der EU laut. Beobachter, die eine zentralistische Perspektive einnehmen, nehmen dezentralistische europäische Strukturen als chaotisch wahr. Sie wollen Abhilfe schaffen durch Zentralisierung, damit das in Europa vorgefundene politische System eher dem Idealtypus eines zentralistischen politischen Systems entspricht. Ein Europa, in dem hunderte Millionen selbstbestimmter Bürger ihren eigenen Zielen nachgehen, braucht jedoch nicht mehr Zentralisierung, sondern weniger.

Dezentralismus und Zentralismus als Organisationsformen

Dezentralismus und Zentralismus können als zwei alternative Formen angesehen werden, die bestehende Systeme oder idealtypische Systeme beschreiben. Dabei zeichnen sich zentralistische Systeme durch die Existenz eines einzigen konstanten Entscheidungsorgans aus, das die Aktivitäten der übrigen Teile des Systems koordiniert. Dezentralistische Systeme sind dagegen durch die Existenz einer Vielzahl von autonomen Entscheidungszentren gekennzeichnet, die ihre Pläne miteinander koordinieren.

Dezentralismus und Zentralismus als Betrachtungsweisen

Dezentralismus und Zentralismus können jedoch auch als zwei alternative Perspektiven betrachtet werden, die wir einnehmen, wenn wir politische Systeme einschätzen. Der Blick durch eine zentralistische Brille sucht, identifiziert und hebt ein konstantes zentrales Entscheidungsorgan in einem politischen System hervor. Der Blick durch eine dezentralistische Brille sucht nach mehreren und wechselnden Entscheidungszentren in einem politischen System. Der zentralistische Standpunkt ist besser geeignet für die Betrachtung zentralistischer Systeme, wohingegen der dezentralistische Standpunkt dem Verstehen dezentralistischer Systeme zuträglicher ist.

Die falsche Betrachtungsweise wird zum Problem

Problematisch wird es, wenn ein bestimmtes System aus der falschen Perspektive betrachtet wird. Die meisten Beobachter haben heutzutage eine zentralistische Brille auf. Sie suchen unabhängig von der Natur des betrachteten Systems nach einer zentralen Entscheidungsinstanz und den dazugehörigen hierarchischen Strukturen. Wird ein dezentralistisches System aus einer zentralistischen Perspektive betrachtet, wird entweder fälschlicherweise ein einziges Entscheidungszentrum identifiziert, obwohl keines vorhanden ist, oder der zentralistische Betrachter kommt zu dem Schluss, das Chaos herrsche vor.

Durch eine zentralistische Brille erwecken dezentralistische Strukturen einen ungeordneten Eindruck. Wer jedoch einen dezentralistischen Standpunkt einnimmt, erkennt, dass Ordnung auch in dezentralistischen Systemen herbeigeführt wird - nicht von oben verordnet, sondern spontan durch die Interaktion der Teilnehmer an politischen Prozessen.

Auch Europa lebt von der Vielfalt, nicht der Einfalt

Das Prinzip der Subsidiarität wird von EU-Politikern häufig beschworen und trotzdem regelmäßig missachtet. Immer umfassendere Kompetenzen werden von der regionalen auf die nationale und von der nationalen auf die europäische Ebene verlagert. Dabei stellt eine Vielzahl von Entscheidungszentren auf unterschiedlichen Ebenen, die sich abstimmen, in Wettbewerb miteinander stehen, Konflikte austragen und lösen, die Grundlage eines anpassungsfähigen politischen Systems dar. Europa kann den Bürgern nur als dezentralistisches System Raum zur freien Entfaltung lassen. Es ist an der Zeit, mit dem zentralistischen System als Idealtyp zu brechen und eine dezentralistische Perspektive einzunehmen, um Vielfalt besser zu verstehen und zu erhalten.

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