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Private Altersvorsorge in Deutschland und den USA
Deutsche Sparer sind im Hintertreffen

1986 verkündete der damalige Bundesarbeits- und sozialminister Norbert Blüm vollmundig: „Die Rente ist sicher.“ Sicher mag sie sein, aber für die meisten Bürger nicht ausreichend, um den gewohnten Lebenswandel auch nach dem Austritt aus der Arbeitswelt zu pflegen. Deshalb wird die private Altersvorsorge heute vom Bund gefördert. Anstatt jedoch den Bürgern das Sparen durch bedingungslose Steuer- und Sozialversicherungsbegünstigungen schmackhaft zu machen, hat der Gesetzgeber ein starres Regelwerk geschaffen.

Die USA zeigen, dass es auch einfacher geht.

Seit 2002 werden Riester-Renten gefördert. Ebenfalls seit 2002 können Arbeitnehmer einen Teil ihres Einkommens zu Gunsten einer betrieblichen Altersversorgung, auch als Eichel-Rente bekannt, umwandeln. Seit 2005 gibt es die Förderung im Rahmen der Rürup-Rente. Drei Förderprogramme die für Sparer unflexibler kaum seien könnten.

Im Rahmen der Riester-Rente, können jährlich bis zu 2.100 Euro als Sonderausgabenabzug in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden, jährliche staatliche Grundzulagen in Höhe von maximal 154 Euro bezogen werden und pro nach 2008 geborenem Kind weitere 300 Euro vom Staat in Empfang genommen werden. Die Mittel müssen in zertifizierte Riester-Produkte investiert werden und bleiben bis zur Auszahlung von der Einkommensteuer befreit. Vorteile ergeben sich also für den Sparer durch die Zulagen des Staates und die verzögerte Besteuerung. Kurssteigerungen, Zinsen, und Zinsen auf Zinsgewinne unterliegen erst zum Auszahlungszeitpunkt der Steuerpflicht. Mögliche Anlageformen sind unter anderem Banksparpläne, private Rentenversicherungen oder fondsgebundene Rentenversicherungen. Alle Anlageformen müssen zu Beginn der Auszahlungsphase mindestens die Summe aller Einzahlungen garantieren.

Leider ist die Riester-Rente sehr unflexibel. Während der Auszahlungsphase müssen die Auszahlungen in Form einer lebenslangen Rentenzahlung vollzogen werden. Eine Vollauszahlung des angesparten Betrags wird als ‘schädliche Verwendung‘ angesehen. Lediglich bis zu 30% des Sparvolumens kann sich der Sparer bei Rentenbeginn ‘zulagenunschädlich‘ auszahlen lassen. Zwar ist es möglich, erfolgte Einzahlungen in die Riester-Rente für den Erwerb einer eigengenutzten Immobilie zu verwenden, aber nicht für eine vermietete Immobilie, die ebenso zum Lebensunterhalt im Alter beitragen könnte. Wer seinen Lebensabend im Nicht-EU-Ausland verbringt oder seinen Riester-Vertrag kündigt, muss die erhaltenen Fördermittel gar zurückzahlen.

Die Rürup-Rente soll insbesondere Sparer ansprechen, die relativ hohe Einkommen erzielen und keinen Zugang zur Riesterförderung haben. Ledige können ab 2025 bis zu 20.000 Euro Sonderausgaben in Abzug von ihrem zu versteuernden Einkommen bringen, wenn sie die Mittel in eine förderungsfähige Rentenversicherung einzahlen. 2013 können sie 76% ihrer Einzahlungen in Abzug bringen. Der Prozentsatz steigt in 2%-Schritten bis 2025 auf 100%. Dabei werden etwaige Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung von den 20.000 Euro abgezogen. Ein Sparer, der 10.000 Euro in einem Jahr in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, kann also noch 10.000 Euro vor Abzug der Einkommensteuer in eine Rürup-Rente investieren. Erst die Rentenzahlungen werden dann versteuert.

Allerdings ist auch die Rürup-Rente recht unflexibel. Ein Rürup-Vertrag kann niemals verkauft werden. Der Sparer muss stets auf die lebenslangen Rentenzahlungen im Alter warten. Auch bei Rentenbeginn ist weder eine Teil- noch eine Vollauszahlung möglich. Die Ansprüche aus einem Rürup-Vertrag können außerdem nicht beliehen, verpfändet oder vererbt werden. Es ist lediglich möglich, den Rürup-Vertrag mit einer Hinterbliebenenrente auszustatten.

Die betriebliche Altersversorgung gibt Angestellten die Möglichkeit, von der so genannten Eichel-Förderung zu profitieren und jährlich einen Betrag vor Abzug der Einkommensteuer und der Sozialversicherunsbeiträge zu investieren. Im Jahre 2013 beispielsweise können bis zu 2.754 Euro sozialabgaben- und bis zu 4.584 Euro einkommensteuerfrei investiert werden. Der Nachteil ist jedoch, dass Arbeitnehmer in Produkte zur Altersvorsorge des Versorgungsträgers investieren müssen, den der Arbeitgeber auswählt. Ein Vorteil zu Rürup- und Riester-Renten ist, dass einmalige Auszahlungen zu Rentenbeginn nicht ausgeschlossen sind.

Die USA machen es Sparern leichter, von Steuervorteilen zu profitieren und ihre Investments flexibel zu gestalten. So genannte 401(k) Sparpläne sind eine Mischung aus privater Altersvorsorge und betrieblicher Altersversorgung. Arbeitnehmer können einen Teil ihres Einkommens vor Steuern in ihr 401(k) Depot investieren. 2013 liegt die Obergrenze bei 17.500 US-$. Damit liegen die möglichen steuerfreien Einzahlungen der Arbeitnehmer bereits deutlich über den steuerbegünstigten Einzahlungen, die im Rahmen einer Riesterrente oder einer betrieblichen Altersversorgung in Deutschland möglich sind. Hinzukommen Einzahlungen der Arbeitgeber. Unternehmen können pro vom Arbeitnehmer eingezahltem US-$ einen Dollarbetrag hinzugeben. Insgesamt können sich die gemeinsamen Einzahlungen eines Arbeitnehmers und seines Unternehmens 2013 auf 51.000 US-$ belaufen. Obwohl nur wenige Arbeitnehmer diesen Höchstbetrag gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber einzahlen, wird deutlich, dass private Altersvorsorge in den USA steuerlich stärker gefördert wird als in Deutschland. Die Anlagemöglichkeiten werden ähnlich wie in Deutschland bei der betrieblichen Altersversorgung durch den Arbeitgeber bestimmt. Allerdings bieten die Sparpläne der Arbeitgeber in den USA in den meisten Fällen deutlich mehr Auswahlmöglichkeiten als die Modelle der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland.

Ein weiterer, wohl schwerwiegenderer, Vorteil wird Sparern in den USA im Vergleich zu deutschen Sparern zuteil. Wenn Arbeitnehmer das Unternehmen wechseln, können sie ihr 401(k) Depot zu dem neuen Unternehmen mitnehmen oder, und diese Option ist attraktiver, sie können ihr 401(k) Depot in ihr privates Rentendepot, sogenannte Individual Retirement Accounts, überführen. Dort bleiben bisher erzielte und zukünftige Gewinne aus Kurssteigerungen, Dividenden und Zinsen steuerfrei und müssen erst bei der Auszahlung im Alter versteuert werden. Der große Vorteil der Individual Retirement Accounts, der privaten Rentendepots, ist, dass der Sparer volle Kontrolle über die Art der Investments hat. Der Sparer kann also gemäß seiner eigenen Vorlieben frei zwischen Aktien, Anleihen, Fonds und Indexpapieren wählen.

Sowohl für die 401(k) Depots als auch die privaten Rentendepots gilt, dass Sparer ab einem Alter von 59,5 Jahren frei über ihr Gespartes verfügen können. Zudem ist es möglich, in jüngeren Jahren Mittel beispielsweise für einen Hauskauf zu entnehmen. Allerdings wird bei 401(k) Depots eine Strafgebühr in Höhe von 10% des Entnahmebetrags fällig, während aus privaten Rentendepots bis zu 10.000 US-$ gebührenfrei entnommen werden können.

Wenn das Ziel der deutschen Bundesregierung ist, Anreize für Sparer zu setzen, sollte sie sich ein Vorbild an den in den USA gültigen Regelungen nehmen. In den USA sind höhere jährliche Einzahlungen von der Steuer befreit, die Sparer können das Portfolio ihrer privaten Rentendepots eigenständig zusammenstellen und mit Beginn des Rentenalters können sie vollständig über ihr Erspartes verfügen.

Update 30.08.2014: Mehr zu diesem Thema im IREF Policy Paper Förderung der freiwilligen Altervorsorge in Deutschland

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Kommentar (1)

DBA

3. Dezember 2014, 19:34 von ralf

Vielen Dank fuer den infromativen Artikel; hierzu nun meine Frage: Wie werden die Entnahmen eines 401k accounts besteuert, wenn ein Deutscher mit amerikanischer Staatsbürgerschaft nach Beendigung des Berufslebens in den USA wieder nach Deutschland kommt?
Vielen Dank

- Antwort -

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