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Sanktionen gegen Moskau: Schlechter Deal für Europas Banken
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Während die Staatschefs der westlichen Länder die Wirtschaftssanktionen gegen Russland als Erfolg feiern, wird immer klarer, dass Russland in Wirklichkeit alle Trümpfe in der Hand hält: Es verfügt über reichhaltige Vorräte harter Vermögenswerte wie Öl, Gas und Gold, die sich hervorragend zur Deckung neuer Derivate eignen. Russland könnte so hohe Renditen anbieten und ausländische Investoren an den Sanktionen vorbei ins Land locken. Auch die europäischen Banken – von der EZB dazu angetrieben das Wachstum in der Euro-Zone anzukurbeln – würden gerne wieder in Russland investieren. Dass Sanktionen und Gesetze sie langfristig daran hindern könnten, scheint nicht allzu wahrscheinlich zu sein.

Westliche Spitzenpolitiker sind derzeit so berauscht vom Erfolg ihrer Sanktionen gegen Russland, dass sogar Präsident Obama sich dazu herablies, Vladimir Putin in einem TV-Interview im Dezember zu verhöhnen. Konfrontiert mit Berichten, Putins taktische Überlegenheit über den Westen im vergangenen Jahr – insbesondere bezüglich des Ukraine-Konflikts – habe ihn zum geopolitischen Äquivalent eines Schach-Großmeisters gemacht, entfuhr es Obama: „Er verwaltet den Zusammenbruch seiner Währung, eine Finanzkrise und einen massiven Wirtschaftsabschwung… Das klingt nicht grade nach jemandem, der mich oder die USA übertrumpft.“

Vertreter der Leitmedien teilten diese Interpretation der Ereignisse. Die wie gewohnt Ende Dezember erschienenen Jahresrückblicke für 2014 und Jahresausblicke für 2015 enthielten wie üblich ein breites Spektrum an Prognosen für die Kapital- und Staatsanleihenmärkte – doch bezüglich Russland waren die Vorhersagen eindeutig: Putin schwankt nun sowohl wegen der Sanktionen als auch aufgrund des Ölpreisverfalls und seine innenpolitischen Probleme spitzen sich zu. Daher hat er kaum noch Gelegenheit, den Westen erneut zu provozieren und steht vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder er forciert eine unterwürfige Entspannungspolitik oder er entzieht sich dem Westen ganz, riegelt den Zugang zu westlichen Märkten ab und errichtet einen neuen finanziellen Eisernen Vorhang – in der Hoffnung auf stärkere Handelsbeziehungen zu Asien und China. Die meisten Kommentatoren und Analysten erwarten letzteres.

Wirkungskraft der Sanktionen wird überschätzt

Der Grund für diesen breiten Konsens ist, dass eine Wiederannäherung Russlands und der USA unter Wahrung von Russlands Würde unvorstellbar scheint. Ganz gleich wie gering die Konzessionen auch ausfallen, die Washington im Ausgleich für eine Aufweichung der Sanktionen fordern wird – für Moskau werden sie zu groß sein.

Der Fehler dieser Analyse ist, dass er zwei Phänomene stark übertreibt. Erstens: Das Ausmaß internationaler politischer Unterstützung für die Sanktionen (worüber durchaus berichtet wird); und zweitens: Die Fähigkeit von Politikern und Zentralbanken zur Lenkung der Finanzmärkte (worüber weniger stark berichtet wird).

Aufgrund einer Fehleinschätzung des zweiten Punktes spielt die attraktivste Option Russlands in den meisten Berichten keine Rolle: Russland könnte die diplomatischen Kanäle schlicht umgehen und in direkten Austausch mit Investoren auf dem Markt treten – sowohl um den Rubel zu stärken als auch um die Fehlwahrnehmung zu korrigieren, dass Russlands Wirtschaft fundamental schwach wäre.

Russlands Abhängigkeit vom Westen: Eine Fehleinschätzung

Russland ist im Besitz gewaltiger Reserven an harten Vermögenswerten, Öl, Gas, Metalle, inklusive Gold, und andere Rohstoffe. Tatsächlich könnte allein das Gold ein Viertel des russischen Geldmengenaggregats M1 zu gegenwärtigen Preisen decken (zum Vergleich: Die USA könnten 4% Deckung erlangen). Teile dieser Vermögenswerte könnten zur Deckung von neu aufgelegten Wertpapieren genutzt werden um westliches Kapital anzulocken und so die Sanktionen zu umgehen.

Selbst wenn man die international abnehmende Bereitschaft zur Stützung der westlichen Sanktionen beiseitelässt, so ist doch offensichtlich: Politiker und Zentralbanker können via Geldpolitik zwar die Märkte stark verzerren, doch es steht nicht in ihrer Macht, große Investmentfonds auf der Jagd nach höherer Rendite davon abzuhalten, solche mit krisensicheren Vermögenswerten besicherten Wertpapiere in Russland zu erwerben – vorausgesetzt, die Wertpapiere sind attraktiv strukturiert.

Russland ist für Europas Banken attraktiv

Und was würden dann die europäischen Banken machen – ebenfalls auf der Suche nach Rendite, doch gesetzlich daran gehindert, Russland Geld zu leihen? Die europäischen Banken sind keine Fans der Sanktionen. Von der EZB dazu gedrängt, das Wachstum der rezessionsgeplagten europäischen Ökonomien etwas anzukurbeln, war das letzte was sie derzeit brauchen konnten ein Gesetz, das sie dazu zwingt, renditereiche Kredite an solvente russische Banken und Unternehmen zu kündigen. Wie würden unsere Banken reagieren wenn Russland tatsächlich den oben beschriebenen Weg gehen würde?

Banker, insbesondere die relevanten Entscheidungsträger in Banken, sind vor allem finanziell eigennützige, rationale Akteure, die stets danach streben, ihren persönlichen Cashflow zu maximieren – im Rahmen der sich beständig wandelnden Regeln und Aufsichtsvorschriften. Und die Regeländerungen kommen ihnen durchaus entgegen. Praktiken wie die Rehypothekatisierung von Sicherheiten, der Hochfrequenzhandel zu Lasten der eigenen Kunden und die Untertreibung erwarteter Kreditausfälle wurden alle durch Änderungen am Rahmenregelwerk im Laufe des Jahres 2014 legalisiert. Wenn ein Banker mal ein bisschen über das Ziel hinaus schießt und für ernsthafte Regelübertretungen zur Verantwortung gezogen wird, beträgt die Strafe vielleicht eine Milliarde US-Dollar der Überschussliquidität, die ihnen die Zentralbanken zuvor aufgedrückt haben.

Für solche Akteure ist es zwingend notwendig, den Fortbestand ihrer Bank abzusichern. Selbst wenn die Sanktionen in allen 28 europäischen Staaten bestehen bleiben sollten, ist es nicht schwer, sich neue Derivate, Buchhaltungstricks oder andere Innovationen vorzustellen, mittels derer europäische Banken die Sanktionen umgehen könnten.

Bildnachweis: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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