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Riestern: Nur 43% tun es

Im dritten Quartal 2013 verzeichnete das Bundesministerium für Arbeit und Soziales knapp 16 Millionen abgeschlossene Riesterverträge. Bei etwa 37 Millionen Förderberechtigten ergibt sich daraus ein Verbreitungsgrad der Riester-Rente von 43%. Während 57% der Förderberechtigten die in Form der Riester-Rente bereitgestellten Subventionen nicht nutzen. Der geringe Verbreitungsgrad der Subvention ist angesichts der unflexiblen Ausgestaltung der Riester-Rente nicht erstaunlich.

Anstatt nur ausgewählte Riester-Produkte zu fördern, sollte der Gesetzgeber allen Sparern unabhängig der von ihnen bevorzugten Produkte die Möglichkeit geben, von staatlicher Förderung zu profitieren. Dadurch würde es den Menschen leichter fallen, die zukünftigen Lücken in der gesetzlichen Rentenversicherung privat zu stopfen.

Mehr als die Hälfte riestert nicht

Die Anzahl der Riesterverträge hat sich seit Auflage der Riester-Rente erwartungsgemäß vervielfacht. Allerdings stagniert die Anzahl der Riesterverträge seit 2012 bei knapp 16 Millionen. Zum Ende des dritten Quartals 2013 belief sich die Anzahl der laufenden Riesterverträge auf 15,79 Millionen. Um dieser Zahl Aussagekraft zu verleihen, muss sie ins Verhältnis zu der Anzahl der Förderberechtigten gesetz werden. Es ist nicht bekannt, wie viele Menschen genau zu diesem Kreis zu zählen sind. Schätzungen zufolge sind es derzeit zwischen 37 und 38 Millionen. Folglich haben derzeit höchstens 43% der Förderberechtigten einen Riestervertrag abgeschlossen.

Trotz Subvention: Riester-Rente nicht bedingungslos besser

Es ist kein gutes Zeichen, dass viele Menschen, die sich bereits für das Sparen entschieden haben, die Vorteile und Nachteile der Riester-Rente vorsichtig gegeneinander abwägen müssen, um sich für oder gegen einen Riestervertrag zu entschließen. Obwohl Riesterverträge durch Zulagen und steuerliche Förderungen vom Staat bezuschusst werden, ist nicht offensichtlich, dass sie attraktiver sind als vom Staat nicht geförderte Alternativen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Trotz staatlicher Förderung werden riesterzertifizierte Produkte nicht bedingungslos als attraktiver für die Altersvorsorge eingeschätzt als nicht bezuschusste Finanzprodukte.

Eingeschnürte Sparer: Enges Korsett der Riester-Rente

Für diese Kuriosität gibt es zwei schwerwiegende Gründe. Erstens, Sparer können bei Riesterprodukten während der Auszahlungsphase nicht frei über das Timing der Zahlungen entscheiden. Bei Rentenbeginn können höchstens bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals "zulagenunschädlich" an den Sparer ausgezahlt werden. Der Rest des Kapitals muss in lebenslange Rentenzahlungen umgewandelt werden.

Zweitens, Riester-Produkte müssen die eingezahlten Beiträge garantieren. Dadurch wird der Kreis in Frage kommender Anlageprodukte reduziert und die Produkte werden teurer, weil sich die Anbieter gegen das Risiko möglicher Kursverluste versichern.

Gesetzliche Rente: Rentner werden relativ Ärmer

Aus dem Rentenversicherungsbericht 2013 geht hervor, dass die Bundesregierung bei einer mittleren Lohnentwicklung von einem Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern von heute 47,8% auf 45,4% im Jahre 2027 ausgeht. Das Sicherungsniveau vor Steuern zeigt an, wie hoch eine Standardrente (45 Entgeltpunkte) im Vergleich zum Durchschnittsentgelt ausfällt. Wird lediglich die gesetzliche Rente berücksichtigt, wird der Standardrentner relativ zum durchschnittlichen Arbeitnehmer zusehends ärmer. 2027 wird sich die durchschnittliche Rente gemäß der Schätzung auf 45,4% des durchschnittlichen Arbeitsentgelts belaufen. 1977 lag sie noch bei knapp 60%.

Unattraktive Riester-Rente sichert Sicherungsniveau nicht

Die Bundesregierung legt auch Schätzungen vor, die die Auswirkungen der Riester-Rente berücksichtigen. Mit Riester-Rente soll das Sicherungsniveau demnach längerfristig bei knapp über 51% liegen. Die Krux mit den Zahlen zur Riester-Rente ist jedoch, dass davon ausgegangen wird, der Standardrentner habe einen Riestervertrag. Es haben jedoch nur 43% der Förderberechtigten einen Riestervertrag abgeschlossen. Während die Große Koalition die private Altersvorsorge vernachlässigt und stattdessen das von ihr geplante Rentenpaket bewirbt, zeichnen die Daten im Rentenversicherungsbericht 2013 in Bezug auf den Beitrag der Riester-Rente zur Standardrente ein übertrieben rosiges Bild.

Alternative: Mehr Freiräume in der Altersvorsorge

Es mag sein, dass sich einige Sparer gerade die restriktiven Eigenschaften derzeitiger Riester-Produkte für ihre Altersvorsorge wünschen. Das ist jedoch kein Grund, sie allen Sparern vorzuschreiben, die für ihr Alter vorsorgen und die Förderungen des Staates nutzen wollen. Derzeit wird bestraft, wer sich bei dem wichtigen Thema Altersvorsorge nicht in Abhängigkeit von den rigiden Strukturen der Riester-Rente bringen möchte. Der Gesetzgeber sollte sich darauf beschränken, die Altersvorsorge zu fördern - unabhängig von der vom Sparer gewählten Anlageform. Dann würden sich gewiss viele der etwa 21 Millionen Förderberechtigten, die Riester nicht nutzen, für eine Förderung entscheiden und etwas optimistischer in die Zukunft blicken.

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