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Reale Zinsen auf gesamte Staatsschulden: Kein historischer Tiefststand
Staatschuldenstand in Deutschland aber höher denn je

Der deutsche Staat kann sich derzeit zu sehr niedrigen Zinsen verschulden. Die kürzliche Entscheidung der EZB, private und staatliche Anleihen im Umfang von 1,1 Billionen Euro zu kaufen, wird dazu beitragen, dass die Zinsen auf zusätzliche Schulden deutscher Gebietskörperschaften auch weiterhin niedrig bleiben. Man könnte den Eindruck gewinnen, die von der öffentlichen Hand in Deutschland zu zahlenden realen Zinsen seien so niedrig wie nie zuvor. Allerdings waren die realen Zinsen des Staates auf die gesamten Schulden in den 1970er Jahren noch niedriger als heute. Trotzdem besteht ein gravierender Unterschied zwischen damals und heute: 1975 belief sich die Staatsschuldenquote Deutschlands auf 23%, 2013 waren es 79%. Die derzeit niedrige Zinsbelastung sollte nicht nur dazu genutzt werden, die Staatsschuldenquote unter das im Vertrag von Maastricht geforderte Ziel von 60% zu drücken, sondern auch um die absoluten Schulden abzubauen.

Nomineller Zins auf gesamte Staatsschulden: Aktuell auf Tiefststand

Die Kosten der Neuverschuldung für den Staat sind derzeit sehr niedrig. Der Bund konnte sich im Januar dieses Jahres durch den Verkauf 10-jähriger Bundesanleihen zu einem Zins von 0,52% verschulden. Bei einer erwarteten Inflationsrate von über 1% ist die erwartete reale Rendite auf Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit also negativ. Auch andere Gebietskörperschaften können sich derzeit sehr günstig verschulden.

Von dem Zins auf neue Staatsschulden lässt sich der Zins auf den Bestand an Schulden des Staates unterscheiden. Näherungsweise lässt sich der Zins auf den Bestand öffentlicher Schulden berechnen, indem die Zinszahlungen eines Jahres ins Verhältnis zum Bestand an Schulden gegenüber nicht-staatlichen Einrichtungen am Ende eines Jahres gesetzt werden. Die Bundesbank geht ähnlich vor. In der nachstehenden Grafik sind sowohl der sich so ergebene Nominalzins auf die Staatschulden aller deutscher Gebietskörperschaften als auch die Inflationsrate von 1962 bis 2013 abgetragen. Die nominalen Zinsen waren über den betrachteten Zeitraum nie niedriger als 2013.

Realer Zins: Heute höher als Aanfang der 1970er Jahre

Berücksichtigt man jedoch die Inflationsrate und zieht sie vom Nominalzins ab, um den realen Zins betrachten zu können, ergibt sich ein anderes Bild. Die heutige Situation scheint weniger außergewöhnlich zu sein. Die derart definierten vom Staat zu zahlenden realen Zinsen waren 1971 bis 1975 und in den Jahren 1980 und 1981 niedriger als heute. Hohe Inflationsraten in den Jahren der ersten Ölkrise führten in den Jahren 1973 bis 1975 gar zu negativen realen Zinsen auf die ausstehenden Staatsschulden.

Im Durchschnitt lag der reale Zins von 1962 bis 2013 bei 2,7%. Im Jahre 2013 belief sich der vom Staat auf seine ausstehenden Schulden zu leistende reale Zins auf 1,1% und lag damit deutlich unter dem ermittelten Durchschnitt. Kommt es in den nächsten Jahren zu keiner Deflation, wird der reale Zins in den kommenden Jahren weiter fallen. Ältere nominell höher verzinste Anleihen werden auslaufen, niedrig verzinste Anleihen der letzten Jahre werden schwerer wiegen und es werden vermutlich niedrig verzinste Anleihen in den kommenden Jahren hinzukommen.

Ein weiterer Fall des realen Zinses in den kommenden Jahren wäre allerdings angesichts der Entwicklung seit 1962 nicht per se außergewöhnlich. Über den gesamten Zeitraum seit 1962 ließe die Entwicklung der Höhe des realen Zinses auch dann einen klaren Trend nach unten vermissen.

1970er Jahre vs. 2013: Höhe der Staatsverschuldung macht Unterschied

Anders verhält es sich mit der Entwicklung der Staatschuldenquote seit 1962, die die gesamten Schulden des Staates ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt. Sie ist von unter 30% in den 1970er Jahren auf knapp unter 80% im Jahre 2013 gestiegen.

Um die deutschen öffentlichen Haushalte robuster zu machen, sollte die derzeitige Phase niedriger Zinsen zum Abbau der Staatsschuldenquote und zum Abbau des Bestandes an Schulden der öffentlichen Hand genutzt werden. Die Kombination aus niedrigem Schuldenstand und ausgeglichenem Budget würde öffentliche Haushalte langfristig robust und damit weniger anfällig für Krisen werden lassen.



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