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Olympische Spiele: Keine lohnende Investition
Hamburg ist „Feuer und Flamme“

Der deutsche Bewerber für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 steht fest. Nachdem sich zuletzt abzeichnete, dass die Berliner Bevölkerung für eine Olympia-Bewerbung nicht zu begeistern ist, fiel die Wahl auf Hamburg. Lokalpolitiker der Hansestadt rühren bereits eifrig die Werbetrommel und versprechen den Hamburger Bürgern neue Jobs, Investitionen in die Stadtentwicklung und hohe Einnahmen aus dem Olympia-Tourismus.

Doch die historische Erfahrung zeigt: Ein Olympia-Wirtschaftswunder wie 1992 in Barcelona lässt sich aufgrund der hohen Unsicherheit über Kosten und Verlauf der Spiele nicht im Vorhinein planen. Zwar profitieren einzelne Gruppen wie die Baubranche und auch die Kommunalfinanzen werden nicht belastet, doch die Kosten werden auf die Gesamtheit der deutschen Steuerzahler umgelegt. Mit Boston und Paris haben zwei Konkurrenten Hamburgs bereits ein Konzept vorgelegt, das sich auf eine private Finanzierung stützt. Solch eine Alternative wäre sowohl für Hamburg als auch die Steuerzahler lohnend.

Ein zweites Barcelona an der Elbe?

Die Sommerspiele 1992 waren für den bis dahin wenig entwickelten Industriestandort Barcelona finanziell ein voller Erfolg. Innerhalb von sieben Jahren wurde die Stadt zum Meer hin erschlossen, der Hafenbereich saniert und dem Stadtkämmerer gelang es, Milliardenbeträge von der EU und der spanischen Regierung einzuwerben. Heute gehört Barcelona zu den fünf beliebtesten europäischen Tourismuszielen.

Der olympiabedingte Aufstieg der Mittelmeerstadt befeuert seitdem das „Barcelona-Syndrom“: Sich um die Austragung der Spiele bemühende Städte verkaufen die Olympischen Spiele gegenüber ihrer Bevölkerung und den Regional- und Landesregierungen als lohnendes Investitionsprogramm, das Jobs und Investitionen bringt und finanziell angesichts der zu erwartenden Gewinne verkraftbar ist. Auch die Spiele 1964 in Tokio, 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul werden gerne als Beleg für die sichere Olympia-Rendite genannt.

Demgegenüber stehen die finanziellen Debakel in Montreal 1976, Sydney 2000, und Athen 2004. Am bisher teuersten stellten sich die Winterspiele 2014 im russischen Sotschi heraus: Die Ausgaben werden auf 50 bis 65 Milliarden US-Dollar geschätzt und dürften die offiziell nicht ausgewiesenen Einnahmen damit um ein Vielfaches übersteigen. Wie auch bei anderen öffentlichen Großprojekten liegen die tatsächlichen Kosten in der Regel über den ursprünglich veranschlagten.

Olympische Spiele sind keine sichere Investition

Die mit der Austragung der Olympischen Spiele einhergehenden Kosten und zu erwartenden Gewinne sind im Vorhinein nur schwer einzuschätzen. Nicht nur, dass die Baukosten im Nachhinein oft steigen, auch sind die Einnahmen aus dem Tourismus schwer planbar. Wie die geschaffene Infrastruktur – Stadien, olympische Dörfer, ÖPNV-Ausbau – im Nachhinein genutzt werden kann, ist von vielen Faktoren abhängig. So sahen die Planungen für Sotschi vor, die Stadt auch nach den Winterspielen zur ganzjährigen Tourismusmetropole zu entwickeln. Tatsächlich kommen heute kaum mehr Touristen in die Stadt als vor Abhaltung der Winterspiele.

Auch politische Entscheidungen spielen eine Rolle für die Entwicklung der Kosten. Athen lässt sein olympisches Dorf verfallen. München hat es in einen Studentenwohnkomplex umgewandelt. Das in Peking gebaute zusätzliche Flughafen-Terminal wird auch nach den Spielen genutzt. Auf die Nutzung des fast eine halbe Milliarde teuren Olympiastadiums wird dagegen bewusst verzichtet – instandgehalten werden muss es trotzdem. Im Nachhinein lässt sich leicht erklären, welche speziellen Faktoren zu den Erfolgen von Barcelona und Seoul führten, doch die Planungsunsicherheit im Vorhinein macht Olympische Spiele zu einer riskanten Investition.

Für private Unternehmen, die die Konsequenzen einer Fehlinvestition selbst tragen, können auch hochriskante Investitionen sinnvoll sein. Das Scheitern einzelner Unternehmen ist aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive nicht problematisch, sondern im Gegenteil für das Funktionieren der Marktwirtschaft notwendig. Die Verteilung von Risiken auf einzelne Unternehmen macht die Gesamtwirtschaft robuster. Es sprechen jedoch Gründe dafür, dass staatliche Investitionsentscheidungen besonders risikoscheu ausgestaltet werden sollten: Durch sie sind weitaus mehr Menschen betroffen, die Kosten und Gewinne sind intransparent verteilt und die geringe Frequenz und lange Laufzeit staatlicher Investitionen erschweren das Lernen aus vergangenen Fehlern. Auch Kommunen sollten von allzu risikoreichen Investitionen absehen und diese dem Privatsektor überlassen.

Konzentrierte Gewinne, verteilte Kosten

Es ist irreführend, ganzen Kommunen oder gar Staaten einen finanziellen Gewinn aus der Abhaltung Olympischer Spiele zu versprechen. Vielmehr profitieren einzelne Gruppen in der Austragungsstadt stark: Hoteliers, die Baubranche, Beschäftigte in touristiknahen Unternehmen, Nutzer der lokalen Infrastruktur. Andere Gruppen wie die Steuerzahler anderer Regionen oder um Touristen konkurrierende andere Städte tragen dagegen Teile der Kosten, partizipieren am Gewinn jedoch nicht.

Stark von den Olympischen Spielen profitieren würde etwa die Hamburger Hafenwirtschaft. Der Senat hat den am Hafen angesiedelten Unternehmen, die aufgrund der Olympischen Spiele umziehen müssten, bereits versprochen, die zu erwartenden Kosten zu übernehmen und den Hafen stark auszubauen. Von solchen Olympia-bedingten Investitionen profitieren zwar die meisten in Hamburg lebenden Arbeitnehmer und Unternehmen. Doch aus rein finanzieller Sicht wäre der Einsatz der knappen kommunalen Mittel für konventionelle Investitionsprogramme zur Stadtentwicklung vermutlich billiger und weniger riskant.

Doch aus Sicht des Städtekämmerers sind die Spiele in jedem Fall ein Plusgeschäft: Hamburg kann auf Basis früherer Erfahrungen damit rechnen, dass der Bund, also die Gesamtheit der deutschen Steuerzahler, bis zu 50% der entstehenden Kosten von über 2 Mrd. Euro übernehmen wird. Ohnehin geplante Investitionen zur Städteentwicklung wie die Erschließung urbaner Randgebiete, der Ausbau des Hafens und des ÖPNV können so durch die Steuerzahler anderer Länder mitfinanziert werden. In langfristiger Perspektive kommen kaum zusätzliche Investitionen zustande, doch die Verteilung der Kosten ändert sich zugunsten der Austragungsstadt. Dass die Kosten breit über alle Steuerzahler verteilt werden, während die Gewinne konzentriert realisiert werden, erklärt, weshalb sich nur wenig Protest gegen die Olympia-Pläne Hamburgs regt.

Private Finanzierung als Alternative

Mit Boston wirbt ein Konkurrent Hamburgs in seinem Olympia-Konzept für eine weitgehend durch private Mittel finanzierte Austragung der Olympischen Spiele. Die städtische Regierung hat dort erklärt, weder kommunale noch Mittel des Bundesstaates bereit zu stellen. Sowohl der Bau des olympischen Dorfes als auch der der Sportstätten wird privat finanziert, ein Infrastrukturausbau ist kaum nötig. Ein solches alternatives Finanzierungskonzept ist kein Novum: 1984 führte Los Angeles privat finanzierte Sommerspiele mit Erfolg durch, 1996 Atlanta.

Sofern genug individuelle Unternehmen an der Finanzierung beteiligt sind, kann sowohl das Problem der mit den Olympischen Spielen verbundenen hohen Kosten als auch das Problem verstreuter Kosten gelöst werden. Stellen sich einzelne Investments als unprofitabel heraus, haften die Unternehmenseigner und die betreffenden Firmen scheiden eventuell aus dem Markt aus. Durch das Scheitern einzelner Unternehmen werden aber weder ganze Industrien noch die städtischen Finanzen gefährdet. Der Steuerzahler wird an den Kosten nicht beteiligt, stattdessen verlangen die Veranstalter Eintritts-, Merchandise- und Lizensierungspreise, die ihre Kosten decken.

Paris hat sich von den positiven Erfahrungen amerikanischer Städte bereits inspirieren lassen. Auch für Hamburg könnte ein Privatfinanzierungskonzept lohnend sein, selbst wenn damit die Gewinne aus einem Barcelona-Szenario vor allem in private Hände fielen. Der Prestigegewinn durch die Austragung der Spiele käme dennoch der Stadt zugute.

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