Institute for Research in Economic and Fiscal issues

IREF Europe - Institute for Research in Economic and Fiscal issues

Für wirtschaftliche Freiheit
und Steuerwettbewerb


von ,

Politik verschleppt Bankeninsolvenzen weiter

Deutsche und italienische Banken stehen vor der Insolvenz und werden nur durch politisch organisierte Rettungsspritzen am Leben erhalten – exemplarisch dafür stehen die Deutsche Bank und die Monte die Paschi. Private Investoren haben die Geldinstitute ohne nachhaltiges Geschäftsmodell längst aufgegeben. Um den Anschein solventer Banken in der Euro-Zone aufrecht zu erhalten, sieht sich die EZB genötigt, die Zinsen weiter nahe Null zu halten.

Bankenrettung: Eine Frage von nationaler Bedeutung?

Die Deutsche Bank und die Monte dei Paschi und deren Schwierigkeiten stehen symbolisch für das deutsche und italienische Bankensystem. In den Medien wird die Botschaft verbreitet, dass die Lösung der Probleme dieser Banken auch die Lösung der Probleme des Bankensektors insgesamt bedeuten würde. Das Schicksal der beiden Problembanken ist daher sowohl in Deutschland als auch in Italien zu einer Frage von nationaler Bedeutung avanciert.

Die Politik sieht sich in der Verantwortung, auch wenn sie vordergründig nach einer Lösung sucht, die unter Beteiligung privater Investoren stattfindet und öffentliche Mittel nicht in Anspruch nimmt. Als problematisch erweist sich dabei, dass der Markt für Beteiligungen an notleidenden Banken praktisch zum Stillstand gekommen ist. Drei jüngere Vorgänge illustrieren dies.

Monte die Paschi: Keine Rettung in Sicht

Der für die Monte dei Paschi geschätzte Rekapitalisierungsbedarf in Höhe von 5 Milliarden Euro liegt in einer Größenordnung, die die derzeitige Marktkapitalisierung der Bank um das Zehnfache übertrifft. Anleiheemissionen sind aus der Sicht von Unternehmen natürlich sinnvolle Refinanzierungsinstrumente, sei es zur Finanzierung neuer Beteiligungen, oder – wie im Fall der italienischen Bank – zur Stärkung des Kapitals in Krisenzeiten.

Die Ausgabe zusätzlicher Aktien an derzeitige Aktionäre ist ein Instrument, das zur Finanzierung von Übernahmen oder auch zur Kapitalerhöhung strauchelnder Unternehmen regelmäßig eingesetzt wird. Aus Sicht von Investoren kann das interessant sein: Ein Anleger, der 100 € für Anteile bezahlt hat, die nun für 50 € gehandelt werden, mag sich entschließen, weitere 30 € in das Unternehmen zu investieren, wenn dadurch die Chance steigt, dass das Unternehmen sich wieder erholt. Die Aussicht, die Aktien später zum Nennwert von 130 € zu verkaufen, kann trotz eines höheren möglichen Verlusts attraktiver sein als die wahrscheinliche vollständige Abschreibung des ursprünglichen Investments von 100 €. Aber unter solchen Umständen wäre kein Investor bereit, das Zehnfache an Kapital nachzuschießen, wie es im Fall der Monte die Paschi nötig wäre.

Italienische Banken in der Krise

Darüber hinaus befindet sich nicht nur die Monte dei Paschi in einer problematischen Lage – die meisten italienischen Banken stehen vor Problemen. Notleidende, ausfallgefährdete Kredite machen rund 15 % aller Assets aus, während der Kapitalpuffer schätzungsweise höchstens 3 % der Kredite absorbieren kann. Nach Schätzungen liegt die Erholungsrate für notleidende Kredite bei 20 bis 30 %. Die Marktteilnehmer erwarten demnach, dass in Abwesenheit weiterer Maßnahmen der Überhang fauler Kredite eine Abschreibung in dreifacher Höhe der Kapitalisierung des italienischen Bankensystems impliziert.

Dennoch wagt man es in Italien bisher nicht, von einer „Bad Bank“ oder einer Kapitalspritze aus öffentlichen Mittel zu sprechen. Wir erwarten, dass einige italienische Banken die Eigenkapitalengpässe ignorieren und sich über den Handel mit ausfallgefährdeten Krediten „rekapitalisieren“ werden.

Banco Popolare die Bari: Rettung durch „Selbstbesicherung“

Die erste solche Transaktion wurde just für die Banco Popolare di Bari getätigt. Ein 471 Millionen € schweres Portfolio geplatzter Kredite wurde an eine Investmentgesellschaft mit dem Ziel der Verbriefung der Kredite verkauft – für unter 150 Millionen €. Wenngleich die EU den Vorgang billigte, besteht an der Angemessenheit dieses Verkaufspreises Zweifel, da Marktkräfte nur eine untergeordnete Rolle bei der Preisfindung spielten.

Die Investmentgesellschaft finanzierte den Ankauf, indem sie zwei Anleihen emittierte. Das erstrangige Wertpapier wurde an die Banco Popolare di Bari verkauft. Das zweitrangige Wertpapier wurde auf dem Markt emittiert, konnte jedoch nur 14 Millionen € einbringen. Für Investoren erschien das zweitrangige Wertpapier attraktiv, da es einen hohen Zinskupon versprach für den Fall, dass die eingetriebenen Zahlungen über die angenommenen Zahlungen des Investment-Grade Szenarios hinausgehen. Allerdings macht die von privaten Investoren gekaufte Tranche nur etwa 10 % des Verkaufspreises aus. Die Tranche erstrangiger Anleihen wurden von der Investmentgesellschaft an die Banco Popolare di Bari selbst verkauft.

In letzter Konsequenz handelt es sich bei dem Deal um eine „Selbstverbriefung“ der faulen Kredite durch die Banco Poplare di Bari. Was bezweckt die Bank durch diese Maßnahme? Indem sie ausgefallene Kredite durch ein Wertpapier mit Investment-Grade – Baa1 bei Moody’s – ersetzt, verbessern sich ihre regulatorischen Kapitalquoten merklich. Wir dürfen erwarten, dass andere italienische Banken demnächst ähnliche „Selbstverbriefungen“ vornehmen werden. Der „Verkauf“ ausgefallener Kredite spiegelt Rekapitalisierungssummen vor, die die tatsächlich durch die Emission der zweitrangigen Papiere eingesammelte Kapitalsumme bei Weitem übertrifft.

Deutsche Bank: Zweifel an Solvenz wachsen

Im Fall der Deutschen Bank verblüfft das Missverhältnis zwischen dem kursierenden Rekapitalisierungsbedarf (5 Milliarden €) und dem Bilanzvolumen der Bank (1,8 Billionen €) – einem Bilanzvolumen, das übrigens jegliche Risiken außerhalb der Bücher verschweigt, beispielsweise die Risiken, die durch Derivate entstehen, die mit Gegenparteien mittels üblicher Sicherheitenvereinbarungen „gehedged“ wurden. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Eigenkapitalinjektion in Höhe von 0,00278% des offiziell angegebenen Bilanzvolumens ausreichend Sicherheiten schafft, um Kunden und Gläubigern zu beruhigen, die jetzt oder zukünftig bereit sein dürften, ihre Geschäfte mit anderen Partnern zu tätigen.

Weshalb befördert die Deutsche Bank die Diskussion solch trivialer Vorgänge in den Medien? Der naheliegende Grund ist ernüchternd: Eine größere Kapitalspritze kann die Deutsche Bank schlicht nicht erwarten, denn sie ist zweifelslos insolvent, besitzt kein nachhaltiges Geschäftsmodell und kann sich nur noch durch den Verkauf von Assets und Personalabbau über Wasser halten. Ihre Level 3-Assets (Assets, für die kein Marktpreis definiert werden kann) liegen Berichten zufolge bei 29 Milliarden €, die Marktkapitalisierung der Bank nur bei etwa 20 Milliarden €.

EZB und Politik verschleppen Bankeninsolvenz

Diese drei Beispiele bestärken uns in der Einschätzung, dass Privatinvestoren in den zukünftig anstehenden Bankenrekapitalisierungen nur eine marginale Rolle spielen werden. Vielleicht dämmert den politisch Verantwortlichen langsam, dass die Investoren mit ihrer Einschätzung richtig liegen: Ein großer Teil der derzeit notleidenden Banken ist nicht mehr zu retten. Dem pflichten wir bei.

Die staatlich gestützten Rekapitalisierungsmaßnahmen werden dem Bankensektor noch etwas Zeit verschaffen, doch sie werden auch den Druck auf die EZB verstärken, die Zinsen weiter nahe Null zu halten. Solange das europäische System der Zentralbanken das Monopol für die Bereitstellung von Liquidität in der Euro-Zone hält, werden signifikant höhere Zinsen die Solvenzillusion des Bankensektors, die durch Transaktionen wie die obig Beschriebene kreiert wird, aufdecken. Keine der betroffenen Banken wäre in der Lage, ihre Finanzierungskosten bei einem Zinssatz von beispielsweise 2 % pro Jahr zu tragen.

Bild: Rosel Eckstein / pixelio.de

Diesen Artikel teilen :

Ähnliche Artikel ...

Seen and not seen: EZB-Geldpolitik und Zombie-Firmen

“Selbstbesicherung”: Nach Bari nun MPS und Unicredit?


Keine Rekapitalisierung: Die EZB-Politik ist gescheitert

Spekulation: Segensreich für die Marktwirtschaft



Eine Nachricht oder einen Kommentar hinterlassen?

Formular anzeigen

 css js

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
S C H L I E ß E N

Monatlicher Newsletter.
Bleiben Sie stets informiert.