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Newsletter Geld & Banken: Das Vertrauen nimmt zu und die Inflation bleibt niedrig. Alles unter Kontrolle?

Die Zahlen suggerieren ein Ende der Rezession. Einerseits hat das zu einer Reduzierung des monatlichen Ankaufvolumens der Federal Reserve in den USA geführt, andererseits hat die EZB abermals versprochen, die Zinsen niedrig zu halten. Derweil wissen die Verantwortlichen der EU nicht, wie sie mit der Bankenwelt umgehen sollen.

Zuversicht der Politiker nimmt zu. Gerechtfertigter Optimismus?

Trotz der schwachen Hinweise auf eine Trendumkehr, wurden die Entwicklungen auf den Märkten für Aktien und andere Vermögenswerte in Europa und den USA von Politikern als Beweise für eine sich erholende Wirtschaft angeführt. Findet eine solche Erholung statt?

Über die Feiertage haben europäische Politiker weiterhin ihrem Vertrauen in die Krisenpolitik Ausdruck verliehen: Ihrer Ansicht nach wurde der Tiefpunkt der Rezession passiert, die ersten Züge der Erholung erreicht und der Euro gerettet.

Gibt es empirische Hinweise, die diesen Optimismus unterstützen? Zunächst ein Blick auf die Märkte. Der Preis für Gold, gewöhnlich ein Hafen für den pessimistischen Anleger, fiel 2013 um 28%. Die Aktienmärkte zogen deutlich an. Die Versicherung der EZB "alles Notwendige zu tun" (whatever it takes) schwächte die Angst vor weiteren Staatenpleiten ab und führte in den meisten Ländern zu den niedrigsten Zinsen auf Staatsanleihen seit Ausbruch der Krise. So zahlte Italien durchschnittlich für kurzfristige Kredite nur etwas über 2%, wodurch die Zinszahlungen für 2014 um 6 Milliarden Euro geringer ausfallen werden als budgetiert.

Eurostat hat einige positive Zahlen veröffentlicht. Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone stiegen im November um 1,3% (im Oktober waren sie noch um 0,4% gefallen). Die Arbeitslosenrate lag in der Eurozone im November bei 12,1%, unverändert seit April. Zudem hat Eurostat eine Inflationsprognose für Konsumgüter von 0,8% für Dezember abgegeben. Im November waren es noch 0,9%. Allerdings wurden auch Preisdaten für Industriegüter veröffentlicht, die einen Preisrückgang für November zeigen (allerdings nur um 0,1%).

Die Anzeichen einer Erholung, die dem Optimismus zugrunde liegen, belaufen sich auf wenig mehr als minimale Verbesserungen der Zahlen: Ein geringer Rückgang der Geschwindigkeit mit der die Staatsschulden zunehmen und ein schwacher Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in einigen europäischen Ländern.

Wir sind deshalb weniger geneigt, durch die Entwicklung der letzten Monate die Chancen einer Trendwende 2014 höher einzuschätzen. Der Blick in die Zukunft deutet auf weiterhin steigende Staatsschuldenquoten hin. Die Arbeitslosenquote wird sich über Jahre hinweg auf dem Niveau von 12,1% bewegen und die Wachstumsaussichten schmälern. Zudem wird die Preisstabilität dafür sorgen, dass die realen Staatsschuldenniveaus und die realen Zinskosten konstant bleiben, wodurch die Vorteile niedriger Zinsen zunichte gemacht werden.

Wenn der Optimismus der Politiker nicht gerechtfertigt ist, könnten Arbeitslosigkeit und mögliche Staatspleiten die soziale Ordnung gefährden. Deflation könnte diesen Tendenzen entgegenwirken. Allerdings geben die Details kürzlich veröffentlichter Daten Anlass zur Sorge. Auch wenn die Konsumgüterpreise fallen, müssen Menschen Mittel für Lebensmittel aufwenden. Die Preisdaten zeigen einen Anstieg der Inflation für Lebensmittel relativ zu den anderen Bestandteilen des Preisindexes (Energie, Dienstleistungen und Nicht-Energie Industriegüter).

Aus diesen Gründen erwarten wir, dass das Vertrauen der Bürger in die Politik und die nationalen und internationalen Organisationen weiter abnehmen wird. Diese Entwicklung wird 2014 die Geister zu hoher Staatsverschuldung wecken und den Weg zurück in eine weniger stabile Nachkrisenzeit führen.

Notenbanken: Ankaufprogramme werden gekürzt, aber nur in den USA

Die Kürzung der Ankaufprogramme wurde von den Märkten nur positiv aufgenommen, weil gleichzeitig die Fortsetzung expansiver Geldpolitik versichert wurde.

Die Reaktionen der Anleger auf die Ankündigung der Federal Reserve der USA am 18. Dezember, dass sie das Ankaufvolumen zurückfahren werde, waren positiv. Der Dow Jones hat inflationsbereinigt den seit 14 Jahren höchsten Stand erreicht und der S&P 500 legte 2013 27% zu.

Viele der zurückhaltend pessimistischen Analysten wurden eines Besseren belehrt. Sie hatten erwartet, dass die Märkte nach einer solchen Ankündigung durch die Federal Reserve fallen würden. Noch im September waren die Kurse gefallen, als die Kürzung der Ankaufprogramme der Federal Reserve erwartet worden waren.

Dass es nicht zu einer Panik auf den Märkten gekommen ist, wurde von führenden Medienvertretern als Beweis dafür gedeutet, dass die Geldpolitik der Federal Reserve die USA aus der Rezession führen. Allerdings deuten die Geschehnisse vielmehr darauf hin, dass Bewegungen an den Aktienmärkten im direkten Widerspruch mit Bewegungen von Indikatoren aus der Realwirtschaft stehen. Als im August in Großbritannien die Einzelhandelsumsätze unerwartet anstiegen und in den USA die Zahl der Arbeitslosen auf den niedrigsten Stand seit 6 Jahren fielen, sind die Kurse an den Börsen in den USA und Europa zurückgegangen. Die Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch ist, dass die Investoren von der lockeren Geldpolitik abhängig waren und Angst hatten, die positiven Zahlen könnten eine weniger expansive Geldpolitik zur Folge haben.

Aber mit den Ankündigungen der Federal Reserve im Dezember ging die Versicherung einher, dass die Anleger nichts zu befürchten haben. Obwohl die Überschriften von einem Rückgang der Ankaufprogramme von monatlich 85 Milliarden Dollar um 10 Milliarden Dollar dominiert wurden, war die tiefergehende Nachricht: Die Zinsen werden weiterhin niedrig bleiben. Die expansive Geldpolitik "werde auch fortgesetzt, wenn die Arbeitslosenrate unter 6,5% fällt, insbesondere solange die prognostizierte Inflationsrate unter dem Zielwert liegt" von 2%. Das ruft ein Zitat von Englands Zentralbanker Andrew Haldane aus dem Juli des vergangenen Jahres in Erinnerung:"Wir haben absichtlich die größte Staatsanleihenblase der Geschichte herbeigeführt. Dort stehen wir heute. Wir müssen deshalb die Konsequenzen im Blick haben, zu denen es kommen kann, wenn die Luft schneller aus der Blase entweicht als uns lieb ist."

Bankwesen und die Volcker-Regel

Trotz der Zuversicht, dass sich die Regulierung der Banken verbessert, ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Banken so niedrig wie nie zuvor. Werden die Volcker-Regel in den USA oder die Bankenunion in Europa signifikante Verbesserungen herbeiführen und das Vertrauen in die Banken stärken?

Im vergangen Jahr ließen sich zwei gegenläufige Beobachtungen machen. Einerseits kamen Hinweise auf immer abstoßenderes Fehlverhalten von Bankern ans Licht. Andererseits sind Politiker zuversichtlich, dass neue Regulierungen ihre Wirkung entfalten werden.

Bezüglich des Fehlverhaltens: Im Dezember entging JP Morgan, die in Verdacht steht, mit Madoff zusammengearbeitet zu haben, einer gerichtlichen Strafverfolgung durch eine außergerichtliche Einigung mit den Strafverfolgungsbehörden. In Großbritannien wirft ein Bericht der Royal Bank of Scottland vor, systematisch Insolvenzen ihrer Kunden hervorgerufen zu haben, um dann günstig deren Vermögenswerte aufkaufen zu können.

Dennoch behaupten Beamte in den USA und Europa, große Schritte unternommen zu haben, um Steuerzahler vor den Kosten zukünftiger Bailouts von Banken zu schützen.

In den USA wurde die neue Ära der Bankenregulierung durch die Volcker-Regel eingeläutet, die den Eigenhandel von Banken einschränkt. In Europa steht eine Bankenunion im Raum, von der immer wieder berichtet wird, es bestehe eigentlich Einigkeit bezüglich ihrer Ausgestaltung.

Auch Vertreter der Leitmedien scheinen jedoch verstanden zu haben, dass die Details der Volcker-Regel nicht zur plakativen Rhetorik passen. Die Möglichkeit, einfache Regeln zu schaffen, wurde nicht ergriffen, denn das im Dezember veröffentlichte Regelwerk erstreckt sich auf 953 Seiten.

In Europa haben sich die Diskussionen als aufreibend erwiesen. Angesichts bevorstehender Wahlen ist es gut möglich, dass man sich auf eine Lösung einigt, die die wirklich kniffeligen Probleme umgeht und sie als später zu erörternde Details verharmlost. Zwei sind besonders gewichtig. Erstens, Uneinigkeit darüber, ob nationale oder internationale Aufsichtsbehörden damit betraut sein sollen, das Abwicklungsverfahren in Gang zu setzen, hat bereits zu einem sehr komplizierten Liquidationsverfahren geführt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Mittel des Banken-Abwicklungsfonds rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden, um die Ansteckungsgefahren zu vermeiden, zu deren Verhinderung der Abwicklungsfonds aufgelegt werden sollte. Zweitens, der Umfang des europaweit geplanten Fonds ist sehr gering. 55 Milliarden Euro ist bereits weniger als die Bank von England in Form von zusätzlichem Eigenkapital von den großen Banken Großbritanniens gefordert hat, allein um die regulatorischen Auflagen zu erfüllen. Es besteht das Risiko, dass der gemeinsame Banken-Abwicklungsfonds ausschließlich Symbolcharakter aufweisen wird.

Möglicherweise besteht der Grund für Europas Schwierigkeiten, sich auf Details der gemeinsamen Bankenabwicklung zu einigen, weil Deutschlands Verhandler befürchten, tiefgreifende Probleme im Bankwesen bleiben unberührt oder werden durch neue Regulierungen gar verstärkt.

Ein solches Beispiel ist die Re-Hypothekatisierung. Bei der Re-Hypothekatisierung nutzen Banken die ihnen von Kunden gestellten Sicherheiten (z.B. ein Einfamilienhaus) zur Besicherung von Darlehen, die sie selbst aufnehmen. Der Zusammenbruch von Lehman Brothers führte zu Problemen bei Hedge Fonds, die der Re-Hypothekatisierung zugestimmt hatten und die Anwendung der Re-Hypothekatisierung schien zurückzugehen. 2012 ging man davon aus, Re-Hypothekatisierung sei nicht länger gestattet, insbesondere als der Zusammenbruch von MF Global ein erstaunliches Volumen von unrechtmäßigen Re-Hypothekatisierungen aufdeckte. Dennoch wurde die Re-Hypothekatisierung durch den Basler Ausschuss im September wieder legitimiert.

Dieser Kurswechsel blieb nicht unbemerkt und wurde stark kritisiert. Es wird befürchtet, dass es unmöglich ist, zu überprüfen, ob die durch Basel geforderte nur einmalige Wiederverwendung einer Kundensicherheit im Rahmen einer Re-Hypothekatisierung eingehalten wird. Außerdem ist die Idee, man könne den ursprünglichen Darlehensnehmer schützen, indem man die Wiederverwerter der Sicherheiten dazu anhält, die Regeln der Einlagen des Wiederverwerters an den neuen Darlehensgeber anzupassen, lediglich Wunschdenken.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aufsichtsbehörden abermals nicht verstehen, wie das Leverage (das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital) im Bankensystem im Verborgenen erhöht wird. Die Aufseher werden vermutlich wieder einmal überrumpelt, während die Banken Methode nach Methode suchen und finden, um das Leverage im Finanzsystem zu erhöhen.

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