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Newsletter Geld & Banken: Vermögenswertblasen werden zu politischen Blasen

In der ersten Phase der derzeitigen Finanzkrise behaupteten Politiker und Experten, die Banken müssten gerettet werden - koste es was es wolle. Über die Jahre verlor diese Überzeugung an Unterstützung. Die Krise hat zu Führungswechseln in mittlerweile 10 der 17 Euro-Mitgliedsländer beigetragen (Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Spanien, Slowenien, Slowakei, Niederlande, Frankreich und Zypern). Nahezu alle Regierungen werden derzeit von Koalitionen gestellt. Wie die Uneindeutigkeit der Wahlergebnisse die Verunsicherung der Wähler widerspiegelt, so verunsichert sind auch die Entscheider der Koalitionsregierungen. Ein jeder scheint darauf bedacht zu sein, lediglich auf den fahrenden Politikzug aufzuspringen, oder auf der Suche nach Mitteln zu sein, die verhindern, selbst zum nächsten Zypern zu werden.

Das Führungspersonal auf der Suche nach einer Orientierungshilfe

Während des Rückgangs der Zuversicht der Regierungen haben die Regierungen öffentlich bekundet, dass expansive Geldpolitik in Kombination mit der Rettung der Banken und die vorausgenommene (aber noch nicht vereinbarte) Bankenunion dazu führen wird, dass das Wachstum in den EU-Ländern wieder anzieht und die Staatsschulden unter Kontrolle gebracht werden.

Diese Hoffnungen wurden nicht bestätigt. Im Gegenteil. Hinweise auf das Ausbleiben einer Wiederbelebung der Wirtschaft ereilen uns derzeit monatlich in Form von Nachrichten über eine abermalige Zunahme der Arbeitslosigkeit in der Eurozone. Im Mai ist die Arbeitslosenquote um 0,1% auf 12,1% gestiegen.

Jüngst ist politische Orientierungslosigkeit in Bulgarien und Portugal wieder offenbar geworden. Die Vorgängerregierung Bulgariens stürzte über Vorwürfe, sie unterhalte zu nahe Beziehungen zu ausländischen Monopolisten. Die anschließenden Wahlen haben zu einer Koalition unter der Führung der links vom Zentrum angesiedelten Partei von Plamen Oresharski geführt, die sich derzeit aufgrund von Korruptionsvorwürfen in Schwierigkeiten befindet. Bulgariens Präsident Rosen Plevneliev hat am 6. Juli angedeutet, dass es abermals zu Wahlen kommen könnte, um den täglich in Sofia stattfindenden Protesten entgegenzuwirken.

Portugals repräsentatives Staatsoberhaupt musste ebenso wie Bulgariens in der letzten Zeit Überstunden machen. Wir haben an dieser Stelle bereits auf die Bestrebungen verschiedener Länder hingewiesen, sich den Sparmaßnahmen zu entziehen im Tausch für das Versprechen von zukünftigen strukturellen Reformen. Anfang Juli war die Sparpolitik derart diskreditiert, dass der Außenminister Portugals am 2. Juli aus Protest gegen die sich für eine Sparpolitik aussprechende neue Finanzministerin Maria Luis Albuquerque zurücktrat - Sparpolitik wird hier definiert als die Einhaltung der in Zusammenhang mit den Hilfpaketen vereinbarten Auflagen. Portugals Präsident Anibal Cavaco Silva scheint die Koalition zusammengehalten zu haben, allerdings mehr und mehr mit Hilfe der EZB. Niemand weiß jedoch, wie lange die Unterstützung durch die EZB anhalten wird. Ironischerweise wurde Portugals Position durch Hilfsmaßnahmen (Portugal erhält Hilfe vom Europäischen Stabilitätsmechanismus) geschwächt, weil Portugal dadurch nicht Teil des Programms der EZB zum Ankauf von Staatsanleihen (Outright Monetary Transactions) sein kann.

Die Befürchtung, Portugals Koalition könnte zerbrechen, führte zu einem Anstieg der Zinsen auf 10jährige Staatsanleihen von 5,67% im Mai auf zwischenzeitlich 8%. Die Zinsen wären gewiss weiter gestiegen, hätte die EZB nicht interveniert und angekündigt, dass sie, wenn nötig, portugiesische Anleihen kaufen würde.

Die Bemühungen von Präsident Silva, die Koalition am Leben zu erhalten, sind maßgebend, weil eine stabile Regierung notwendig ist, um die im Gegenzug für die erhaltenen Hilfsmittel gemachten Versprechungen einzuhalten. Trotzdem sind die Neuigkeiten zweideutig. Portugal wird ein weiteres Hilfpaket in Anspruch nehmen müssen. Und das zweite Hilfspaket wird weitere Fragen aufwerfen. Beispielsweise könnte die Glaubwürdigkeit der Institutionen in Frage gestellt werden, die das erste Hilfspaket in Höhe von 78 Milliarden Euro im Jahre 2011 geschnürt haben. Zudem wird diskutiert werden, ob Portugal sich jemals im Rahmen des Euros wird erholen können oder ob es für Portugal ratsam ist, wieder eine eigene Währung einzuführen - eventuell nach der Einstellung der Zahlungen an seine Gläubiger.

Institutionen auf der Suche nach Glaubwürdigkeit

Eine weitere Organisation mit Problemen hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit ist die Bank of England, die britische Zentralbank. Am 1. Juli hat Mark Carney den scheidenden Vorsitzenden Mervyn King abgelöst. King wurde mehr und mehr als exzentrisch und unverfroren wahrgenommen. Eine Aussage von King aus dem Jahre 2010, in der er die gegenwärtige Organisation des Bankenwesen als die schlechteste aller möglichen Varianten bezeichnete, scheint darauf hinzuweisen, dass er zu den Aufsehern gehört, die sich der Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen entziehen. Die angeseheneren Direktoren der Bank of England, wie Andy Haldane, sind sehr beunruhigt. In einer Rede vor dem Parlament hat Haldane am 11. Juni darauf hingewiesen, dass er die Staatsanleihenblase mittlerweile für die größte Gefahr für die Stabilität des britischen Finanzsystems erachte. Dieser Aussage folgend machte Haldane das bemerkenswerte Zugeständnis, dass die Zentralbanken absichtlich die größte Staatsanleihenblase der Geschichte herbeigeführt hätten.

Worin könnte der Beitrag von Mark Carney bestehen? Finanzminister Osborne ist optimistisch und bezeichnet Carney regelmäßig als den besten Zentralbanker seiner Generation. Die Zukunft wird zeigen, ob Osborne Recht behalten soll.

Märkte auf der Suche nach konsistenter Geldpolitik

Die relative Ruhe auf den Märkten bis April dieses Jahres wurde als Zeichen des Erfolges der koordinierten Bemühungen der Zentralbanken interpretiert. Investoren wussten, dass es durch die monatlichen Ankäufe von Vermögenswerten durch die Fed in Höhe von 85 Milliarden Euro (zur Hälfte je US-amerikanische Staatsanleihen und durch Hypotheken besicherte Wertpapiere) und der Ankündigung der EZB, "unbegrenzt" Staatsanleihen im Rahmen der OMTs und weiter Anleihen zu kaufen, riskant wäre, auf fallende Kurse von Anleihen zu setzen.

In der Retrospektive scheint die Ruhe auf den Märkten von September 2012 bis April dieses Jahres nicht dem Vertrauen in die politischen Lösungen geschuldet zu sein, sondern der Angst, gegen die Zentralbanken zu wetten und zu verlieren. In anderen Worten, die Fed war wirklich überzeugt, dass ihre Politikmaßnahmen wirken würden und schon in naher Zukunft die Zinspolitik "normalisiert" werden kann. Die amerikanischen Investoren sind besorgt und richten ihre Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der Zinsen auf 10jährige Staatsanleihen - die von 1,61% im April auf 2,61% im Juli gestiegen sind - als Zeichen der "Normalisierung". Auf dieser Seite des Atlantiks scheinen die Europäer das Ende der Episode in Amerika abzuwarten, ohne selbst ein Drehbuch für den Ausgang zu haben. Das ist eine Erklärung für die hohe Volatilität der vergangenen Wochen, die möglicherweise noch zunehmen wird, sollte der Inflationsdruck wachsen und den Zentralbankern zusätzliche Kopfschmerzen bereiten.

Es ist nicht überraschend, dass die Investoren sofort reagieren, wenn Zweifel an der Stabilität des Konsens zwischen Bernanke, Carney, Draghi und anderen angebracht sind. Portugal bietet ein gutes Beispiel. Gerade als die Fed mit dem Gedanken spielte, dem System Liquidität zu entziehen, war die EZB gezwungen, ihre Möglichkeiten und Bereitschaft, Liquidität bereitzustellen, zu betonen. Die EZB musste signalisieren, dass die Zinsen auch in der langen Frist auf niedrigem Niveau verharren werden, um Probleme in der kurzen Frist zu vermeiden.

Das Problem mit den Banken, das in Europa besonders ausgeprägt zu sein scheint, trägt zu den unterschwelligen Spannungen bei und verdient Aufmerksamkeit. Das Bankenproblem ist nicht nur ein Problem fehlender Führungsstärke und Visionen. In einigen Fällen scheint betrügerisches Verhalten zu beobachten zu sein. Am 23. Juni wurden Tonbandaufnahmen von Telefonaten zwischen Mitgliedern des gehobenen Managements der geretteten irischen Bank Anglo Irish veröffentlicht, die nachvollziehen lassen, wie die Zentralbank dazu gebracht wurde, der Bank Hilfmittel im Jahre 2008 zur Verfügung zu stellen. Als die Krise ausbrach wurde den Zentralbankern mitgeteilt, eine Unterstützung in Höhe von 7 Milliarden Euro sei ausreichend. Die Tonbandaufnahmen machen jedoch deutlich, dass die Schätzung hinterlistig war: die Schätzung war niedrig genug, um die Zentralbank zu einer Rettungsaktion zu bewegen, obwohl die Manager von Anglo Irish bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wussten, dass die Hilfsleistung bei weitem nicht ausreichen würde. Die irischen Steuerzahler waren erzürnt als sie mittels der Tonbänder lernten, dass sich der Leiter des Privatkundengeschäfts der Anglo Irish die Summe von 7 Milliarden Euro lediglich ausgedacht hatte.

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